Ver­län­ge­rung immis­si­ons­schutz­recht­li­cher Geneh­mi­gun­gen – und das Kla­ge­recht der Umwelt­ver­bän­de

Umwelt­schutz­ver­ei­ni­gun­gen sind befugt, immis­si­ons­schutz­recht­li­che Ent­schei­dun­gen, mit denen die Frist zur Errich­tung oder Inbe­trieb­nah­me einer Anla­ge ver­län­gert wird, vor Gericht anzu­fech­ten.

Ver­län­ge­rung immis­si­ons­schutz­recht­li­cher Geneh­mi­gun­gen – und das Kla­ge­recht der Umwelt­ver­bän­de

In dem vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Fall hat sich die kla­gen­de Umwelt­schutz­ver­ei­ni­gung gegen die Erwei­te­rung einer Hähn­chen­mast­an­la­ge von 39 900 auf 173 200 Tier­plät­ze gewandt. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat die­se Geneh­mi­gung wegen feh­len­der FFH-Ver­träg­lich­keits­prü­fung für rechts­wid­rig und nicht voll­zieh­bar erklärt. Die Betrei­be­rin der Anla­ge bemüht sich gegen­wär­tig um die Nach­ho­lung die­ser Prü­fung. In dem Geneh­mi­gungs­be­scheid war eine Frist zur Inbe­trieb­nah­me der Anla­ge bis Anfang 2016 gesetzt wor­den. Die­se Frist ist zwei­mal ver­län­gert wor­den, zuletzt bis zum 31. Janu­ar 2020. Gegen die­se zwei­te Frist­ver­län­ge­rung wen­det sich die Umwelt­schutz­ver­ei­ni­gung im hie­si­gen Ver­fah­ren.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Sach­sen-Anhalt hat die Kla­ge man­gels Kla­ge­be­fug­nis als unzu­läs­sig abge­wie­sen 1. Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der Umwelt­schutz­ver­ei­ni­gung hat­te vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Erfolg:

Die Kla­ge­be­fug­nis ergibt sich für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt aus § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 des Umwelt-Rechts­be­helfs­ge­set­zes. Die­se Norm ist weit aus­zu­le­gen, sodass sie soweit wie mög­lich in Ein­klang mit den Zie­len der Aar­hus-Kon­ven­ti­on steht, die u.a. die Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on unter­zeich­net haben. Nach deren Art. 9 Abs. 3 ist Umwelt­schutz­ver­ei­ni­gun­gen Zugang zu Gericht zu ein­zu­räu­men, um die Ver­let­zung umwelt­schutz­be­zo­ge­ner Vor­schrif­ten gel­tend machen zu kön­nen. Da die Vor­aus­set­zun­gen für die hier umstrit­te­ne Ver­län­ge­rungs­ent­schei­dung nicht bloß for­mel­ler Natur sind, son­dern hier­bei über­schlä­gig auch umwelt­schutz­recht­li­che Bestim­mun­gen zu beach­ten sind, wird die­se von der genann­ten Kla­ge­mög­lich­keit erfasst.

Da das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die Begründ­etheit der Kla­ge noch nicht geprüft hat, war die Sache dort­hin zurück­zu­ver­wei­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 19. Dezem­ber 2019 – 7 C 28.18

  1. OVG LSA, Urteil vom 08.06.2018 – 2 L 11/​16[]