Vogel­schutz statt Fische­rei

Vogel­schutz geht vor: Die Weser­fi­sche­rei­ge­nos­sen­schaft darf den Kor­moran­be­stand im Vogel­schutz­ge­biet Weser­aue nicht ver­rin­gern. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den hat heu­te zwei dies ableh­nen­de Ent­schei­dun­gen des Krei­ses Min­den-Lüb­be­cke bestä­tigt.

Vogel­schutz statt Fische­rei

Grund­sätz­lich ver­bie­ten sowohl arten­schutz- als auch land­schafts­schutz­recht­li­che Vor­schrif­ten die Tötung und Stö­rung von Kor­mo­ra­nen als beson­ders geschütz­te Art. Die kla­gen­de Weser­fi­sche­rei­ge­nos­sen­schaft Min­den hat­te im August 2008 bean­tragt, ihr den Abschuss und die Ver­trei­bung von Kor­mo­ra­nen aus­nahms­wei­se auch im EU-Vogel­schutz­ge­biet zu geneh­mi­gen, um den Fisch­fraß in ihren Gewäs­sern ein­zu­däm­men. Hier­zu plan­te sie, Kor­mo­ra­ne abzu­schie­ßen; außer­dem soll­te der Umfang der Kor­mo­ran-Brut­ko­lo­nie im Bereich des Natur­schutz­ge­bie­tes „Lah­der Marsch“ ein­ge­grenzt wer­den, indem brü­ten­de Kor­mo­ra­ne durch Laser so gestört wer­den, dass sie ihre Nes­ter ver­las­sen. Der beklag­te Kreis Min­den-Lüb­be­cke hat­te die Anträ­ge im Wesent­li­chen mit der Begrün­dung abge­lehnt, dass die vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men den Schutz­zwe­cken von Vogel­schutz- und Natur­schutz­ge­bie­ten zuwi­der­lie­fen, weil sie auch ande­re Vogel­ar­ten stör­ten. Gegen die­se Ent­schei­dun­gen rich­te­ten sich die Kla­gen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den wies bei­de Kla­gen ab. Maß­geb­lich für die Ent­schei­dung des Gerichts war zum Einen die Tat­sa­che, dass die man­geln­de Wirk­sam­keit der bereits ergrif­fe­nen Maß­nah­men zur Ver­rin­ge­rung des Kor­moran­be­stan­des – außer­halb geschütz­ter Flä­chen ist deren Abschuss inzwi­schen unein­ge­schränkt zuläs­sig und wird auch prak­ti­ziert – bis­lang nicht fest­ge­stellt wor­den sei; ins­be­son­de­re feh­le eine fun­dier­te Eva­lua­ti­on. Inso­fern kön­ne nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass der von der Klä­ge­rin geplan­te Abschuss bzw. die Ver­trei­bung durch Laser die ein­zi­ge Mög­lich­keit sei, um die Kor­mo­ra­ne im erfor­der­li­chen Umfang zu dezi­mie­ren. Zum Ande­ren sei nicht sicher­ge­stellt, dass ande­re im Vogel­schutz­ge­biet ansäs­si­ge Vogel­ar­ten durch die­se Maß­nah­men nicht in erheb­li­cher Wei­se gestört wür­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den, Urtei­le vom 16. Juni 2009 – 1 K 3208/​08 und 1 K 774/​09