Wald­um­wand­lung mit Lege­hen­nen?

Ein Lege­hen­nen­be­trieb darf angren­zen­den Wald nicht als Aus­lauf­flä­che für sei­ne Lege­hen­nen nut­zen. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter hat soeben – wie in der Vor­in­stanz bereits das Ver­wal­tungs­ge­richt Düs­sel­dorf – die Voll­zieh­bar­keit einer Ord­nungs­ver­fü­gung des Lan­des­be­triebs Wald und Holz NRW bestä­tigt, mit der einem in Vel­bert ange­sie­del­ten Lege­hen­nen­be­trieb unter­sagt wor­den ist, einen in der Nach­bar­schaft zum Betrieb lie­gen­den Wald mit einer Grö­ße von ca. 5 ha als Aus­lauf­flä­che für die Lege­hen­nen zu nut­zen. Die Müns­te­ra­ner Rich­ter sind eben­so wie der Lan­des­be­trieb davon aus­ge­gan­gen, dass für eine sol­che Nut­zung eine sog. Wald­um­wand­lungs­ge­neh­mi­gung erfor­der­lich ist, über die der Betrieb aber nicht ver­fügt, und dass die Ertei­lung die­ser Geneh­mi­gung der­zeit nicht in Betracht kommt, weil es zudem an einer (vor­ran­gi­gen) Befrei­ung nach dem Land­schafts­ge­setz fehlt.

Wald­um­wand­lung mit Lege­hen­nen?

In einem wei­te­ren Beschluss hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter auch die Beschwer­de des Land­wirts gegen eine wei­te­re Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Düs­sel­dorf zurück gewie­sen, mit der die Voll­zieh­bar­keit einer Ord­nungs­ver­fü­gung des Lan­des­am­tes für Natur, Umwelt und Ver­brau­cher­schutz bestä­tigt wur­de, in der dem Lege­hen­nen­be­trieb unter­sagt wor­den ist, tie­ri­sche Erzeug­nis­se aus die­sem Betrieb mit einem Hin­weis auf den öko­lo­gi­schen Land­bau zu ver­mark­ten:

Die Hal­tung der Lege­hen­nen in dem Betrieb ent­spre­che, so die Müns­te­ra­ner Rich­ter, nicht den Anfor­de­run­gen der soge­nann­ten EU-Öko-Ver­ord­nung, in der im Ein­zel­nen fest­ge­legt ist, wel­che Vor­aus­set­zun­gen ein Betrieb erfül­len muss, damit die dort erzeug­ten Pro­duk­te als aus einer ökologischen/​biologischen Pro­duk­ti­on stam­mend ver­mark­tet wer­den dür­fen. Den Lege­hen­nen ste­he nicht die von die­ser Ver­ord­nung gefor­der­te frei zugäng­li­che Außen­flä­che von min­des­tens 4 m² je Tier zur Ver­fü­gung, da der als Aus­lauf­flä­che vor­ge­se­he­ne Wald in Fol­ge des Feh­lens der erfor­der­li­chen Wald­um­wand­lungs­ge­neh­mi­gung nicht zu die­sem Zweck genutzt wer­den dür­fe. Schon wegen der offen­sicht­li­chen Recht­mä­ßig­keit der Ord­nungs­ver­fü­gung über­wie­ge das Voll­zie­hungs­in­ter­es­se des Lan­des­am­tes das Auf­schub­in­ter­es­se des Betrie­bes. Zudem bestehe ein beson­de­res öffent­li­ches Inter­es­se dar­an, das Ver­trau­en der Ver­brau­cher auf die Ein­hal­tung der Vor­schrif­ten über die ökologische/​biologische Pro­duk­ti­on zu schüt­zen. Die­ses Ver­trau­en wer­de in beson­de­rer Wei­se erschüt­tert, wenn wäh­rend des Laufs eines Kla­ge­ver­fah­rens ein Ver­trieb von Pro­duk­ten als aus einer ökologischen/​biologischen Pro­duk­ti­on stam­mend mög­lich wäre, obwohl Zwei­fel dar­an bestün­den, ob der pro­du­zie­ren­de Betrieb den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen an eine sol­che Pro­duk­ti­on hin­rei­chend Rech­nung tra­ge.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Beschlüs­se vom 28. Juli 2010 – 20 B 327/​10 und 20 B 514/​10