Wind­kraft­an­la­gen gegen geschütz­te Tier­ar­ten

Kann nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass durch die Fort­set­zung von Rodungs­ar­bei­ten für Wind­kraft­an­la­gen mög­li­cher­wei­se Lebens­räu­me geschütz­ter Tier­ar­ten zer­stört wer­den und inso­weit voll­ende­te Tat­sa­chen geschaf­fen wer­den, die im Fall der Nicht­ge­neh­mi­gung zur Errich­tung der Wind­kraft­an­la­gen nicht kurz­fris­tig rück­gän­gig zu machen wären, müs­sen die Rodungs­ar­bei­ten unter­sagt wer­den.

Wind­kraft­an­la­gen gegen geschütz­te Tier­ar­ten

Mit die­ser Begrün­dung hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof der Beschwer­de des Natur­schutz­bun­des Deutsch­land gegen einen Beschluss des Ver­wal­tungs­ge­richts Gie­ßen statt­ge­ge­ben. Das Regie­rungs­prä­si­di­um Gie­ßen hat­te auf Antrag der Gemein­de Bad End­bach bezüg­lich drei Wind­kraft­an­la­gen den vor­zei­ti­gen Beginn der Errich­tungs- und Rodungs­ar­bei­ten mit der Maß­ga­be zuge­las­sen, dass die Rodun­gen bis zum 20. März 2012 abge­schlos­sen wer­den müs­sen. Eine end­gül­ti­ge Geneh­mi­gung zur Errich­tung der drei Anla­gen ist noch nicht erteilt.

Gegen den Beginn der Rodungs­ar­bei­ten vor Ertei­lung der Errich­tungs­ge­neh­mi­gung hat­te der Natur­schutz­bund Deutsch­land einst­wei­li­gen Rechts­schutz bean­tragt. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen hat dar­auf­hin am 14. März 2012 dem Regie­rungs­prä­si­di­um Gie­ßen im Wege einer Zwi­schen­re­ge­lung auf­ge­ge­ben, bis zu einer end­gül­ti­gen Ent­schei­dung des Gerichts in dem vom Natur­schutz­bund Deutsch­land bean­trag­ten Ver­fah­ren auf Gewäh­rung einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes Maß­nah­men der Gemein­de Bad End­bach als Vor­ha­bens­trä­ge­rin zur Errich­tung der Wind­kraft­an­la­ge WEA 2 zu unter­sa­gen bzw. zu unter­bin­den. Bezüg­lich der Stand­or­te für die geplan­ten Wind­kraft­an­la­gen WEA 1 und WEA 5 wur­de eine sol­che Zwi­schen­re­ge­lung vom Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen abge­lehnt.

Dage­gen haben sowohl der Natur­schutz­bund Deutsch­land als auch die Gemein­de Bad End­bach Beschwer­de beim Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs ist das Inter­es­se des Natur­schutz­bun­des Deutsch­land höher zu gewich­ten als das wirt­schaft­li­che Inter­es­se der Gemein­de Bad End­bach an einem sofor­ti­gen Beginn der Rodungs­maß­nah­men. Zur Begrün­dung führ­te der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof aus, da zum gegen­sei­ti­gen Zeit­punkt und auf­grund der der­zei­ti­gen Sach­la­ge nicht aus­zu­schlie­ßen sei, dass es sich bei den geplan­ten Stand­or­ten der Wind­kraft­an­la­gen um Lebens­räu­me geschütz­ter Tier­ar­ten han­deln könn­te, wür­den durch die Fort­set­zung der Rodungs­ar­bei­ten die­se mög­li­cher­wei­se zer­stört und inso­weit voll­ende­te Tat­sa­chen geschaf­fen wer­den, die auch durch die vor­zei­ti­ge Rodungs­ge­neh­mi­gung des Regie­rungs­prä­si­di­ums ent­hal­te­nen Ver­pflich­tung der Gemein­de Bad End­bach, im Fall der Nicht­ge­neh­mi­gung zur Errich­tung der Wind­kraft­an­la­gen den frü­he­ren Zustand wie­der­her­zu­stel­len, nicht kurz­fris­tig rück­gän­gig zu machen wären.

Auf die Beschwer­de des Natur­schutz­bun­des Deutsch­land hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof die Durch­füh­rung von Rodungs­ar­bei­ten auch für die Stand­or­te der Wind­kraft­an­la­gen WEA 1 und WEA 5 unter­sagt. Die Beschwer­de der Gemein­de Bad End­bach wur­de zurück­ge­wie­sen.

Die vor­läu­fi­ge Unter­sa­gung der Rodungs­ar­bei­ten am Hils­berg gilt bis zu einer Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Gie­ßen über den Antrag des Natur­schutz­bun­des Deutsch­land auf Gewäh­rung einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes.

Hes­si­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. März 2012 – 9 B 622/​12