Unmit­tel­bar­keit der Beweis­auf­nah­me – und die Orts­be­sich­ti­gung durch die Bericht­erstat­te­rin

Gemäß § 96 Abs. 2 VwGO kann das Gericht in geeig­ne­ten Fäl­len schon vor der münd­li­chen Ver­hand­lung durch eines sei­ner Mit­glie­der als beauf­trag­ten Rich­ter Beweis erhe­ben las­sen.

Unmit­tel­bar­keit der Beweis­auf­nah­me – und die Orts­be­sich­ti­gung durch die Bericht­erstat­te­rin

Für die Fra­ge, ob ein geeig­ne­ter Fall vor­liegt, kann auf die Kri­te­ri­en zurück­ge­grif­fen wer­den, die für die Beweis­auf­nah­me durch den Vor­sit­zen­den oder Bericht­erstat­ter im vor­be­rei­ten­den Ver­fah­ren nach § 87 Abs. 3 Satz 2 VwGO gel­ten 1. Nach die­ser Vor­schrift kommt eine Beweis­auf­nah­me durch den Vor­sit­zen­den oder Bericht­erstat­ter in Betracht, wenn von vorn­her­ein anzu­neh­men ist, dass das Gericht das Beweis­ergeb­nis auch ohne unmit­tel­ba­ren Ein­druck von dem Ver­lauf der Beweis­auf­nah­me sach­ge­mäß zu wür­di­gen ver­mag. Das kann auch bei einer Orts­be­sich­ti­gung der Fall sein 2.

Fra­gen der per­sön­li­chen Wür­di­gung spie­len bei der Beschrei­bung der ört­li­chen Ver­hält­nis­se kei­ne aus­schlag­ge­ben­de Rol­le; die Betei­lig­ten haben es zudem in der Hand, dass in die Nie­der­schrift alle tat­säch­li­chen Umstän­de auf­ge­nom­men wer­den, denen sie, aus wel­chen Grün­den auch immer, Bedeu­tung bei­mes­sen.

War­um aus­ge­hend hier­von die Orts­be­sich­ti­gung für eine Über­tra­gung auf die Bericht­erstat­te­rin nicht geeig­net gewe­sen sein soll­te, war dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im hier ent­schie­de­nen Fall nicht ersicht­lich: Um sich eine zutref­fen­de Vor­stel­lung von den Ört­lich­kei­ten zu bil­den, war der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof nicht aus­schließ­lich auf das Pro­to­koll des Orts­ter­mins ange­wie­sen; er konn­te sich auch auf die bei den Akten befind­li­chen Luft­bil­der, Kar­ten und Plä­ne des Gemein­de­ge­biets stüt­zen. Dass die Fra­ge nach dem Gebiets­cha­rak­ter zu den Kern­fra­gen des Rechts­streits gehört, steht der Über­tra­gung der Orts­be­sich­ti­gung auf die Bericht­erstat­te­rin nicht ent­ge­gen. Wäre der Gebiets­cha­rak­ter nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich, hät­te für eine Orts­be­sich­ti­gung von vorn­her­ein kein Anlass bestan­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 20. Novem­ber 2014 – 7 B 27.2014 -

  1. BVerwG, Beschluss vom 21.04.1994 – 1 B 14.94, Buch­holz 11 Art. 140 GG Nr. 54 S. 3 = NJW 1994, 1975 4[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 15.08.1997 – 4 B 130.97, Buch­holz 310 § 87 VwGO Nr. 9 S. 2 3[]