Unpfänd­ba­re Erschwer­nis­zu­la­gen

Unpfänd­ba­re Erschwer­nis­zu­la­gen im Sin­ne von § 850 a Nr. 3 ZPO sind Zula­gen für Dienst zu ungüns­ti­gen Zei­ten und Wech­sel­schicht­dienst [1]

Unpfänd­ba­re Erschwer­nis­zu­la­gen

Die Ver­jäh­rungs­frist für ent­spre­chen­de Besol­dungs­an­sprü­che gemäß § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB beginnt – wegen der unkla­ren Rechts­la­ge hin­sicht­lich der Pfänd­bar­keit von Zula­gen für Dienst zu ungüns­ti­gen Zei­ten und Wech­sel­schicht­dienst – erst im Zeit­punkt der Klä­rung der Rechts­la­ge zu lau­fen.

So die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­garts in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Zah­lungs­kla­ge eines Beam­ten bei der Bun­des­po­li­zei­in­spek­ti­on Stutt­gart, über des­sen Ver­mö­gen das Ver­brau­cher­insol­venz­ver­fah­ren eröff­net wor­den ist. Ab dem Zahl­mo­nat Novem­ber 2004 bis zur Erle­di­gung der Lohn­ab­tre­tung mit Ende der Wohl­ver­hal­tens­pha­se am 16.09.2010 über­wies die Beklag­te Tei­le der Bezü­ge des Klä­gers auf das Treu­hand­kon­to. Hier­in war ein auf Zula­gen für Dienst zu ungüns­ti­gen Zei­ten und Wech­sel­schicht­dienst ent­fal­len­der Betrag von ins­ge­samt 4.208,08 EUR ent­hal­ten. Nach­dem der Wider­spruch gegen die Berech­nung der pfänd­ba­ren Beträ­ge erfolg­los geblie­ben ist, hat der Klä­ger Kla­ge ein­ge­reicht.

In sei­ner Kla­ge­be­grün­dung führt das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart aus, dass ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klä­gers er die Kla­ge weder auf Scha­den­er­satz­an­sprü­che noch auf die von sei­nem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ohne jede Begrün­dung genann­te Vor­schrift des § 812 BGB stüt­zen kann. Ein auf die Ver­let­zung der beam­ten­recht­li­chen Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn (§ 45 BeamtStG, § 78 BBG) gestütz­ter Scha­dens­er­satz­an­spruch [2] schei­det aus, weil der Beklag­ten kein Ver­schul­den vor­ge­wor­fen wer­den kann. Die Fra­ge, ob die strei­ti­gen Zula­gen für Dienst zu ungüns­ti­gen Zei­ten [3] und Wech­sel­schicht­dienst (§ 20 EZu­lV) unter die unpfänd­ba­ren Bezü­ge nach § 850 a Nr. 3 ZPO fal­len und des­halb gemäß § 11 Abs. 1 BBesG vom Beam­ten nicht abge­tre­ten wer­den kön­nen, ist strei­tig [4]. Bei zwei­fel­haf­ter Rechts­la­ge schei­det ein Rechts­an­wen­dungs­ver­schul­den jedoch aus. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts liegt in einer zwar objek­tiv unrich­ti­gen, aber nach sorg­fäl­ti­ger Prü­fung vor­ge­nom­me­nen Anwen­dung einer Vor­schrift, deren Inhalt zwei­fel­haft sein kann und höchst­rich­ter­lich noch nicht geklärt ist, kein Ver­schul­den des sach­be­ar­bei­ten­den Beam­ten und des für die­sen ein­tre­ten­den Dienst­herrn [5]. Für einen Anspruch aus unge­recht­fer­tig­ter Berei­che­rung lie­gen kei­ne Anhalts­punk­te vor. Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers hat auch nicht ansatz­wei­se dar­ge­legt, wes­halb er die Beklag­te unge­recht­fer­tigt berei­chert sieht.

Der Klä­ger kann sei­nen Anspruch aber auf den Besol­dungs­an­spruch nach §§ 3, 1 Abs. 2 Nr. 4 BBesG stüt­zen, denn die Beklag­te hat hin­sicht­lich der strei­ti­gen Erschwer­nis­zu­schlä­ge die­sen Anspruch nicht durch die Über­wei­sung der Bezü­ge auf das Kon­to des vom Insol­venz­ge­richt bestell­ten Treu­hän­ders erfüllt.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt folgt der Auf­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts in Lüne­burg im Beschluss vom 17.09.2009 [6], wonach die Zula­gen für Dienst zu ungüns­ti­gen Zei­ten und Wech­sel­schicht­dienst gemäß § 850 a Nr. 3 ZPO unpfänd­bar sind. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg hat hier­zu aus­ge­führt:

„Zutref­fend ist, dass in den Kom­men­tie­run­gen zur Zivil­pro­zess­ord­nung über­wie­gend die Auf­fas­sung ver­tre­ten wird, dass eine Erschwer­nis­zu­la­ge nur dann gemäß § 850 a Nr. 3 ZPO unpfänd­bar ist, wenn sie nicht nur dazu dient, einen Aus­gleich für die ungüns­ti­ge oder unbe­que­me Lage der Arbeit zu schaf­fen, son­dern dar­über hin­aus das Ziel ver­folgt, eine Erschwer­nis abzu­gel­ten, die durch die Art der Arbeit ver­ur­sacht wird [7]. Die Kom­men­tie­run­gen ver­wei­sen inso­weit teil­wei­se und ohne nähe­re Begrün­dung auf das Urteil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Frankfurt/​Main vom 25. Novem­ber 1988 [8], in dem die­se Rechts­auf­fas­sung – eben­falls ohne nähe­re Begrün­dung – ver­tre­ten wor­den ist [9]. Teil­wei­se ver­wei­sen die Kom­men­tie­run­gen zusätz­lich [10] oder aus­schließ­lich [11] auf einen Bescheid des Bun­des­mi­nis­ters der Jus­tiz vom 13. August 1952 [12]. In die­sem Bescheid soll der Bun­des­mi­nis­ter der Jus­tiz im Ein­ver­neh­men mit dem Bun­des­mi­nis­ter für Arbeit aus­weis­lich eines in der Zeit­schrift „Der Betriebs-Bera­ter“ [13] ent­hal­te­nen Hin­wei­ses den Begriff der Schmutz- und Erschwer­nis­zu­la­gen im Sin­ne des § 3 Nr. 3 der Ver­ord­nung zur ein­heit­li­chen Rege­lung des Pfän­dungs­schut­zes für Arbeits­ein­kom­men – Lohn­pfän­dungs­ver­ord­nung 1940 – vom 30. Okto­ber 1940 [14] in der Fas­sung des Geset­zes vom 22. April 1952 [15] dahin erläu­tert haben, dass „dar­un­ter nur sol­che Lohn­zu­schlä­ge zu ver­ste­hen sind, die zur Abgel­tung einer durch die Eigen­tüm­lich­keit der Arbeit ver­ur­sach­ten Erschwer­nis gewährt wer­den.“ Dazu sol­len „Zuschlä­ge für Hit­ze-, Wasser‑, Säure‑, Staub‑, Schacht- und Tunnel‑, Druck­luft- und Tau­cher- sowie Sta­chel­draht­ar­beit“ gehö­ren. Zuschlä­ge für Nacht‑, Sonn- und Fei­er­tags­ar­beit sol­len hin­ge­gen nicht als Erschwer­nis­zu­la­gen ange­se­hen wer­den kön­nen. Die­se Auf­fas­sung ent­spre­che, so die Ver­öf­fent­li­chung, „auch der tarif­li­chen Pra­xis, die Erschwer­nis­zu­la­gen von Nacht‑, Sonn- und Fei­er­tags- und ähn­li­chen Zuschlä­gen klar unter­schei­det.“

In der Kom­men­tie­rung von Thomas/​Putzo zur Zivil­pro­zess­ord­nung [16] wer­den dage­gen nicht bestimm­te Erschwer­nis­zu­la­gen von der Anwend­bar­keit des § 850 a Nr. 3 ZPO aus­ge­nom­men. Eine dahin­ge­hen­de Ein­schrän­kung ist auch nicht in der Kom­men­tie­rung von Saen­ger zur Zivil­pro­zess­ord­nung [17] vor­ge­nom­men wor­den. Dort heißt es viel­mehr, der Arbeit­ge­ber zah­le die­se Beträ­ge zum Aus­gleich für tat­säch­li­che Auf­wen­dun­gen des Arbeit­neh­mers oder dafür, dass die­ser beson­ders unan­ge­neh­me Tätig­kei­ten für ihn aus­übe.

In den Kom­men­tie­run­gen zum Bun­des­be­sol­dungs­ge­setz wird zwi­schen den ver­schie­de­nen Erschwer­nis­zu­la­gen, die in der gemäß § 47 BBesG erlas­se­nen Erschwer­nis­zu­la­gen­ver­ord­nung gere­gelt wor­den sind, dif­fe­ren­ziert. In dem Kom­men­tar von Schwegmann/​Sum­mer zum Bun­des­be­sol­dungs­ge­setz [18] wird die Auf­fas­sung ver­tre­ten, Erschwer­nis­zu­la­gen nach § 47 BBesG sei­en mit Aus­nah­me der Zula­gen für Dienst zu ungüns­ti­gen Zei­ten gemäß § 850 a Nr. 3 ZPO unpfänd­bar. Die gemäß § 850 a Nr. 3 ZPO unpfänd­ba­ren Erschwer­nis­zu­la­gen wer­den in der Kom­men­tie­rung als „Erschwer­nis­zu­la­gen im enge­ren Sin­ne“ bezeich­net. Eine sol­che Dif­fe­ren­zie­rung fin­det sich auch in der Kom­men­tie­rung von Kümmel/​Pohl [19]. Danach sei der Begriff der Erschwer­nis­zu­la­ge nach § 850 a Nr. 3 ZPO enger zu ver­ste­hen als nach der Erschwer­nis­zu­la­gen­ver­ord­nung. Nach der Zivil­pro­zess­ord­nung sei­en Erschwer­nis­zu­la­gen Ent­schä­di­gun­gen für eine in der Arbeit, nicht aber in der Arbeits­zeit begrün­de­te Erschwer­nis [20]. Unter Bezug­nah­me auf das Urteil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Frankfurt/​Main vom 25. Novem­ber 1988 [21] heißt es inso­weit in der Kom­men­tie­rung von Kümmel/​Pohl [21], Sonn‑, Fei­er­tags- und Nacht­zu­la­gen zähl­ten nicht zu den Erschwer­nis­zu­la­gen im Sin­ne des § 850 a Nr. 3 ZPO. Die Zula­ge für Dienst zu ungüns­ti­gen Zei­ten gehö­re danach zu den pfänd­ba­ren Bezü­gen. Anders sei­en dage­gen die Zula­ge für Wech­sel­schicht­dienst und für Schicht-dienst zu beur­tei­len, da die­se Zula­gen auch dem Umstand Rech­nung trü­gen, dass die Arbeit in wech­seln­den Schich­ten mit beson­de­ren Erschwer­nis­sen ver­bun­den sei [22].

Bei Zugrun­de­le­gung der Kom­men­tie­run­gen von Schwegmann/​Summer und Kümmel/​Pohl [21], die der Antrags­geg­ner nicht in sei­ne Über­le­gun­gen ein­be­zo­gen hat, wäre somit zumin­dest die Wech­sel­schicht­zu­la­ge, die der Antrag­stel­ler monat­lich gemäß § 20 Abs. 1 EZu­lV bezieht, gemäß § 850 a Nr. 3 ZPO unpfänd­bar.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg hält jedoch nicht nur die Wech­sel­schicht­zu­la­ge, son­dern dar­über hin­aus auch die auf § 3 EZu­lV beru­hen­de Zula­ge für Dienst zu ungüns­ti­gen Zei­ten für unpfänd­bar. Es nicht zuläs­sig, die­se Erschwer­nis­zu­la­gen von dem Anwen­dungs­be­reich des § 850 a Nr. 3 ZPO aus­zu­neh­men. Wie das Ver­wal­tungs­ge­richt zutref­fend ange­nom­men hat, spricht schon der Wort­laut des § 850 a Nr. 3 ZPO gegen eine Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen ver­schie­de­nen Erschwer­nis­zu­la­gen, da die Vor­schrift aus­drück­lich neben Erschwer­nis­zu­la­gen noch Gefah­ren­zu­la­gen und Schmutz­zu­la­gen anführt, die aber gera­de an die Art der aus­ge­üb­ten – gefähr­li­chen oder schmut­zi­gen – Tätig­keit anknüp­fen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat zu Recht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sich für unpfänd­ba­re Erschwer­nis­zu­la­gen so gut wie kein Anwen­dungs­be­reich mehr fin­den wür­de, wenn im Rah­men des § 850 a Nr. 3 ZPO an die Art der aus­ge­üb­ten Tätig­keit ange­knüpft wür­de.

Auch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des § 850 a Nr. 3 ZPO lässt es nicht zu, Zula­gen nach der Erschwer­nis­zu­la­gen­ver­ord­nung von dem Anwen­dungs­be­reich des § 850 a Nr. 3 ZPO aus­zu­neh­men. Die Vor­schrift des § 850 a ZPO ist durch Art. 1 Nr. 12 des Geset­zes über Maß­nah­men auf dem Gebie­te der Zwangs­voll­stre­ckung vom 20. August 1953 [23] in die Zivil­pro­zess­ord­nung ein­ge­fügt wor­den. Dem Gesetz liegt der Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung vom 5. April 1952 [24] zugrun­de. In dem Gesetz­ent­wurf fin­den sich kei­ner­lei Hin­wei­se dahin­ge­hend, dass der Gesetz­ge­ber den ein­deu­tig gewähl­ten Begriff der „Erschwer­nis­zu­la­gen“ nicht umfas­send, son­dern – wie eini­ge der genann­ten Kom­men­tie­run­gen ohne Aus­ein­an­der­set­zung mit den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en mut­ma­ßen – in einem enge­ren, zivil­pro­zes­sua­len Sin­ne ver­stan­den wis­sen woll­te. Dahin­ge­hen­de Anhalts­punk­te fin­den sich auch nicht in der Stel­lung­nah­me des Bun­des­ra­tes vom 29. Febru­ar 1952 zu dem genann­ten Gesetz­ent­wurf [25]. Falls der Gesetz­ge­ber beab­sich­tigt gehabt hät­te, im Rah­men der neu geschaf­fe­nen Vor­schrift des § 850 a Nr. 3 ZPO bestimm­te Erschwer­nis­zu­la­gen von dem Begriff der Erschwer­nis­zu­la­gen aus­zu­neh­men, hät­te es nahe gele­gen, dies in den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en deut­lich zu machen. Das ist indes nicht gesche­hen [26].

Die Ver­su­che des Antrags­geg­ners, zur Stüt­zung der von ihm ver­tre­te­nen Rechts­auf­fas­sung den Bescheid des Bun­des­mi­nis­ters der Jus­tiz vom 13. August 1952 [21], die Lohn­pfän­dungs­ver­ord­nung 1940 vom 30. Okto­ber 1940 [21] oder gar den Erlass des Reichs­post­mi­nis­te­ri­ums vom 22. April 1926 – IV/​VI Q 131 – her­an­zu­zie­hen, füh­ren nicht zum Erfolg der Beschwer­de. Nach der Über­zeu­gung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ist inso­weit neben der schon geschil­der­ten Ent­ste­hungs­ge­schich­te des § 850 a Nr. 3 ZPO von wesent­li­cher Bedeu­tung, dass die Bun­des­re­gie­rung in Art. 1 Nr. 12 des Gesetz­ent­wurfs vom 5. April 1952 [21] die Ände­rung des § 3 Nr. 3 der Lohn­pfän­dungs­ver­ord­nung 1940 über­nom­men hat, die als Art. 1 Nr. 3 des Geset­zes zur Ände­rung von Vor­schrif­ten über den Pfän­dungs­schutz für Arbeits­ein­kom­men vom 22. April 1952 [15] beschlos­sen wor­den sind. Mit der vor­ge­nann­ten Ände­rung des § 3 Nr. 3 der Lohn­pfän­dungs­ver­ord­nung 1940 war ein Ände­rungs­vor­schlag des Bun­des­ra­tes zu dem Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung zu dem genann­ten Gesetz vom 22. April 1952 [21] auf­ge­grif­fen wor­den [27]. Danach soll­ten nicht nur Gefah­ren­zu­la­gen, son­dern auch Schmutz- und Erschwer­nis­zu­la­gen zu unpfänd­ba­ren Bezü­gen erklärt wer­den. Der Bericht­erstat­ter des zustän­di­gen Aus­schus­ses für Rechts­we­sen und Ver­fas­sungs­recht des Deut­schen Bun­des­ta­ges, der dem Ände­rungs­vor­schlag des Bun­des­ra­tes zuge­stimmt hat­te [28], hat­te die­se Neu­re­ge­lung aus­drück­lich zu den „nicht sehr bedeu­ten­den Erwei­te­run­gen“ des Geset­zes in Bezug auf den Pfän­dungs­schutz gezählt [29]. Auch vor die­sem Hin­ter­grund erscheint eine Argu­men­ta­ti­on mit dem zuvor maß­geb­lich gewe­se­nen Rechts­zu­stand zwei­fel­haft. Die Aus­le­gung muss sich viel­mehr von der Fra­ge nach der inne­ren Berech­ti­gung der Gewäh­rung von Pfän­dungs­schutz lei­ten las­sen. Die­se Berech­ti­gung aber bejaht das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg auch für die hier strei­ti­gen Erschwer­nis­zu­la­gen.“

Die­ser Auf­fas­sung schließt sich das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart an. Die strei­ti­gen Zula­gen unter­lie­gen des­halb dem Abtre­tungs­ver­bot des § 11 Abs. 1 BBesG [30]. Die Beklag­te hät­te des­halb nur die Besol­dungs­tei­le an den Treu­hän­der zah­len dür­fen, die der Pfän­dung unter­lie­gen. Die Son­der­kon­stel­la­ti­on eines Pfän­dungs­schut­zes, der erst durch eine gestal­ten­de gericht­li­che Ent­schei­dung rea­li­siert wird und ohne die­se Ent­schei­dung für die Besol­dungs­dienst­stel­le irrele­vant ist [31] ist im vor­lie­gen­den Fall nicht gege­ben. Die objek­tiv rechts­wid­ri­ge, weil durch die Abtre­tung nicht gedeck­te Über­wei­sung der Erschwer­nis­zu­la­gen an den Treu­hän­der führt dazu, dass eine Leis­tung mit befrei­en­der Wir­kung an den ver­meint­li­chen Zes­sio­nar aus­schei­det und die Bezü­ge­for­de­rung des Klä­gers wei­ter­hin Bestand hat. Das Risi­ko für die objek­tiv feh­ler­haf­te Aus­le­gung des § 850 a Nr. 3 ZPO trägt die Beklag­te. Für sie kommt ledig­lich ein Berei­che­rungs­an­spruch gegen den Treu­hän­der bzw. die Insol­venz­schuld­ner im Sin­ne von § 292 Abs. 1 Satz 2 InsO in Betracht [32].

Die von der Beklag­ten erho­be­ne Ein­re­de der Ver­jäh­rung greift nicht durch. Der Besol­dungs­an­spruch des Klä­gers unter­liegt der regel­mä­ßi­gen Ver­jäh­rungs­frist von drei Jah­ren des § 195 BGB. Nach § 199 Abs. 1 BGB beginnt die regel­mä­ßi­ge Ver­jäh­rung mit dem Schluss des Jah­res, in dem der Anspruch ent­stan­den ist und der Gläu­bi­ger von den anspruchs­be­grün­den­den Umstän­den und der Per­son des Schuld­ners Kennt­nis erlangt oder ohne gro­be Fahr­läs­sig­keit erlan­gen müss­te. Der Anspruch auf Zula­gen für Dienst zu ungüns­ti­gen Zei­ten (§ 3 ff EZu­lV) und für Wech­sel­schicht­dienst (§ 20 EZu­lV) sind in den jewei­li­gen Mona­ten ent­stan­den, in denen ihre Vor­aus­set­zun­gen vor­la­gen. Hier­von zu unter­schei­den ist jedoch der Zeit­raum der Kennt­nis der anspruchs­be­grün­den­den Umstän­de im Sin­ne von § 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB. Grund­sätz­lich ist aner­kannt, dass die­se Kennt­nis aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit und Bil­lig­keit eine zutref­fen­de recht­li­che Wür­di­gung der tat­säch­li­chen Umstän­de nicht vor­aus­setzt. Anders ist es jedoch, wenn es sich um eine unüber­sicht­li­che oder zwei­fel­haf­te Rechts­la­ge han­delt, so dass sie selbst ein rechts­kun­di­ger Drit­ter nicht zuver­läs­sig ein­zu­schät­zen ver­mag. In die­sen Fäl­len fehlt es an der Zumut­bar­keit der Kla­ge­er­he­bung als über­grei­fen­der Vor­aus­set­zung für den Ver­jäh­rungs­be­ginn und tritt der Ver­jäh­rungs­be­ginn erst dann ein, wenn eine zutref­fen­de Ein­schät­zung der Rechts­la­ge mög­lich ist, d. h. bei unkla­rer Rechts­la­ge im Zeit­punkt deren Klä­rung [33]. Wie aus­ge­führt, hat (auch) für den Klä­ger hin­sicht­lich der Fra­ge der Pfänd­bar­keit der strei­ti­gen Zuschlä­ge eine sol­che unkla­re Rechts­la­ge bestan­den. Es kann offen­blei­ben, ob inso­weit bereits durch den in einem Eil­ver­fah­ren ergan­ge­nen Beschluss des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Lüne­burg eine hin­rei­chen­de Klä­rung erfolgt ist oder ob dies erst nach einer höchst­rich­ter­li­chen Klä­rung in einem Haupt­sa­che­ver­fah­ren der Fall sein wird. Denn auch wenn man zuguns­ten der Beklag­ten von einer Klä­rung bereits im Jahr 2009 aus­gin­ge, hät­te der Lauf der Ver­jäh­rungs­frist gemäß §§ 199 Abs. 1 BGB erst zum 01.01.2010 begon­nen und wäre die drei­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist im Zeit­punkt der die Ver­jäh­rungs­hem­mung gemäß § 204 Abs. 1 Nr. 12 BGB bewir­ken­den Erhe­bung des Wider­spruchs durch den Klä­ger nicht abge­lau­fen gewe­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 11. Juni 2012 – 3 K 878/​12

  1. wie Nds. OVG, Beschluss vom 17.09.2009 – 5 ME 186/​09, NVwZ-RR 2010, 75[]
  2. vgl. hier­zu Schel­len­bach, Beam­ten­recht in der Pra­xis, 7. Aufl., § 9 Rdnr. 57 ff.[]
  3. § 3 der Ver­ord­nung über die Gewäh­rung von Erschwer­nis­zu­la­gen in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 03.12.1998, BGBl. I 3497, mit spä­te­ren Ände­run­gen – EZu­lV -[]
  4. vgl. den Über­blick über den Mei­nungs­stand im Beschluss des OVG Lüne­burg vom 17.09.2009 – 5 ME 186/​09 -, NVwZ-RR 2010, 75, sowie einer­seits Schwegmann/​Summer, Besol­dungs­recht des Bun­des und der Län­der, A II/​1 § 11 BBesG Rdnr. 84, und Beck­OKZPO, § 850 a Rdnr. 14, sowie ande­rer­seits Musielak, ZPO, 9. Aufl., § 850 a Rdnr. 5, und Münch­KommZPO, 3. Aufl., § 850 a Rdnr. 15[]
  5. vgl. BVerwG, Urt. v. 28.04.1977 – II C 71.73 -, Buch­holz 310 § 113 VwGO Nr. 84[]
  6. Nds. OVG, Beschluss vom 17.09.2009 – 5 ME 186/​09, NVwZ-RR 2010, 75a.a.O.[]
  7. vgl. Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hart­mann, ZPO, 67. Aufl. 2009, § 850 a Rn 10; Zöl­ler, ZPO, 26. Aufl. 2007, § 850 a Rn 10; Mün­che­ner Kom­men­tar, 2. Aufl. 2001, § 850 a Rn 15; Musielak, ZPO, 2. Aufl. 2000, § 850 a Rn 5; Stein-Jonas, ZPO, 20. Aufl. 1986, § 850 a Rn 25; Wieczorek/​Schütze, ZPO, 2. Aufl. 1981, § 850 a Anm. B III b[]
  8. LArbG Frank­furt a.M., Urteil vom 25.11.1988 – 13 Sa 359/​88 -, DB 1989, 1732[]
  9. vgl. Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hart­mann, a. a. O.; Zöl­ler, a. a. O.; Musielak, a. a. O.[]
  10. so Zöl­ler, a. a. O.[]
  11. so Mün­che­ner Kom­men­tar, a. a. O.; Stein/​Jonas, a. a. O.[]
  12. - 3742 – 13 281/​52 -[]
  13. Dre Betriebs-Bera­ter, Jahr­gang 1952 S. 859[]
  14. RGBl. I S. 1451[]
  15. BGBl. I S. 247[][]
  16. Thomas/​Putzo, ZPO, 28. Aufl. 2007, § 850 a Rn 4[]
  17. Saen­ger, ZPO, 2. Aufl. 2007, § 850 a Rn 5[]
  18. Schwegmann/​Sum­mer, Bun­des­be­sol­dungs­ge­setz, Stand: Mai 2009[]
  19. Kümmel/​Pohl, Besol­dungs­recht Nie­der­sach­sens, Stand: Juni 2009[]
  20. vgl. Kümmel/​Pohl, a. a. O., § 47 BBesG Rn 22[]
  21. a. a. O.[][][][][][][]
  22. vgl. Kümmel/​Pohl, a. a. O.[]
  23. BGBl. I S. 952[]
  24. BT-Drucks. 1/​3284 S. 1 ff.[]
  25. vgl. Anla­ge 2 zum Gesetz­ent­wurf vom 5.4.1952, a. a. O.[]
  26. vgl. dazu auch Sei­te 20 des Gesetz­ent­wurfs vom 5.4.1952, a. a. O.[]
  27. vgl. Anla­ge 2 zu dem Ent­wurf eines Geset­zes zur Ände­rung von Vor­schrif­ten über den Pfän­dungs­schutz für Arbeits­ein­kom­men vom 7.12.1951, BT-Drucks. 1/​2917 S. 5[]
  28. vgl. den münd­li­chen Bericht des genann­ten Aus­schus­ses vom 18.3.1952, BT-Drucks. 1/​3209 S. 1 ff.[]
  29. vgl. Pro­to­koll der 201. Sit­zung des Deut­schen Bun­des­ta­ges vom 26.3.1952, Ste­no­gra­phi­sche Berich­te der 1. Wahl­pe­ri­ode des Deut­schen Bun­des­ta­ges Band 11 S. 8637, 8666[]
  30. eben­so Schwegmann/​Summer, a.a.O., und Beck­OKZPO, a.a.O.[]
  31. vgl. BAG, Urt. v. 06.02.1991 – 4 AZR 348/​90 -, BAGE 67, 193, und Schwegmann/​Summer, a.a.O., § 11 BBesG Rdnr. 24 zum Fall einer Ände­rung des unpfänd­ba­ren Betra­ges durch das Voll­stre­ckungs­ge­richt gemäß § 850 f ZPO[]
  32. vgl. Münch­KommBGB, 6. Auf­la­ge, § 398 Rdnr. 96 und § 409 Rdnr. 1 m.w.N.[]
  33. vgl. BGH, Urtei­le vom 23.09.2008 -XI ZR 262/​07, NJW-RR 2009, 547, und Beschl. v. 19.03.2008 – III ZR 220/​07, NJW-RR 2008, 1237; Münch­KommBGB, 6. Aufl., § 199 Rdnr. 25[]