Unzu­rei­chen­der Win­ter­dienst

Ein Win­ter­dienst, der sei­nen Ver­pflich­tun­gen zur Bekämp­fung der Schnee- und Eis­glät­te auf einem Geh­weg nicht nach­kommt, kann für die Kos­ten der Ersatz­vor­nah­me voll in Anspruch genom­men wer­den.

Unzu­rei­chen­der Win­ter­dienst

In einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ent­schie­de­nen Fall hat­ten hat­ten Mit­ar­bei­ter des Bezirks­am­tes Fried­richs­hain-Kreuz­berg von Ber­lin im Win­ter 2010 fest­ge­stellt, dass auf dem Geh­weg vor einem Pri­vat­grund­stück in Ber­lin-Kreuz­berg Schnee nicht geräumt wor­den war. Nach­dem der für die win­ter­li­che Rei­ni­gung zustän­di­ge Win­ter­dienst auch auf Auf­for­de­rung der Behör­de kei­ne Schnee­räu­mung vor­ge­nom­men hat­te, beauf­trag­te die Behör­de ein ande­res Unter­neh­men mit den Arbei­ten. Die­ses stell­te dem Amt für das Abtra­gen einer 7 cm dicken Schnee- bzw. Eis­de­cke einen Betrag von ins­ge­samt 631,89 € in Rech­nung, den das Amt nun­mehr vom Win­ter­dienst ver­lang­te.

Gegen den ent­spre­chen­den Leis­tungs­be­scheid wand­te sich der Win­ter­dienst mit dem Argu­ment, die ande­re Fir­ma habe Arbei­ten durch­ge­führt, zu denen er nicht ver­pflich­tet gewe­sen sei. Nach dem dama­li­gen Stra­ßen­rei­ni­gungs­ge­setz habe nur eine Ver­pflich­tung zum Streu­en bestan­den; ande­ren­falls sei die Novel­lie­rung des Stra­ßen­rei­ni­gungs­ge­set­zes (StrReinG) nicht erfor­der­lich gewe­sen. Zudem sei der Rech­nungs­be­trag über­höht.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin wies die gegen den Leis­tungs­be­scheid gerich­te­te Kla­ge ab: Die ver­aus­lag­ten Kos­ten könn­ten in vol­ler Höhe vom Win­ter­dienst gefor­dert wer­den. Der Klä­ger sei sei­ner gesetz­li­chen Ver­pflich­tung, Win­ter­glät­te unver­züg­lich nach ihrem Ent­ste­hen auf dem Geh­weg in einer für den Fuß­gän­ger­ver­kehr erfor­der­li­chen Brei­te von min­des­tens einem Meter zu bekämp­fen, sei­ner­zeit nicht hin­rei­chend nach­ge­kom­men. Ein blo­ßes Streu­en von Streu­gut habe für die Glät­t­e­be­kämp­fung nicht aus­ge­reicht. Unter „Bekämp­fen“ im Sin­ne des Geset­zes in der dama­li­gen Fas­sung fal­le im Ein­zel­fall auch das Räu­men bzw. Abtra­gen von Schnee- bzw. Win­ter­glät­te. Dar­an ände­re auch die Tat­sa­che nichts, dass eine Eis­be­sei­ti­gungs­pflicht erst in der aktu­el­len Fas­sung des StrReinG aus­drück­lich vor­ge­se­hen sei. Schließ­lich sei der Betrag auch der Höhe nach nicht zu bean­stan­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 19. Mai 2011 – VG 1 K 259.10