Urhe­ber­recht – der Nut­zungs­be­rech­tig­te und der Tes­ta­ments­voll­stre­cker

Der Tes­ta­ments­voll­stre­cker, dem der Urhe­ber gemäß § 28 Abs. 2 Satz 1 UrhG durch letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung die Aus­übung des Urhe­ber­rechts über­tra­gen hat, bleibt neben einem Drit­ten, dem der Urhe­ber ein aus­schließ­li­ches urhe­ber­recht­li­ches Nut­zungs­recht ein­ge­räumt hat, berech­tigt, selbst Ansprü­che wegen Rechts­ver­let­zun­gen gel­tend zu machen, soweit er ein eige­nes schutz­wür­di­ges Inter­es­se an der recht­li­chen Ver­fol­gung die­ser Ansprü­che hat.

Urhe­ber­recht – der Nut­zungs­be­rech­tig­te und der Tes­ta­ments­voll­stre­cker

Die Inha­be­rin der aus­schließ­li­chen urhe­ber­recht­li­chen Nut­zungs­rech­te (hier: an der Wagen­feld-Leuch­te) ist zur Gel­tend­ma­chung der Ansprü­che befugt 1.

Der Tes­ta­ments­voll­stre­cker des ver­stor­be­nen Urhe­bers ist eben­falls zur Gel­tend­ma­chung der Ansprü­che berech­tigt.

Der Inha­ber des Urhe­ber­rechts oder eines Leis­tungs­schutz­rechts, der einem Drit­ten ein aus­schließ­li­ches urhe­ber­recht­li­ches Nut­zungs­recht ein­ge­räumt hat, bleibt neben dem Drit­ten berech­tigt, selbst Ansprü­che wegen Rechts­ver­let­zun­gen gel­tend zu machen, soweit er ein eige­nes schutz­wür­di­ges Inter­es­se an der recht­li­chen Ver­fol­gung die­ser Ansprü­che hat. Ein eige­nes schutz­wür­di­ges Inter­es­se an der eigen­stän­di­gen Gel­tend­ma­chung von Ansprü­chen aus Rechts­ver­let­zun­gen besteht, wenn der Rechts­in­ha­ber sich eine fort­dau­ern­de Teil­ha­be am wirt­schaft­li­chem Ertrag aus der Ver­wer­tung sei­nes Rechts vor­be­hal­ten hat 2.

Ent­spre­chen­des gilt für den Tes­ta­ments­voll­stre­cker, dem der Urhe­ber – wie im Streit­fall – durch letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung die Aus­übung des Urhe­ber­rechts gemäß § 28 Abs. 2 Satz 1 UrhG wirk­sam über­tra­gen hat. Das der Ver­wal­tung des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers unter­lie­gen­de Urhe­ber­recht kann nach § 2212 BGB nur vom Tes­ta­ments­voll­stre­cker gericht­lich gel­tend gemacht wer­den. Er allein ist zur Gel­tend­ma­chung von Ansprü­chen wegen Ver­let­zun­gen des Urhe­ber­rechts berech­tigt, obwohl nicht er, son­dern der Erbe als Rechts­nach­fol­ger des Urhe­bers (§ 28 Abs. 1 UrhG) Inha­ber des Urhe­ber­rechts und damit Ver­letz­ter ist 3. Hat der Urhe­ber einem Drit­ten ein aus­schließ­li­ches urhe­ber­recht­li­ches Nut­zungs­recht ein­ge­räumt, bleibt daher der Tes­ta­ments­voll­stre­cker, dem der Urhe­ber durch letzt­wil­li­ge Ver­fü­gung die Aus­übung des Urhe­ber­rechts über­tra­gen hat, neben dem Drit­ten berech­tigt, selbst Ansprü­che wegen Rechts­ver­let­zun­gen gel­tend zu machen, soweit er ein eige­nes schutz­wür­di­ges Inter­es­se an der recht­li­chen Ver­fol­gung die­ser Ansprü­che hat.

Das ist hier der Fall: Der Tes­ta­ments­voll­stre­cker erhält auf­grund des zwi­schen Prof. Wagen­feld und der Nut­zungs­be­rech­tig­ten geschlos­se­nen Lizenz­ver­tra­ges aus dem Ver­kauf einer jeden Leuch­te eine Ver­gü­tung in Höhe von 5% des Net­to­ver­kaufs­prei­ses und ist damit fort­dau­ernd am wirt­schaft­li­chen Ertrag aus der Ver­wer­tung des Rechts betei­ligt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Novem­ber 2015 – I ZR 76/​11

  1. vgl. BGHZ, Urteil vom 29.04.1999 – I ZR 65/​96, BGHZ 141, 267, 272 f. – Laras Toch­ter[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 17.06.1992 – I ZR 182/​90, BGHZ 118, 394, 399 f. – ALF; BGHZ 141, 267, 273 – Laras Toch­ter; BGH, Urteil vom 11.04.2013 – I ZR 152/​11, GRUR 2013, 618 Rn. 33 und 35 = WRP 2013, 793Inter­net-Video­re­cor­der II[]
  3. J. B. Nor­de­mann in Fromm/​Nordemann, Urhe­ber­recht, 11. Aufl., § 97 UrhG Rn. 127[]