Urnen­grab­stät­te – und die nur zwei­jäh­ri­ge Dau­er der Toten­ru­he

Eine Ruhe­zeit für Urnen von zwei Jah­ren ver­letzt die post­mor­ta­le Men­schen­wür­de nach Art. 1 Abs. 1 GG jeden­falls dann nicht, wenn die Gemein­de sat­zungs­recht­lich die Ver­lei­hung lang­jäh­ri­ger Nut­zungs­rech­te an Grab­stät­ten für Urnen vor­sieht. Glei­ches gilt für das durch Art. 2 Abs. 1 GG geschütz­te Toten­ge­den­ken der Ange­hö­ri­gen an der Grab­stät­te.

Urnen­grab­stät­te – und die nur zwei­jäh­ri­ge Dau­er der Toten­ru­he

Ein lan­des­ge­setz­li­cher Rege­lungs­auf­trag genügt dem Geset­zes­vor­be­halt für die sat­zungs­recht­li­che Fest­le­gung von Ruhe­zei­ten für Urnen in der Grab­stät­te durch die Gemein­den. Das post­mor­tal wir­ken­de Per­sön­lich­keits­recht und das nach­ran­gi­ge Recht der Ange­hö­ri­gen auf Toten­für­sor­ge kön­nen in Bezug auf Bestat­tungs­art, Nut­zungs­recht an einer Grab­stät­te, Grab­ge­stal­tung und Grab­pfle­ge nur im Rah­men der rechts­wirk­sa­men Vor­ga­ben des Fried­hofs- und Bestat­tungs­rechts aus­ge­übt wer­den. Erheb­lich län­ge­re Ruhe­zei­ten für Lei­chen als für Urnen sind nicht gleich­heits­wid­rig, weil sich Ruhe­zei­ten für Lei­chen an der vor­aus­sicht­li­chen Dau­er des Ver­we­sungs­pro­zes­ses ori­en­tie­ren.

Die Vor­schrif­ten der Fried­hofs­sat­zung kön­nen Gegen­stand einer Nor­men­kon­trol­le sein. Zum einen han­delt es sich um Rechts­vor­schrif­ten, die im Rang unter dem Lan­des­ge­setz ste­hen (§ 47 Abs. 1 Nr. 2 VwGO). Sat­zungs­recht, das die Gemein­den im Bereich der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung set­zen, ist Lan­des­recht, weil die Gemein­den der Ver­wal­tungs­ebe­ne der Län­der zuzu­rech­nen sind 1. Zum ande­ren eröff­net das Lan­des­recht inso­weit die Mög­lich­keit der Nor­men­kon­trol­le (Art. 5 Satz 1 des Baye­ri­schen Aus­füh­rungs­ge­set­zes der VwGO, GVBl.1992, 162). Die Vor­schrift des § 18 Abs. 1 Satz 2 der Fried­hofs­sat­zung kann für sich genom­men zur Nach­prü­fung gestellt wer­den, weil sie einen eigen­stän­di­gen und abge­schlos­se­nen Rege­lungs­in­halt auf­weist. Die Antrags­frist von einem Jahr nach Bekannt­ma­chung der ange­foch­te­nen Rechts­vor­schrift ist gewahrt (§ 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO).

Eine Ein­woh­ne­rin der Gemein­de ist befugt, die Wirk­sam­keit der Vor­schrift des § 18 Abs. 1 Satz 2 der Fried­hofs­sat­zung über die zwei­jäh­ri­ge Ruhe­frist bei Urnen­be­stat­tun­gen gericht­lich nach­prü­fen zu las­sen, weil sie durch deren Anwen­dung in abseh­ba­rer Zeit in ihren Rech­ten ver­letzt wer­den kann (§ 47 Abs. 2 Satz 1 VwGO). Als Ein­woh­ne­rin der Gemein­de wird die Ein­woh­ne­rin vor­aus­sicht­lich auf einem Fried­hof der Gemein­de bestat­tet wer­den (Art. 8 Abs. 3 Satz 1 Bay­BestG; § 6 Abs. 1 der Fried­hofs­sat­zung). Auf­grund ihres post­mor­tal wir­ken­den Per­sön­lich­keits­rechts kann sie zu Leb­zei­ten eine rechts­ver­bind­li­che Ent­schei­dung über die Bestat­tungs­art (Erd- oder Feu­er­be­stat­tung) tref­fen, die ihre Ange­hö­ri­gen und die Gemein­de als Fried­hofs­trä­ger nach ihrem Tod beach­ten müs­sen. Es erscheint plau­si­bel, dass sich die Ein­woh­ne­rin – wie von ihr vor­ge­tra­gen – bei der Wahl der Bestat­tungs­art dar­an ori­en­tiert, wel­che Vor­ga­ben die Fried­hofs­sat­zung für die Toten­ru­he in einer Urnen­ni­sche oder einem Urnen­grab ent­hält. Daher kann sie gericht­lich klä­ren las­sen, ob der­ar­ti­ge Vor­ga­ben wie die zwei­jäh­ri­ge Ruhe­frist nach § 18 Abs. 1 Satz 2 der Fried­hofs­sat­zung rechts­wirk­sam, d.h. mit höher­ran­gi­gem Recht, ver­ein­bar sind.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat in dem Revi­si­ons­ver­fah­ren zu prü­fen, ob das ange­foch­te­ne Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs mit Bun­des­ver­fas­sungs­recht ver­ein­bar ist (§ 137 Abs. 1 Nr. 1 VwGO). Hier­zu gehört der Vor­be­halt des Par­la­ments­ge­set­zes, der im Rechts­staats­prin­zip nach Art.20 Abs. 1 und Abs. 3 GG ver­an­kert ist und auf­grund des Homo­ge­ni­täts­ge­bots nach Art. 28 Abs. 1 GG auch für die Lan­des­ge­setz­ge­bung gilt. Er ver­pflich­tet den par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­ber, die grund­le­gen­den Ent­schei­dun­gen in wesent­li­chen Sach­be­rei­chen selbst zu tref­fen und nicht voll­stän­dig auto­no­men Kör­per­schaf­ten zu über­las­sen, die zur Rege­lung des jewei­li­gen Sach­be­reichs durch Sat­zungs­recht befugt sind. Der Gesetz­ge­ber hat jeden­falls Gegen­stand und Zweck einer Rege­lungs­er­mäch­ti­gung zu umrei­ßen. Ob und inwie­weit er dar­über hin­aus den wesent­li­chen Rege­lungs­in­halt des Sat­zungs­rechts vor­ge­ben oder doch einen Rah­men set­zen muss, hängt neben der all­ge­mei­nen Bedeu­tung der Rege­lungs­ma­te­rie vor allem von der Grund­rechts­re­le­vanz ab. Je inten­si­ver Grund­rech­te betrof­fen sind, des­to aus­sa­ge­kräf­ti­ger muss die gesetz­li­che Ermäch­ti­gung in Bezug auf die Ein­griffs­mög­lich­kei­ten sein. Für das Maß der gebo­te­nen oder zuläs­si­gen Zurück­hal­tung des Gesetz­ge­bers spielt auch eine Rol­le, ob die Recht­set­zungs­be­fug­nis auto­no­mer Kör­per­schaf­ten im Grund­ge­setz ver­an­kert ist und die Rege­lungs­in­hal­te durch Ver­fas­sungs­grund­sät­ze vor­ge­zeich­net sind. Jeden­falls darf der Gesetz­ge­ber sei­nen Ein­fluss auf den Inhalt des zu erlas­sen­den Sat­zungs­rechts in grund­rechts­re­le­van­ten Berei­chen nicht gänz­lich preis­ge­ben 2.

Die Vor­schrift des § 18 Abs. 1 Satz 2 der Fried­hofs­sat­zung über die zwei­jäh­ri­ge Ruhe­frist bei Urnen­be­stat­tun­gen knüpft an Art. 10 Abs. 1 Bay­BestG an. Nach Satz 1 die­ser Vor­schrift bestimmt der Fried­hofs­trä­ger Ruhe­zei­ten für Lei­chen und für Aschen­res­te Ver­stor­be­ner. Nach Satz 2 ist die Ruhe­zeit für Lei­chen unter Berück­sich­ti­gung der Ver­we­sungs­dau­er fest­zu­set­zen. Danach hat der Lan­des­ge­setz­ge­ber davon abge­se­hen, für Urnen mit Aschen­res­ten Ver­stor­be­ner Min­destru­he­zei­ten oder einen zeit­li­chen Rah­men fest­zu­le­gen. Er hat sich inso­weit dar­auf beschränkt, den Gemein­den als Fried­hofs­trä­gern einen Rege­lungs­auf­trag zu ertei­len, den sie in Wahr­neh­mung ihres kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tungs­rechts unter Berück­sich­ti­gung der sich aus dem Grund­ge­setz erge­ben­den Anfor­de­run­gen wahr­neh­men müs­sen.

Die­ser gesetz­li­che Rege­lungs­auf­trag genügt aus fol­gen­den Grün­den den Anfor­de­run­gen des Geset­zes­vor­be­halts: Das Fried­hofs­we­sen, d.h. die Unter­hal­tung von Fried­hö­fen und die Rege­lung ihrer Benut­zung, stellt eine her­ge­brach­te Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­be der Gemein­den dar, für deren Wahr­neh­mung ihnen grund­sätz­lich ein wei­ter Rege­lungs­spiel­raum zusteht. Die­ser Spiel­raum wird bei Rege­lun­gen über die Ruhe­zei­ten von Urnen in der Grab­stät­te durch deren grund­ge­setz­lich vor­ge­ge­be­nen Zweck ein­ge­schränkt. Die­ser Zweck besteht dar­in, die sterb­li­chen Über­res­te mög­lichst in der jewei­li­gen Grab­stät­te zu belas­sen, um auf die­se Wei­se die durch Art. 1 Abs. 1 GG geschütz­te Men­schen­wür­de post­mor­tal zu gewähr­leis­ten und ein ange­mes­se­nes Toten­ge­den­ken am Grab zu ermög­li­chen. Es kann dahin­ste­hen, ob sich dar­aus für Aschen­res­te Vor­ga­ben für die Min­dest­dau­er der Toten­ru­he in der Grab­stät­te erge­ben. Die Gemein­den haben die­se grund­ge­setz­li­chen Anfor­de­run­gen zu beach­ten; die­se bil­den den rechts­ver­bind­li­chen Rah­men für die Wahr­neh­mung des Selbst­ver­wal­tungs­rechts. Eine dar­über hin­aus­ge­hen­de Ein­schrän­kung der Selbst­ver­wal­tung durch zusätz­li­che lan­des­ge­setz­li­che Vor­ga­ben in Gestalt von Min­destru­he­zei­ten oder eines zeit­li­chen Rah­mens für Ruhe­zei­ten von Urnen ist jeden­falls nicht gebo­ten.

Hin­zu kommt, dass den Gemein­den zur Wah­rung der Toten­ru­he und des Toten­ge­den­kens das tra­di­tio­nel­le Rechts­in­sti­tut des lang­jäh­ri­gen Nut­zungs­rechts an einer Grab­stät­te zur Ver­fü­gung steht. Die Gemein­den kön­nen sowohl Per­so­nen zu deren Leb­zei­ten als auch den nächs­ten Ange­hö­ri­gen der Ver­stor­be­nen, die auf ihrem Fried­hof bestat­tet sind, nach Maß­ga­be ihres Sat­zungs­rechts ein Nut­zungs­recht an einer Grab­stät­te ver­lei­hen, auf das nur mit ihrer Zustim­mung ver­zich­tet wer­den kann. Zu den prä­gen­den Merk­ma­len des Nut­zungs­rechts gehört, dass wäh­rend sei­ner Lauf­zeit die Über­füh­rung der sterb­li­chen Über­res­te in eine ande­re Grab­stät­te grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen ist. Daher liegt auf der Hand, das die Gemein­den sat­zungs­recht­li­chen Rege­lun­gen, die Zei­ten der Toten­ru­he unab­hän­gig von der Lauf­zeit eines Nut­zungs­rechts fest­le­gen, nur ergän­zen­de Bedeu­tung bei­mes­sen kön­nen.

Ent­spre­chend der Bedeu­tung des Nut­zungs­rechts an Grab­stät­ten hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ange­nom­men, dass die zwei­jäh­ri­ge Ruhe­frist bei Urnen­be­stat­tun­gen nach § 18 Abs. 1 Satz 2 der Fried­hofs­sat­zung von einem Nut­zungs­recht an der Urnen­ni­sche oder dem Urnen­grab über­la­gert wird. Danach rich­tet sich die Dau­er der Toten­ru­he in der Grab­stät­te vor­ran­gig nach der Nut­zungs­zeit, die min­des­tens zwölf Jah­re ab dem Tag der Bei­set­zung beträgt (§ 19 Abs. 2 der Fried­hofs­sat­zung). Die Nut­zungs­zeit kann um bis zu wei­te­re zwölf Jah­re ver­län­gert wer­den (§ 20 Satz 1 und 2 der Fried­hofs­sat­zung). Wäh­rend die­ser Zeit schließt das Nut­zungs­recht eine Über­füh­rung der Urne in das anony­me Urnen­sam­mel­grab nach § 17 Abs. 11 Satz 3 der Fried­hofs­sat­zung unab­hän­gig von der Ruhe­frist des § 18 Abs. 1 Satz 2 der Fried­hofs­sat­zung aus. Danach kom­men die­se Rege­lun­gen nicht zur Anwen­dung, wenn die Urne in einer Urnen­ni­sche, einem Ein­zel­grab oder einem erst­mals beleg­ten Fami­li­en­grab bei­gesetzt wird. Im Fal­le der Bei­set­zung in einem bereits beleg­ten Fami­li­en­grab erlangt die zwei­jäh­ri­ge Ruhe­frist des § 18 Abs. 1 Satz 2 der Fried­hofs­sat­zung Bedeu­tung, wenn das Nut­zungs­recht an die­ser Grab­stät­te inner­halb von zwei Jah­ren nach der Bei­set­zung aus­läuft und von den Berech­tig­ten nicht ver­län­gert wird.

Die­se Aus­le­gung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs ent­spricht der Bedeu­tung des Nut­zungs­rechts an Grab­stät­ten. Unge­ach­tet des­sen kann sie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nicht in Fra­ge stel­len, weil sie irre­vi­si­bles Lan­des­recht betrifft. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ist dar­auf beschränkt nach­zu­prü­fen, ob die ange­foch­te­ne Sat­zungs­re­ge­lung des § 18 Abs. 1 Satz 2 der Fried­hofs­sat­zung ange­sichts des vom Ver­wal­tungs­ge­richts­hof bin­dend ange­nom­me­nen Vor­rangs lang­jäh­ri­ger Nut­zungs­zei­ten an Grab­stät­ten mit Bun­des­ver­fas­sungs­recht ver­ein­bar ist (§ 137 Abs. 1, § 173 Satz 1 VwGO i.V.m. § 560 ZPO). Aus die­sem Grund kann das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt den Ein­wän­den der Ein­woh­ne­rin gegen die dar­ge­stell­te Aus­le­gung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs nicht nach­ge­hen 3.

Als irre­vi­si­ble Aus­le­gung von Lan­des­recht hin­zu­neh­men ist der vom Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ange­nom­me­ne Bedeu­tungs­ge­halt von Art. 100 und Art. 149 Abs. 1 der Baye­ri­schen Ver­fas­sung. Nicht revi­si­bel ist auch die von der Ein­woh­ne­rin ange­führ­te Vor­schrift des Art. 5 Bay­BestG. Schließ­lich liegt auf der Hand, dass das Feu­er­be­stat­tungs­ge­setz von 1934 und die dazu ergan­ge­ne Durch­füh­rungs­ver­ord­nung von 1938 in Bay­ern nur solan­ge nach Art. 123 ff. GG als Lan­des­recht fort­gal­ten, bis sie am 1.01.1971 durch das Baye­ri­sche Bestat­tungs­ge­setz abge­löst wur­den.

Die zwei­jäh­ri­ge Ruhe­frist bei Urnen­be­stat­tun­gen nach § 18 Abs. 1 Satz 2 der Fried­hofs­sat­zung ver­letzt nicht die Men­schen­wür­de nach Art. 1 Abs. 1 GG. Deren Schutz umfasst den all­ge­mei­nen Ach­tungs­an­spruch, der jedem Men­schen kraft sei­nes Per­son­seins zusteht und nicht mit dem Tod erlischt. Er gewähr­leis­tet, dass der sitt­li­che, per­so­na­le und sozia­le Gel­tungs­wert, den ein Mensch durch sei­ne Lebens­leis­tung erwor­ben hat, auch post­mor­tal respek­tiert wird. Dar­aus folgt, dass auch nach dem Tod nie­mand in einer die Men­schen­wür­de miss­ach­ten­den Wei­se aus­ge­grenzt, ver­ächt­lich gemacht oder her­ab­ge­wür­digt wer­den darf 4. Aller­dings schwin­det das Schutz­be­dürf­nis in dem Maße, in dem die Erin­ne­rung an den Ver­stor­be­nen ver­blasst und das Inter­es­se an der unver­fälsch­ten Dar­stel­lung des Lebens­bil­des abnimmt 5.

Das aus Art. 1 Abs. 1 GG fol­gen­de Ver­bot ent­wür­di­gen­der Behand­lung stellt ele­men­ta­re Anfor­de­run­gen an den Umgang mit den sterb­li­chen Über­res­ten Ver­stor­be­ner. Die­se betref­fen die Bestat­tung als sol­che, die Toten­ru­he sowie die Gestal­tung und Pfle­ge der Grab­stät­te. Für die Beur­tei­lung, ob die post­mor­ta­le Men­schen­wür­de inso­weit gewahrt ist, kommt es maß­ge­bend auf den zu Leb­zei­ten geäu­ßer­ten, aber auch auf den mut­maß­li­chen Wil­len des Ver­stor­be­nen an, sofern die­ser noch zuver­läs­sig fest­ge­stellt wer­den kann. Die­sem Wil­len ist nach Mög­lich­keit Rech­nung zu tra­gen 6. Dem­entspre­chend ver­letzt die Obduk­ti­on einer Lei­che zu For­schungs­zwe­cken die Men­schen­wür­de nicht, wenn der Ver­stor­be­ne die­sem Vor­ge­hen zu Leb­zei­ten aus­drück­lich zuge­stimmt hat 7.

Davon abge­se­hen stel­len Ein­grif­fe in die sterb­li­chen Über­res­te wie Exhu­mie­run­gen und Obduk­tio­nen von Lei­chen kei­ne die Toten­ru­he ver­let­zen­de ent­wür­di­gen­de Behand­lung dar, wenn damit ein ver­fas­sungs­recht­lich legi­ti­mer Zweck ver­folgt wird, den der Gesetz­ge­ber als vor­ran­gig aner­kannt hat. So kann eine Lei­che obdu­ziert wer­den, um dem Ver­dacht auf ein Tötungs­de­likt nach­zu­ge­hen 8. Glei­ches soll für eine Exhu­mie­rung zur Ent­nah­me einer Gewe­be­pro­be gel­ten, die erfor­der­lich ist, um eine Vater­schaft fest­zu­stel­len 9. Die Men­schen­wür­de kann hier nur durch die kon­kre­te Vor­ge­hens­wei­se miss­ach­tet wer­den.

Der post­mor­ta­le Schutz der Men­schen­wür­de schließt auch eine Über­füh­rung sterb­li­cher Über­res­te Ver­stor­be­ner in eine ande­re Grab­stät­te nicht grund­sätz­lich aus, wenn hier­für ein wich­ti­ger Grund besteht und gesi­chert ist, dass der Wür­de­schutz bei der Über­füh­rung und der Gestal­tung des neu­en Auf­be­wah­rungs­orts gewahrt ist 10. Aus dem Umstand, dass das Gewicht des post­mor­ta­len Wür­de­schut­zes im Lau­fe der Jah­re abnimmt, folgt, dass Grab­stät­ten kein Ort immer­wäh­ren­der Toten­ru­he sind. Die post­mor­ta­le Men­schen­wür­de ent­hält kein strik­tes Ver­bot, Grab­stät­ten erneut zu bele­gen. Etwas ande­res kann sich aus reli­giö­sen oder welt­an­schau­li­chen, durch Art. 4 Abs. 1 und 2 GG geschütz­ten Grün­den erge­ben 11. Dem­entspre­chend wer­den seit jeher Ruhe­zei­ten für Grab­stät­ten fest­ge­legt und Nut­zungs­rech­te an Grab­stät­ten befris­tet ver­lie­hen. Auch eine nach­träg­li­che Befris­tung ist mög­lich, wenn hier­für ein wich­ti­ger Grund besteht 12. Nach Ablauf der Nut­zungs­zeit kön­nen die Gemein­den von den Nut­zungs­be­rech­tig­ten die Räu­mung der Grab­stät­te ver­lan­gen, um sie erneut zu bele­gen 13.

Gegen ein sol­ches Vor­ge­hen bestehen hier kei­ne Beden­ken, weil sowohl die Über­füh­rung der Urnen in das Urnen­sam­mel­grab als auch die­ser Auf­be­wah­rungs­ort den post­mor­ta­len Wür­de­schutz gewähr­leis­ten: Die Aschen­res­te des Ver­stor­be­nen in der Urnen­kap­sel wer­den nicht ange­tas­tet. Auch das Urnen­sam­mel­grab stellt eine Grab­stät­te auf einem Fried­hof dar, die ein Toten­ge­den­ken ermög­licht. Die Urne kann dem Ver­stor­be­nen wei­ter­hin zuge­ord­net wer­den, weil Vor- und Zuna­me sowie Geburts- und Todes­tag halt­bar und deut­lich auf dem fest ver­schlos­se­nen Urnen­de­ckel ange­bracht sind (§ 27 Satz 2 Nr. 2 und Nr. 3 der Baye­ri­schen Bestat­tungs­ver­ord­nung in der Fas­sung vom 01.03.2001).

Auch der sat­zungs­recht­lich fest­ge­leg­te Zeit­raum von zwei Jah­ren als Ruhe­zeit für Urnen, d.h. als Zeit der Toten­ru­he in der Grab­stät­te, ver­letzt die post­mor­ta­le Men­schen­wür­de nicht. Dabei kann dahin­ge­stellt blei­ben, in wel­chem Umfang sich unmit­tel­bar aus dem Gebot der Toten­ru­he Min­destru­he­zei­ten für Urnen in der Grab­stät­te der Bei­set­zung her­lei­ten las­sen. Jeden­falls trägt eine Zeit­dau­er von zwei Jah­ren dem post­mor­ta­len Ach­tungs­an­spruch Ver­stor­be­ner Rech­nung, wenn die Gemein­de sat­zungs­recht­lich vor­ge­se­hen hat, Toten­ru­he und Toten­ge­den­ken vor­ran­gig durch lang­jäh­ri­ge Nut­zungs­rech­te an Grab­stät­ten zu schüt­zen. Das Nut­zungs­recht schützt nicht nur vor einer Über­füh­rung der sterb­li­chen Über­res­te in eine ande­re Grab­stät­te vor Ablauf der Nut­zungs­zeit. Es berech­tigt und ver­pflich­tet zur Gestal­tung und Pfle­ge der Grab­stät­te im Rah­men der fried­hofs­recht­li­chen Vor­ga­ben. Auf­grund sei­ner Bedeu­tung für Toten­ru­he und Toten­ge­den­ken lie­gen Ver­lei­hung und Wahr­neh­mung des Nut­zungs­rechts auch im öffent­li­chen Inter­es­se. Daher kann der Berech­tig­te nur aus wich­ti­gem Grund mit Zustim­mung des Fried­hofs­trä­gers auf das Nut­zungs­recht ver­zich­ten 14. Dage­gen wird das Nut­zungs­recht gegen­stands­los, wenn die sterb­li­chen Über­res­te in eine ande­re Grab­stät­te umge­bet­tet wer­den.

Die Fried­hofs­sat­zung der Gemein­de sieht ein­heit­li­che Nut­zungs­zei­ten für alle Grab­stät­ten vor, die Toten­ru­he und Toten­ge­den­ken für vie­le Jah­re gewähr­leis­ten. So wird ein Nut­zungs­recht für die Dau­er von zwölf Jah­ren, begin­nend mit dem Tag der Bei­set­zung, ver­lie­hen (§ 18 Abs. 2 der Fried­hofs­sat­zung). Das Recht kann mehr­mals ver­län­gert wer­den, wobei der Ver­län­ge­rungs­zeit­raum zwölf Jah­re nicht über­stei­gen soll (§ 20 Satz 1 und 2 der Fried­hofs­sat­zung). Damit ermög­licht die Gemein­de eine regel­mä­ßi­ge Nut­zungs­zeit von ins­ge­samt 24 Jah­ren. Jeder Ein­woh­ner der Gemein­de ist berech­tigt, zu Leb­zei­ten ein Nut­zungs­recht an sei­ner spä­te­ren Grab­stät­te auf einem ört­li­chen Fried­hof zu erwer­ben (vgl. § 19 Abs. 1 der Fried­hofs­sat­zung). Hat der Ver­stor­be­ne davon zu Leb­zei­ten kei­nen Gebrauch gemacht oder kei­nen Berech­tig­ten bestimmt, ver­leiht die Gemein­de das Nut­zungs­recht dem nächs­ten über­nah­me­be­rei­ten Ange­hö­ri­gen (vgl. zur Rei­hen­fol­ge § 22 der Fried­hofs­sat­zung).

Nach der bin­den­den Aus­le­gung der Fried­hofs­sat­zung der Gemein­de durch den Ver­wal­tungs­ge­richts­hof schlie­ßen die lang­jäh­ri­gen Nut­zungs­zei­ten für Grab­stät­ten die Anwen­dung der Ruhe­frist des § 18 Abs. 1 Satz 2 der Fried­hofs­sat­zung aus. Wäh­rend der Lauf­zeit des Nut­zungs­rechts ist die Über­füh­rung der Urne in das Urnen­sam­mel­grab aus­ge­schlos­sen. Daher erlangt die zwei­jäh­ri­ge Ruhe­frist nur in den sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len Bedeu­tung, in denen kein Nut­zungs­recht an der Grab­stät­te besteht. Wird die Urne in einer Urnen­ni­sche, einem Ein­zel­grab oder einem erst­mals beleg­ten Fami­li­en­grab bei­gesetzt, kommt die Über­füh­rung in das Urnen­sam­mel­grab frü­hes­tens nach Ablauf des zwölf­jäh­ri­gen Nut­zungs­rechts in Betracht. Damit haben es die Ein­woh­ner der Gemein­de und, falls die­se zu Leb­zei­ten untä­tig geblie­ben sind, deren Ange­hö­ri­ge in der Hand, nach einer Urnen­be­stat­tung die Toten­ru­he in der Grab­stät­te für min­des­tens zwölf Jah­re sicher­zu­stel­len. Auch im Fal­le der Bei­set­zung von Urnen in einem bereits bestehen­den Fami­li­en­grab kommt der Ruhe­frist des § 18 Abs. 1 Satz 2 der Fried­hofs­sat­zung nur in den sel­te­nen Fäl­len Bedeu­tung zu, in denen das Nut­zungs­recht inner­halb von zwei Jah­ren nach der Bei­set­zung aus­läuft und von den Ange­hö­ri­gen nicht ver­län­gert wird.

Auch das durch Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG geschütz­te post­mor­tal wir­ken­de Per­sön­lich­keits­recht wird durch die zwei­jäh­ri­ge Ruhe­frist nach § 18 Abs. 1 Satz 2 der Fried­hofs­sat­zung nicht ver­letzt. Die­ses Recht umfasst Bestim­mun­gen über die Art der eige­nen Bestat­tung (Erd- oder Feu­er­be­stat­tung), den Ort des Begräb­nis­ses, die Gestal­tung der Bestat­tungs­fei­er sowie über Gestal­tung und Pfle­ge der Grab­stät­te 15. Die zu Leb­zei­ten getrof­fe­nen Ent­schei­dun­gen des Ver­stor­be­nen sind sowohl für die Ange­hö­ri­gen als auch für die Gemein­de als Fried­hofs­trä­ger ver­bind­lich. Die Ange­hö­ri­gen wer­den als Treu­hän­der des Ver­stor­be­nen tätig; sie haben dafür Sor­ge zu tra­gen, dass des­sen Wil­len post­hum beach­tet wird 16.

Als Aus­druck der all­ge­mei­nen Hand­lungs­frei­heit steht das Recht, eigen­ver­ant­wort­lich über die Moda­li­tä­ten von Bestat­tung, Grab­ge­stal­tung und Grab­pfle­ge zu bestim­men, unter dem Vor­be­halt der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung im Sin­ne des Art. 2 Abs. 1 GG. Es ent­hält kei­ne Berech­ti­gun­gen, die über den durch Art. 1 Abs. 1 GG gebo­te­nen Schutz der post­mor­ta­len Men­schen­wür­de hin­aus­ge­hen. Daher kann es wirk­sam nur im Rah­men der ver­fas­sungs­kon­for­men Vor­ga­ben des Fried­hofs- und Bestat­tungs­rechts aus­ge­übt wer­den. Dazu gehört ins­be­son­de­re der lan­des­ge­setz­lich ange­ord­ne­te Fried­hofs­zwang; danach müs­sen auch die Urnen mit den Aschen­res­ten Ver­stor­be­ner in aller Regel auf Fried­hö­fen bei­gesetzt wer­den und dau­er­haft dort ver­blei­ben (vgl. Art. 1 Abs. 1 Satz 2 Bay­BestG). Die Ver­ein­bar­keit des Fried­hofs­zwangs mit dem post­mor­tal wir­ken­den Per­sön­lich­keits­recht steht der­zeit nicht in Fra­ge, weil Aus­nah­men für beson­de­re Fäl­le mög­lich sind 17.

Die Ruhe­frist­re­ge­lung des § 18 Abs. 1 Satz 2 der Fried­hofs­sat­zung ist Bestand­teil der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung, weil sie auf einer ver­fas­sungs­kon­for­men lan­des­ge­setz­li­chen Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge beruht und ihrer­seits mit der post­mor­ta­len Men­schen­wür­de nach Art. 1 Abs. 1 GG ver­ein­bar ist. Daher setzt sie dem Selbst­be­stim­mungs­recht in Bezug auf Bestat­tung, Grab­ge­stal­tung und Grab­pfle­ge Gren­zen.

Die zwei­jäh­ri­ge Ruhe­frist nach § 18 Abs. 1 Satz 2 der Fried­hofs­sat­zung ver­letzt auch die durch Art. 2 Abs. 1 GG geschütz­ten Rech­te der Ange­hö­ri­gen auf Toten­für­sor­ge und Toten­ge­den­ken nicht.

Inhalt­lich erstreckt sich die Toten­für­sor­ge auf Ort, Art und Ablauf der Bestat­tung sowie auf die Gestal­tung und Pfle­ge der Grab­stel­le 18. Unge­ach­tet sei­nes grund­recht­li­chen Schut­zes ist die­ses Recht der Ange­hö­ri­gen dem post­mor­tal wir­ken­den Per­sön­lich­keits­recht nach­ge­ord­net, wenn und soweit es der Ver­stor­be­ne zu Leb­zei­ten aus­ge­übt hat. Dann müs­sen die Ange­hö­ri­gen als des­sen Treu­hän­der dafür Sor­ge tra­gen, dass sein zu Leb­zei­ten geäu­ßer­ter Wil­len in Bezug auf Bestat­tung, Grab­ge­stal­tung und ‑pfle­ge post­hum erfüllt wird. Eine Rechts­stel­lung mit eige­nen Ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen haben die Ange­hö­ri­gen nur, wenn und soweit sie nicht durch zu Leb­zei­ten getrof­fe­ne Ent­schei­dun­gen des Ver­stor­be­nen gebun­den sind 19. Das Bestim­mungs­recht geht dann mit dem Tod von dem Ver­stor­be­nen auf sie über 20.

Dar­aus folgt, dass die Ange­hö­ri­gen bei der eigen­ver­ant­wort­li­chen Wahr­neh­mung der Toten­für­sor­ge kei­ne wei­ter­ge­hen­de Rechts­stel­lung haben kön­nen als der Ver­stor­be­ne zu Leb­zei­ten. Das ver­fas­sungs­kon­for­me Fried­hofs- und Bestat­tungs­recht schränkt auch ihre Ent­schei­dungs­mög­lich­kei­ten ein. Daher setzt die zwei­jäh­ri­ge Ruhe­frist des § 18 Abs. 1 Satz 2 der Fried­hofs­sat­zung der Toten­für­sor­ge Gren­zen. Wie unter 4. dar­ge­legt, kön­nen die Ange­hö­ri­gen nach der Ver­lei­hung eines Nut­zungs­rechts an der Grab­stät­te die Über­füh­rung der Urne in das Urnen­sam­mel­grab bis zum Ablauf der Nut­zungs­zeit ver­hin­dern.

Das Recht auf Toten­ge­den­ken soll den Ange­hö­ri­gen ermög­li­chen, an der Grab­stät­te als dem dafür bestimm­ten Ort auf wür­de­vol­le Wei­se von dem Ver­stor­be­nen Abschied zu neh­men und um ihn zu trau­ern 21.

Hier­für soll die an die Grab­stät­te gebun­de­ne Toten­ru­he eine gewis­se Zeit andau­ern. Das Toten­ge­den­ken der Ange­hö­ri­gen an der Grab­stät­te wird jedoch durch die zwei­jäh­ri­ge Ruhe­frist des § 18 Abs. 1 Satz 2 der Fried­hofs­sat­zung schon des­halb nicht unzu­mut­bar und damit unver­hält­nis­mä­ßig beein­träch­tigt, weil die­se Frist nur Anwen­dung fin­det, wenn kein Grab­nut­zungs­recht besteht. Ist kein Ange­hö­ri­ger bereit, die­ses Recht zu über­neh­men, lässt dies bei typi­sie­ren­der Betrach­tungs­wei­se den Schluss zu, dass die Ange­hö­ri­gen dem Toten­ge­den­ken an der Grab­stät­te kei­ne Bedeu­tung bei­mes­sen.

Die unter­schied­lich lan­gen Ruhe­zei­ten für Lei­chen und Urnen nach § 18 Abs. 1 Satz 1 und 2 der Fried­hofs­sat­zung sind mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz nach Art. 3 Abs. 1 GG ver­ein­bar.

Der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz ver­pflich­tet den Norm­ge­ber, wesent­lich Glei­ches gleich und wesent­lich Unglei­ches ungleich zu behan­deln. Maß­ge­bend ist, ob Unter­schie­de bestehen, die nach Art und Gewicht eine Ungleich­be­hand­lung recht­fer­ti­gen. Dabei steht dem Norm­ge­ber regel­mä­ßig ein Ein­schät­zungs­spiel­raum zu, des­sen Reich­wei­te sich nach den Beson­der­hei­ten des jewei­li­gen Sach­be­reichs rich­tet 22.

Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat die erheb­lich län­ge­re Ruhe­zeit von zwölf Jah­ren für Lei­chen nach § 18 Abs. 1 Satz 1 der Fried­hofs­sat­zung als sach­lich gerecht­fer­tigt ange­se­hen, weil der natür­li­che Ver­we­sungs­pro­zess der Lei­che bei der Räu­mung des Grabs zum Zweck einer ander­wei­ti­gen Bele­gung abge­schlos­sen sein soll. Die­ser durch Art. 10 Abs. 1 Satz 2 Bay­BestG vor­ge­ge­be­ne Zweck recht­fer­tigt die Ungleich­be­hand­lung.

Wie unter 4. und 6. dar­ge­legt, genügt die zwei­jäh­ri­ge Ruhe­zeit nach § 18 Abs. 1 Satz 2 der Fried­hofs­sat­zung den grund­ge­setz­li­chen Anfor­de­run­gen an den post­mor­ta­len Schutz der Men­schen­wür­de und das Recht der Ange­hö­ri­gen auf ein ange­mes­se­nes Toten­ge­den­ken jeden­falls des­halb, weil die Gemein­de in ihrer Fried­hofs­sat­zung die Mög­lich­keit eröff­net hat, die­se Zeit­span­ne durch ein Nut­zungs­recht an der Grab­stät­te auf min­des­tens zwölf Jah­re zu ver­län­gern. Ist die zwei­jäh­ri­ge Ruhe­zeit für Urnen für sich genom­men ver­fas­sungs­kon­form, ist die Gemein­de nicht aus Grün­den der Gleich­be­hand­lung ver­pflich­tet, sie an die zwölf­jäh­ri­ge Ruhe­zeit für Lei­chen nach § 18 Abs. 1 Satz 1 der Fried­hofs­sat­zung anzu­pas­sen, da die­se Ruhe­zeit dem Ver­we­sungs­pro­zess von Lei­chen Rech­nung trägt.

Ist die ange­foch­te­ne Sat­zungs­re­ge­lung über die zwei­jäh­ri­ge Ruhe­frist von Urnen rechts­wirk­sam, ist die Gemein­de als Fried­hofs­trä­ger befugt, Urnen nach Frist­ab­lauf in das Urnen­sam­mel­grab zu über­füh­ren, wenn kein Nut­zungs­recht besteht. Auf­grund die­ser Befug­nis kann durch eine sol­che Über­füh­rung der Straf­tat­be­stand der Stö­rung der Toten­ru­he nach § 168 StGB nicht erfüllt wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 19. Juni 2019 – 6 CN 1.18

  1. vgl. nur Eichberger/​Buchheister, in: Schoch/​Schneider/​Bier, VwGO, Stand Sept.2018, § 137 Rn. 43 m.w.N.[]
  2. BVerfG, Beschlüs­se vom 09.05.1972 – 1 BvR 518/​62 und 308/​64, BVerfGE 33, 125, 157 ff.; vom 22.06.1977 – 1 BvL 23/​75, BVerfGE 45, 393, 399 f.; und vom 13.07.2004 – 1 BvR 1298/​94 u.a., BVerfGE 111, 191, 217 f.; BVerwG, Urteil vom 21.06.2017 – 6 C 3.16, BVerw­GE 159, 148 Rn. 28 und 36[]
  3. stRspr, vgl. BVerwG, Urteil vom 14.12 2016 – 6 C 19.15, BVerw­GE 157, 46 Rn. 6[]
  4. BVerfG, Beschluss vom 24.02.1971 – 1 BvR 435/​68, BVerfGE 30, 173, 194; Kam­mer­be­schlüs­se vom 27.07.1993 – 2 BvR 1553/​93NJW 1994, 783; vom 18.01.1994 – 2 BvR 1912/​93NJW 1994, 783, 784; und vom 09.05.2016 – 1 BvR 2202/​13, NVwZ 2016, 1804 Rn. 56; BGH, Beschluss vom 29.10.2014 – XII ZB 20/​14NJW 2014, 3786 Rn. 31[]
  5. BVerfG, Beschluss vom 24.02.1971 – 1 BvR 435/​68, BVerfGE 30, 173, 196[]
  6. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 09.05.2016 – 1 BvR 2202/​13, NVwZ 2016, 1804 Rn. 57[]
  7. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 22.08.2006 – 1 BvR 1637/​05BVerfGK 9, 92, 95 f.[]
  8. BVerfG, Kam­mer­be­schlüs­se vom 27.07.1993 – 2 BvR 1553/​93NJW 1994, 783; und vom 18.01.1994 – 2 BvR 1912/​93NJW 1994, 783, 784[]
  9. BGH, Beschluss vom 29.10.2014 – XII ZB 20/​14NJW 2014, 3786 Rn. 30 ff.[]
  10. vgl. zur Umbet­tung auf Wunsch der Ange­hö­ri­gen: Wede­kind, DVBl.2015, 1365 ff.[]
  11. Bart­hel, in: Gaed­ke, Hand­buch des Fried­hofs- und Bestat­tungs­rechts, 12. Aufl.2019, Kapi­tel 10 Rn. 42[]
  12. BVerwG, Urteil vom 08.07.1960 – 7 C 123.59, BVerw­GE 11, 68, 69 ff.[]
  13. Bart­hel, WiVerw 2016, 22, 28 f.[]
  14. Bart­hel, WiVerw 2016, 22, 29 f.[]
  15. BVerfG, Beschluss vom 28.02.1979 – 1 BvR 317/​74, BVerfGE 50, 256, 262; BVerwG, Urteil vom 26.06.1974 – 7 C 36.72, BVerw­GE 45, 224, 226 f.; BGH, Urteil vom 26.10.1977 – IV ZR 151/​76Fam­RZ 1978, 15; Vah­le, DVP 2011, 316; vgl. Art. 1 Abs. 2 Bay­BestG[]
  16. BGH, Beschluss vom 29.10.2014 – XII ZB 20/​14NJW 2014, 3786 Rn. 32; Stelkens/​Wabnitz, WiVerw 2016, 11, 12[]
  17. vgl. BVerfG, Beschluss vom 28.02.1979 – 1 BvR 317/​74, BVerfGE 50, 256, 262 f.; BVerwG, Urteil vom 26.06.1974 – 7 C 36.72, BVerw­GE 45, 224, 227 f.[]
  18. vgl. Stelkens/​Wabnitz, WiVerw 2016, 11, 19 f.[]
  19. BGH, Beschluss vom 29.10.2014 – XII ZB 20/​14NJW 2014, 3786 Rn. 32; vgl. Art. 1 Abs. 2 Satz 1 und 2 Bay­BestG[]
  20. BGH, Urteil vom 26.10.1977 – IV ZR 151/​76Fam­RZ 1978, 15; vgl. Art. 1 Abs. 2 Bay­BestG[]
  21. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 09.05.2016 – 1 BvR 2202/​13, NVwZ 2016, 1804 Rn. 61; BVerwG, Urtei­le vom 08.11.1963 – 7 C 148.60, BVerw­GE 17, 119, 120 f.; und vom 13.05.2004 – 3 C 26.03, BVerw­GE 121, 17, 19[]
  22. stRspr, BVerfG, Beschlüs­se vom 13.02.2008 – 2 BvL 1/​06, BVerfGE 120, 125, 144; und vom 07.07.2009 – 1 BvR 1164/​07, BVerfGE 124, 199, 219[]