Urteils­be­rich­ti­gung

§ 118 VwGO gestat­tet die Berich­ti­gung aller Bestand­tei­le eines Urteils. Eine einem Schreib- oder Rechen­feh­ler ähn­li­che offen­ba­re Unrich­tig­keit im Sin­ne des § 118 Abs. 1 VwGO liegt aber nur dann vor, wenn dem Gericht bei der Äuße­rung sei­nes Wil­lens ein Feh­ler unter­lau­fen ist. Feh­ler in der Wil­lens­bil­dung sind im Ver­fah­ren nach § 118 VwGO nicht berich­ti­gungs­fä­hig.

Urteils­be­rich­ti­gung

Nach § 118 Abs. 1 VwGO sind Schreib­feh­ler, Rechen­feh­ler und ähn­li­che offen­ba­re Unrich­tig­kei­ten im Urteil jeder­zeit vom Gericht zu berich­ti­gen. Die­se Bestim­mung gestat­tet die Berich­ti­gung aller Bestand­tei­le eines Urteils 1, wenn einer der genann­ten Feh­ler vor­liegt. Eine einem Schreib- oder Rechen­feh­ler ähn­li­che offen­ba­re Unrich­tig­keit liegt aber nur dann vor, wenn dem Gericht bei der Äuße­rung sei­nes Wil­lens im Urteil ein "tech­ni­scher" Feh­ler unter­lau­fen ist. Nicht nach § 118 VwGO berich­ti­gungs­fä­hig sind dem­ge­gen­über sol­che Feh­ler, die dem Gericht inhalt­lich, also auf der Ebe­ne der Wil­lens­bil­dung unter­lau­fen sind. Die­se Ein­schrän­kung ergibt sich aus der begrenz­ten Zweck­rich­tung der Vor­schrift, es dem Gericht zu ermög­li­chen, einen Erklä­rungs­irr­tum zu kor­ri­gie­ren. § 118 VwGO dient nicht dazu, dem Gericht die Mög­lich­keit ein­zu­räu­men, sich von der Bin­dungs­wir­kung des Urteils (§ 173 VwGO i.V.m. § 318 ZPO, § 121 VwGO) frei­zu­stel­len und eine im Nach­hin­ein als falsch erkann­te Ent­schei­dung außer­halb des vor­ge­se­he­nen Rechts­mit­tel­zugs zu kor­ri­gie­ren 2

In einem jetzt vom Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall hat­te der Klä­ger gel­tend gemacht, der Senat habe bei der Abfas­sung sei­nes Urteils in die­sem Ver­fah­ren unzu­tref­fend auf die nicht ver­gleich­ba­re pro­zes­sua­le und mate­ri­ell-recht­li­che Situa­ti­on im Par­al­lel­ver­fah­ren 8 LC 45/​09 abge­stellt und die dort gege­be­ne Begrün­dung der Ent­schei­dung ver­se­hent­lich auch in den Grün­den der Ent­schei­dung im hie­si­gen Ver­fah­ren ver­wandt. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt lehnt die Urteils­be­rich­ti­gung ab: Wäre die­ser Ein­wand zutref­fend, läge nicht ein blo­ßer Feh­ler in der Wil­lens­äu­ße­rung, son­dern bereits in der Wil­lens­bil­dung des Senats vor. Ein sol­cher Feh­ler ist nicht nach § 118 VwGO zu kor­ri­gie­ren.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 12. Novem­ber 2010 – 8 LC 40/​09

  1. vgl. OVG Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 12.05.1998 – 12 A 12501/​97, NVwZ 1999, 198, 200; Kopp/​Schenke, VwGO, 16. Aufl., § 118 Rn. 5; Schoch­/­Schmidt-Aßman­n/Pietz­ner, VwGO, Stand: Mai 2010, § 118 Rn. 4[]
  2. vgl. BVerwG, Beschluss vom 17.09.2007 – 8 B 30/​07, NVwZ 2007, 1442; Säch­si­sches OVG, Beschluss vom 23.06.2010 – 2 E 159/​09; Nie­der­säch­si­sches OVG, Beschluss vom 27.03.2009 – 9 LA 436/​07; OVG Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 19.01.2009 – 3 O 10/​09, jeweils m.w.N.[]