Vec­to­ring – und der Zugang zur Teil­neh­mer­an­schluss­an­lei­tung

Der Zugang zur Teil­neh­mer­an­schluss­lei­tung darf regu­la­to­risch ein­ge­schränkt wer­den, um den Ein­satz der Vec­to­ring-Tech­no­lo­gie zu ermög­li­chen

Vec­to­ring – und der Zugang zur Teil­neh­mer­an­schluss­an­lei­tung

Die tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­chen Regu­lie­rungs­ver­fü­gun­gen, mit denen die Bun­des­netz­agen­tur die Ver­pflich­tung der Tele­kom Deutsch­land GmbH (Tele­kom), voll­stän­dig ent­bün­del­ten Zugang zum Teil­neh­mer­an­schluss zu gewäh­ren, in Bezug auf die Nut­zung von Fre­quen­zen ober­halb von 2,2 MHz unter bestimm­ten Bedin­gun­gen ein­ge­schränkt hat, sind recht­mä­ßig, wie jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­den hat.

Die Tele­kom betreibt ein bun­des­wei­tes Teil­neh­mer­netz auf der Basis von Teil­neh­mer­an­schluss­lei­tun­gen (TAL). Die TAL bestehen über­wie­gend noch aus Kup­fer­dop­pel­a­dern und füh­ren vom Haupt­ver­tei­ler (HVt) bis zum Kabel­ver­zwei­ger (KVz) und von dort zu den Räum­lich­kei­ten der End­kun­den (sog. letz­te Mei­le). Die Tele­kom war zuletzt mit Regu­lie­rungs­ver­fü­gung der Bun­des­netz­agen­tur vom 21. März 2011 ver­pflich­tet wor­den, ande­ren Unter­neh­men voll­stän­dig ent­bün­del­ten Zugang zum Teil­neh­mer­an­schluss am HVt oder an einem näher zu den Räum­lich­kei­ten der End­kun­den gele­ge­nen Punkt, ins­be­son­de­re am KVz zu gewäh­ren (sog. Zugriff auf den „blan­ken Draht"). Auf die­ser Grund­la­ge kön­nen die Wett­be­wer­ber ihre End­kun­den­pro­duk­te eigen­stän­dig gestal­ten.

Durch Regu­lie­rungs­ver­fü­gung vom 30. August 2013 wur­de die­se Ver­pflich­tung da-hin­ge­hend geän­dert, dass der Zugang zum voll­stän­dig ent­bün­del­ten Teil­neh­mer­an­schluss an einem KVz in den sog. HVt-Außen­be­rei­chen (mehr als 550 m vom HVt ent­fernt) zur Nut­zung von Fre­quen­zen ober­halb von 2,2 MHz unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen ver­wei­gert wer­den kann, um die Nut­zung der sog. VDS­L2-Vec­to­ring-Tech­nik zu ermög­li­chen. Durch den Ein­satz die­ser Tech­nik las­sen sich die Daten­über­tra­gungs­ra­ten erheb­lich stei­gern, indem Stö­run­gen, die sich aus der par­al­le­len Nut­zung benach­bar­ter Lei­tun­gen in einem Kabel­bün­del erge­ben, durch ein Gegen­stör­si­gnal eli­mi­niert wer­den. Die­ses Ver­fah­ren setzt jedoch vor­aus, dass nur ein Betrei­ber auf sämt­li­che TAL an einem KVz oder HVt zugrei­fen kann. Wel­cher Betrei­ber hier­bei zum Zuge kommt, bestimmt sich in den sog. HVt-Außen­be­rei­chen grund­sätz­lich danach, wer den KVz zuerst mit VDS­L2-Vec­to­ring-Tech­nik erschließt (sog. Wind­hund­prin­zip). Unter bestimm­ten Bedin­gun­gen ist die Tele­kom dar­über hin­aus berech­tigt, den Zugang nach­träg­lich zu ver­wei­gern. Durch eine wei­te­re Regu­lie­rungs­ver­fü­gung vom 1. Sep­tem­ber 2016 wur­den für die sog. HVt-Nah­be­rei­che eben­falls Beschrän­kun­gen des Zugangs zum Teil­neh­mer­an­schluss gere­gelt. Hier­nach ist die Tele­kom vor dem Hin­ter­grund ihrer Zusa­ge, die Nah­be­rei­che flä­chen­de­ckend mit VDS­L2-Vec­to­ring-Tech­nik aus­zu­bau­en, im Grund­satz als allei­ni­ger Berech­tig­ter bestimmt wor­den, jedoch kön­nen deren Wett­be­wer­ber unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen an ihre Stel­le tre­ten (sog. Abwehr­recht). Für die HVt-Außen­be­rei­che wur­den die bereits gel­ten­den Rege­lun­gen im Wesent­li­chen bei­be­hal­ten. Zum Aus­gleich der Zugangs­be­schrän­kun­gen sind den Wett­be­wer­bern ein Bit­strom-Zugang bzw. ein loka­ler vir­tu­ell ent­bün­del­ter Zugang zur TAL als Ersatz­pro­duk­te anzu­bie­ten und gege­be­nen­falls Kom­pen­sa­tio­nen zu leis­ten.

Die gegen die Regu­lie­rungs­ver­fü­gun­gen erho­be­nen Anfech­tungs­kla­gen meh­re­rer Wett­be­wer­ber der Tele­kom waren in ers­ter Instanz vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Köln erfolg­los 1. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Revi­sio­nen der Klä­ge­rin­nen zurück­ge­wie­sen. Dabei ist es wie bereits frü­her davon aus­ge­gan­gen, dass der Bun­des­netz­agen­tur bei der Ent­schei­dung über die Auf­er­le­gung der in § 13 TKG vor­ge­se­he­nen Regu­lie­rungs­ver­pflich­tun­gen, zu denen ins­be­son­de­re auch Zugangs­ver­pflich­tun­gen gehö­ren, ein umfas­sen­der Aus­wahl- und Aus­ge­stal­tungs­spiel­raum zukommt. Die­ses Regu­lie­rungs­er­mes­sen hat die Bun­des­netz­agen­tur abwä­gungs­feh­ler­frei aus­ge­übt. Für die Zugangs­be­schrän­kung zu dem Zweck, den Ein­satz der Vec­to­ring-Tech­no­lo­gie zu ermög­li­chen, spricht danach vor allem das Regu­lie­rungs­ziel der Beschleu­ni­gung des Aus­baus hoch­leis­tungs­fä­hi­ger Net­ze der nächs­ten Genera­ti­on. Hier­bei konn­te die Bun­des­netz­agen­tur die von der Tele­kom abge­ge­be­ne Aus­bau­zu­sa­ge berück­sich­ti­gen. Im Zusam­men­hang mit der Ein­füh­rung der Aus­bau­zu­sa­ge in das Ver­fah­ren ist es auch nicht zu einer unzu­läs­si­gen Beein­flus­sung des Regu­lie­rungs­er­mes­sens gekom­men.

Die sich durch die Mög­lich­keit der Zugangs­ver­wei­ge­rung erge­ben­den nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf den Wett­be­werb hat die Bun­des­netz­agen­tur mit der dem Belang der Wett­be­werbs­för­de­rung zukom­men­den Bedeu­tung in die Abwä­gung ein­ge­stellt. Der Begren­zung die­ser Aus­wir­kun­gen die­nen die vor­ge­se­he­nen Ersatz­pro­duk­te und Kom­pen­sa­tio­nen sowie das in Bezug auf die HVt-Nah­be­rei­che vor­ge­se­he­ne Abwehr­recht der Wett­be­wer­ber. Für die gebo­te­ne Kon­flikt­be­wäl­ti­gung rei­chen im Hin­blick auf die gesetz­lich vor­ge­se­he­ne Zwei­stu­fig­keit der Zugangs- und Ent­geltre­gu­lie­rung die in den Regu­lie­rungs­ver­fü­gun­gen ent­hal­te­nen Vor­ga­ben für die Leis­tungs­merk­ma­le und die Preis­ge­stal­tung der Ersatz­pro­duk­te aus. Die Umset­zung die­ser Vor­ga­ben kann in nach­ge­la­ger­ten Ver­fah­ren (Stan­dar­d­an­ge­botüber­prü­fungs­ver­fah­ren, Ent­gelt­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren) sicher­ge­stellt wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 21. Sep­tem­ber 2018 – 6 C 50.16, 6 C 6.17, 6 C 7.17 und 6 C 8.18

  1. VG Köln, Urtei­le vom 22.09.2016 – 1 K 5885/​13; und vom 17.03.2017 – 9 K 8633/​16, 9 K 8643/​16 und 9 K 8589/​16[]