Ver­bot der Tier­fett­ver­füt­te­rung und das EU-Recht

Das Ver­bot der Ver­füt­te­rung von Tier­fett an Wie­der­käu­er ver­stößt nicht gegen Euro­päi­sches Recht.

Ver­bot der Tier­fett­ver­füt­te­rung und das EU-Recht

So hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nun ent­schie­den: Es ist mit dem Euro­päi­schen Recht ver­ein­bar, das Misch­fut­ter­mit­tel mit tie­ri­schen Fet­ten an Wie­der­käu­er nach dem Lebens­mit­tel- und Fut­ter­mit­tel­ge­setz­buch (LFGB) nicht ver­füt­tert wer­den dür­fen.

Im hier vor­lie­gen­den Fall ist die Klä­ge­rin Impor­teu­rin von Misch­fut­ter­mit­teln, die von Schwes­ter­fir­men in Frank­reich und in den Nie­der­lan­den her­ge­stellt wer­den; sie betreibt damit eine Käl­ber­mast. Sie beab­sich­tigt, an die Käl­ber Misch­fut­ter­mit­tel zu ver­füt­tern, die tie­ri­sche Fet­te (Rin­der­talg, Schwei­ne­schmalz u.ä.) ent­hal­ten. Als der Beklag­te dies für unzu­läs­sig erach­te­te, hat die Klä­ge­rin Kla­ge erho­ben und die Fest­stel­lung begehrt, dass sie berech­tigt sei, die in den Nie­der­lan­den oder Frank­reich her­ge­stell­ten und tie­ri­sche Fet­te ent­hal­ten­den Misch­fut­ter­mit­tel für die Ver­füt­te­rung an Käl­ber im Kreis Waren­dorf zu ver­wen­den. Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben [1] . Auf die Beru­fung des Beklag­ten hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen [2].

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Revi­si­on der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen. Nach § 18 Abs. 1 Satz 1 LFGB ist das Ver­füt­tern von Misch­fut­ter­mit­teln, die tie­ri­sche Fet­te ent­hal­ten, an Wie­der­käu­er ver­bo­ten. Die­ses Ver­füt­te­rungs­ver­bot ver­stößt nicht gegen Uni­ons­recht. Zwar beschrän­ken sich die uni­ons­recht­li­chen Rege­lun­gen über Ver­füt­te­rungs­ver­bo­te für Wie­der­käu­er dar­auf, die Ver­wen­dung tie­ri­scher Pro­te­ine in Fut­ter­mit­teln zu unter­sa­gen. Dies hin­dert den deut­schen Gesetz­ge­ber aber nicht, ein wei­ter­ge­hen­des Ver­füt­te­rungs­ver­bot anzu­ord­nen. Dabei kann offen­blei­ben, ob die uni­ons­recht­li­chen Bestim­mun­gen im Bereich der Ver­füt­te­rungs­ver­bo­te eine voll­stän­di­ge Har­mo­ni­sie­rung bewirkt haben. In jedem Fall ist das deut­sche Fett­ver­füt­te­rungs­ver­bot uni­ons­recht­lich aus Grün­den des Gesund­heits­schut­zes von Men­schen und Tie­ren gerecht­fer­tigt. Es ist ent­we­der als Schutz­maß­nah­me im Fal­le voll­stän­di­ger Har­mo­ni­sie­rung zuläs­sig, wäre aber auch bei Feh­len einer abschlie­ßen­den euro­päi­schen Rege­lung ein gerecht­fer­tig­ter Ein­griff in die Waren­ver­kehrs­frei­heit. Die Maß­nah­me ist nach den das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts geeig­net, BSE-Infek­tio­nen bei Wie­der­käu­ern zu ver­hin­dern und das Über­tra­gungs­ri­si­ko von BSE durch den Ver­zehr von Wie­der­käu­er­fleisch wei­ter zu mini­mie­ren. Die Maß­nah­me ver­stößt auch sonst nicht gegen das uni­ons­recht­li­che Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­ge­bot.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 28. Sep­tem­ber 2011 – 3 C 26.10

  1. VG Müns­ter, Urteil vom 08.08.2007 – 6 K 1923/​05[]
  2. OVG Müns­ter, Urteil vom 24.06.2010 – 13 A 2775/​07[]