Ver­bot eines aus­län­di­schen Fern­seh­sen­ders in Deutsch­land

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on in Luxem­burg die Fra­ge vor­ge­legt, inwie­weit das Ver­bot eines im euro­päi­schen Aus­land ansäs­si­gen (kur­di­schen) Fern­seh­sen­ders durch eine deut­sche Behör­de mit Gemein­schafts­recht ver­ein­bar ist.

Ver­bot eines aus­län­di­schen Fern­seh­sen­ders in Deutsch­land

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern hat­te die Betä­ti­gung zwei­er Akti­en­ge­sell­schaf­ten däni­schen Rechts, die in Däne­mark auf der Grund­la­ge einer däni­schen Lizenz einen Fern­seh­sen­der mit einem Pro­gramm vor­wie­gend in kur­di­scher Spra­che betrei­ben und die­ses Pro­gramm über Satel­lit euro­pa­weit und bis in die Sied­lungs­ge­bie­te der Kur­den in der Tür­kei und im Nahen Osten aus­strah­len, auf der Grund­la­ge des deut­schen Ver­eins­ge­set­zes ver­bo­ten. Es hat­te die Ver­bots­ver­fü­gung unter ande­rem damit begrün­det, dass sich die Aus­strah­lung des Fern­seh­pro­gramms gegen den Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung rich­te. Dazu hat­te das Minis­te­ri­um dar­ge­legt, der Sen­der unter­stüt­ze den bewaff­ne­ten Kampf der Arbei­ter­par­tei Kur­di­stans (PKK) gegen den tür­ki­schen Staat.

Nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist zwar der gel­tend gemach­te, im natio­na­len Recht ver­an­ker­te Ver­bots­grund erfüllt. Jedoch ist frag­lich, ob sei­ne Anwen­dung durch die gemein­schafts­recht­li­che Fern­seh-Richt­li­nie aus­ge­schlos­sen wird. Die­se ent­hält Min­dest­nor­men für grenz­über­schrei­ten­de Fern­seh­sen­dun­gen und schreibt unter ande­rem vor, dass Sen­dun­gen nicht zu Hass auf­grund von Ras­se oder Natio­na­li­tät auf­sta­cheln dür­fen. Die Ein­hal­tung der gemein­schafts­recht­li­chen Min­dest­nor­men wird von dem Sen­de­staat (hier Däne­mark) kon­trol­liert. Der Emp­fangs­staat (hier Deutsch­land) darf eine soge­nann­te zwei­te Kon­trol­le nicht aus­üben. Eine sol­che unzu­läs­si­ge Kon­trol­le könn­te das Bun­des­mi­nis­te­ri­um aus­ge­übt haben, indem es die in Däne­mark unbe­an­stan­de­te Sen­de­tä­tig­keit einer eigen­stän­di­gen ord­nungs­recht­li­chen Über­prü­fung unter­zo­gen hat. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt war daher ver­pflich­tet, zur Klä­rung der gemein­schafts­recht­li­chen Fra­ge eine Vor­ab­ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs ein­zu­ho­len. Bis dahin hat es die Kla­ge­ver­fah­ren der däni­schen Akti­en­ge­sell­schaf­ten aus­ge­setzt.

Im Rah­men des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes hat­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bereits im Mai 20091 den von dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern ange­ord­ne­ten Sofort­voll­zug der Ver­eins­ver­bo­te auf­ge­ho­ben, so dass der kur­di­sche Sen­der sei­ne Pro­gram­me zunächst wei­ter aus­strah­len kann.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschlüs­se vom 24. Febru­ar 2010 – 6 A 6.08 und 7.08

  1. BVerwG, Beschlüs­se vom 14.05.2009 – 6 VR 3.08 und 4.08