Ver­bot von Erd­be­stat­tun­gen

Die Bestim­mun­gen der Fried­hofs­sat­zung der Stadt Land­au, wel­che Erd­be­stat­tun­gen in wei­ten Tei­len des Orts­teil­fried­hofs Queich­heim ver­bie­ten, sind nach einer Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz in Koblenz unwirk­sam.

Ver­bot von Erd­be­stat­tun­gen

In eini­gen Berei­chen des Queich­hei­mer Fried­hofs wur­den von Fried­hofs­be­schäf­tig­ten wie­der­holt so genann­te „Wachs­lei­chen“ gefun­den, deren Zer­set­zung auch nach Ablauf der Ruhe­zei­ten nicht in dem erfor­der­li­chen Maße fort­ge­schrit­ten war. Boden­un­ter­su­chun­gen erga­ben, dass die natür­li­che Ver­we­sung der Lei­chen durch dort vor­han­de­nes Grund­was­ser ver­hin­dert wird. Im Juli 2010 änder­te der Stadt­rat des­halb die Fried­hofs­sat­zung. Erd­be­stat­tun­gen sind seit­dem in den betref­fen­den Berei­chen nicht mehr erlaubt. Aus­nah­men kann die Fried­hofs­ver­wal­tung im Fall von Ein­fach­grä­bern und Zubet­tun­gen bei Ver­wen­dung eines Grab­hül­len­sys­tems zulas­sen. Gegen die­se Bestim­mun­gen hat der Inha­ber zwei­er Wahl­grab­stät­ten in dem betrof­fe­nen Bereich einen Nor­men­kon­troll­an­trag gestellt. Er sieht sich vor allem in sei­nem Eigen­tums­grund­recht ver­letzt, da sei­ne Grab­stät­ten nicht mehr im sel­ben Maße wie zuvor genutzt wer­den könn­ten. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat die betref­fen­den Vor­schrif­ten der Fried­hofs­sat­zung dar­auf­hin für unwirk­sam erklärt.

Das grund­sätz­li­che Ver­bot der Erd­be­stat­tung grei­fe in unver­hält­nis­mä­ßi­ger Wei­se in bestehen­de Grab­nut­zungs­rech­te ein und ver­sto­ße daher gegen höher­ran­gi­ges Recht. Für die Berech­tig­ten stel­le es eine weit­ge­hen­de Nut­zungs­ent­zie­hung dar. Dass die Fried­hofs­ver­wal­tung in bestimm­ten Fäl­len die Bestat­tung auch wei­ter­hin mit­hil­fe eines Grab­hül­len­sys­tems gestat­ten kön­ne, ände­re hier­an nichts. Die Grab­hül­le müs­se nach dem Ablauf der Ruhe­zeit aus­ge­leert und ent­sorgt wer­den. Dar­an näh­men nicht nur ein­zel­ne, son­dern die Bevöl­ke­rung all­ge­mein erheb­li­chen Anstoß. Den­noch sei die Stadt wegen hoher Kos­ten und unsi­che­rer Erfolgs­aus­sich­ten nicht ver­pflich­tet, den Fried­hof zu sanie­ren und so jede Belas­tung der Grab­nut­zungs­be­rech­tig­ten zu ver­mei­den. Ande­rer­seits dür­fe sie die Grab­nut­zungs­be­rech­tig­ten mit ihren Pro­ble­men aber auch nicht allein las­sen. Viel­mehr ver­lan­ge der rück­wir­ken­de, schwer­wie­gen­de Ein­griff in die bestehen­den Grab­nut­zungs­rech­te ein ver­bind­li­ches, ver­läss­li­ches und trans­pa­ren­tes Aus­gleichs­kon­zept. Den Betrof­fe­nen kön­ne bei­spiels­wei­se der Tausch mit einer zur Erd­be­stat­tung geeig­ne­ten Grab­stät­te oder die Kos­ten­über­nah­me für eine mög­li­cher­wei­se erfor­der­li­che Umbet­tung ange­bo­ten wer­den. An einem sol­chen trag­fä­hi­gen Gesamt­kon­zept feh­le es vor­lie­gend.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 18. August 2011 – 7 C 11295/​10.OVG