Ver­bund­da­tei „Gewalt­tä­ter Sport“

Anders als eini­ge Ver­wal­tungs­ge­rich­te hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Spei­che­rung von Per­so­nen in der Ver­bund­da­tei „Gewalt­tä­ter Sport“ als recht­mä­ßig ein­ge­stuft und eine Kla­ge abge­wie­sen, mit der der Klä­ger die Löschung sei­ner Daten in der beim Bun­des­kri­mi­nal­amt ein­ge­rich­te­ten Datei „Gewalt­tä­ter Sport“ errei­chen woll­te. Die Ent­schei­dung erging aller­dings – anders als die frü­he­ren Urtei­le der Instanz­ge­rich­te – auf der Grund­la­ge der ges­tern, am Tag der Ver­kün­dung des Urteils des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, in Kraft getre­te­nen Ver­ord­nung zur Ver­bund­da­tei. Die Ver­wal­tungs­ge­rich­te hat­ten die Spei­che­rung bis­her eben wegen des Feh­lens einer sol­chen Ver­ord­nung für unzu­läs­sig gehal­ten.

Ver­bund­da­tei „Gewalt­tä­ter Sport“

Der Klä­ger ist Anhän­ger des Fuß­ball­ver­eins Han­no­ver 96. Am 24. Mai 2006 besuch­te er ein Regio­nal­li­ga-Spiel im Lei­ne-Sta­di­on in Let­ter. Kurz nach Spiel­be­ginn betrat eine Grup­pe von ca. 30 bis 40 Anhän­gern von Han­no­ver 96 – dar­un­ter der Klä­ger – das Sta­di­on, über­klet­ter­te die Absper­rung und lief vor den geg­ne­ri­schen Fan-Block. Aus der Grup­pe wur­den zwei bis drei Feu­er­werks­kör­per, ein Ben­gal­feu­er und ein fes­ter Gegen­stand – mög­li­cher­wei­se ein Stein – gewor­fen. Nach Zeu­gen­be­rich­ten lief der Klä­ger mit an der Spit­ze der Grup­pe. Das gegen ihn wegen Land­frie­dens­bruchs ein­ge­lei­te­te Ver­fah­ren wur­de von der Staats­an­walt­schaft gem. § 170 StPO ein­ge­stellt, weil dem Klä­ger eine Betei­li­gung an Aus­schrei­tun­gen in der Men­ge nach Zeu­gen­aus­sa­gen nicht nach­zu­wei­sen war. Auf ein von ihm gestell­tes Aus­kunfts­er­su­chen teil­te die beklag­te Poli­zei­di­rek­ti­on Han­no­ver dem Klä­ger mit, dass er „im Zusam­men­hang (….) mit einem poli­zei­li­chen Ein­schrei­ten am 24. Mai 2006“ wegen des Ver­dachts des Land­frie­dens­bruchs in der Ver­bund­da­tei „Gewalt­tä­ter Sport“ „ins­be­son­de­re“ mit den Daten Name und Vor­na­me, Geburts­da­tum und ‑ort, Geschlecht, Staats­an­ge­hö­rig­keit, Per­so­nal­aus­weis­da­ten und Ver­eins­zu­ord­nung erfasst sei und dass die Löschung des Daten­sat­zes am 24. Mai 2011 anste­he.

Mit sei­ner auf Löschung gerich­te­ten Kla­ge hat­te er beim Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver und beim Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg Erfolg: Die Datei „Gewalt­tä­ter Sport“ sei errich­tet und betrie­ben wor­den, ohne dass der Bun­des­mi­nis­ter des Innern eine gem. § 7 Abs. 6 BKAG vor­ge­se­he­ne Ver­ord­nung über die Art der zu spei­chern­den Daten erlas­sen habe.

Gegen das Urteil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts leg­te die Poli­zei­di­rek­ti­on Revi­si­on zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ein. Am 28. Mai 2010 hat das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern einen Ver­ord­nungs­ent­wurf vor­ge­legt, dem der Bun­des­rat am 4. Juni 2010 zuge­stimmt hat. Die Ver­ord­nung ist heu­te in Kraft getre­ten.

Auf die­ser Grund­la­ge hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen. Es ist dem Ein­wand des Klä­gers nicht gefolgt, die wei­te­re Spei­che­rung sei­ner Daten sei nach der Ein­stel­lung des straf­recht­li­chen Ermitt­lungs­ver­fah­rens nicht zuläs­sig. Nach § 8 Abs. 3 BKAG ist die Spei­che­rung nur dann unzu­läs­sig, wenn sich aus den Grün­den der staats­an­walt­schaft­li­chen Ein­stel­lungs­ent­schei­dung ergibt, dass der Betrof­fe­ne die Tat nicht oder nicht rechts­wid­rig began­gen hat. Das war hier nach den bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts nicht der Fall.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 9. Juni 2010 – 6 C 5.09