Ver­eins­ver­bot – und die Zustän­dig­keit des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts

Die erst­in­stanz­li­che Zustän­dig­keit des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts nach § 50 Abs. 1 Nr. 2 VwGO erstreckt sich auf Ver­eins- und ihnen gleich­zu­stel­len­de Betä­ti­gungs­ver­bo­te durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern, nicht jedoch auf Ver­fü­gun­gen, die ledig­lich den Voll­zug eines bereits aus­ge­spro­che­nen Orga­ni­sa­ti­ons­ver­bots betref­fen.

Ver­eins­ver­bot – und die Zustän­dig­keit des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts

Nach § 50 Abs. 1 Nr. 2 VwGO ent­schei­det das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im ers­ten und letz­ten Rechts­zug (nur) über Kla­gen gegen die vom Bun­des­mi­nis­ter des Innern nach § 3 Abs. 2 Nr. 2 Ver­einsG aus­ge­spro­che­nen Ver­eins­ver­bo­te und nach § 8 Abs. 2 Satz 1 Ver­einsG erlas­se­nen Ver­fü­gun­gen (Ver­bot der Bil­dung von Ersatz­or­ga­ni­sa­tio­nen).

Die­se gericht­li­che Zustän­dig­keit erstreckt sich auch auf ein Betä­ti­gungs­ver­bot nach § 18 Satz 2 Ver­einsG, das ein Ver­eins­ver­bot ersetzt und – wie dem Klam­mer­zu­satz in der Vor­schrift zu ent­neh­men ist – eben­falls als Ver­eins­ver­bot anzu­se­hen ist [1].

Dem­ge­gen­über wer­den Ver­fü­gun­gen, die ihrem mate­ri­el­len Gehalt nach kein Ver­eins­ver­bot ent­hal­ten, son­dern den Voll­zug eines bereits aus­ge­spro­che­nen Orga­ni­sa­ti­ons­ver­bots betref­fen, nicht von der Spe­zi­al­vor­schrift des § 50 Abs. 1 Nr. 2 VwGO erfasst.

Denn die von den Regel­be­stim­mun­gen abwei­chen­den beson­de­ren Zustän­dig­keits­re­ge­lun­gen in § 48 Abs. 2 und 50 Abs. 1 Nr. 2 VwGO tra­gen dem Umstand Rech­nung, dass Ver­eins­ver­bo­te wegen ihres poli­ti­schen Cha­rak­ters und ihres Ein­flus­ses auf die Staats­si­cher­heit einen die Ver­hält­nis­se rasch klä­ren­den Rechts­schutz erfor­dern; für die Anfech­tung von Ein­zel­maß­nah­men zum Voll­zug eines Ver­bots bzw. einer Fest­stel­lungs­ver­fü­gung ver­bleibt es nach den Geset­zes­ma­te­ria­li­en hin­ge­gen bei den all­ge­mei­nen Zustän­dig­keits­be­stim­mun­gen der Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung [2].

Auch wenn das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern die ange­foch­te­ne Ver­fü­gung u.a. auf § 3 Abs. 1 und § 18 Satz 2 Ver­einsG gestützt, sei­ne Ten­orie­rung an ein Ver­eins­ver­bot ange­lehnt und der Ver­fü­gung eine Rechts­be­helfs­be­leh­rung bei­gefügt hat, wonach beim Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Kla­ge zu erhe­ben ist, han­delt es sich in der Sache nicht um ein gegen eine Ver­ei­ni­gung gerich­te­tes Ver­eins- oder dem gleich­ste­hen­des Betä­ti­gungs­ver­bot, wenn die Ver­fü­gung an ein bestands­kräf­ti­ges Orga­ni­sa­ti­ons­ver­bot anknüpft und gegen­über jeder­mann die sich hier­aus kraft Geset­zes erge­ben­den Rechts­fol­gen in Bezug auf die Her­stel­lung und den Ver­trieb einer bestimm­ten Publi­ka­ti­on und die Ver­brei­tung einer bestimm­ten Inter­net­sei­te kon­kre­ti­siert.

Der Rechts­streit ist des­halb – nach­dem die Betei­lig­ten hier­zu ange­hört und ihnen Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me gege­ben wor­den ist – gemäß § 83 VwGO i.V.m. § 17a Abs. 2 GVG an das sach­lich (§ 45 VwGO) und ört­lich (§ 52 Nr. 2 VwGO) zustän­di­ge Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin zu ver­wei­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 26. April 2016 – 1 A 9.15

  1. vgl. BVerwG, Zwi­schen­ur­teil vom 21.01.2004 – 6 A 1.04, Buch­holz 402.45 Ver­einsG Nr. 40 S. 75 und Gerichts­be­scheid vom 08.08.2005 – 6 A 1.04 13[]
  2. BT-Drs. 4/​430 S. 25[]