Ver­fah­ren­s­tren­nung beim Ver­wal­tungs­ge­richt

Nach § 93 Satz 2 VwGO kann das Gericht anord­nen, dass meh­re­re in einem Ver­fah­ren erho­be­ne Ansprü­che in getrenn­ten Ver­fah­ren ver­han­delt und ent­schie­den wer­den.

Ver­fah­ren­s­tren­nung beim Ver­wal­tungs­ge­richt

Zwar unter­liegt eine der­ar­ti­ge Ent­schei­dung nicht der Nach­prü­fung des Revi­si­ons­ge­richts, weil sie nach § 146 Abs. 2 VwGO unan­fecht­bar ist (§ 173 VwGO, § 557 Abs. 2 ZPO). Jedoch kann sie einen Ver­fah­rens­man­gel begrün­den, auf dem das ange­foch­te­ne Urteil beruht 1.

Eine Tren­nung nach § 93 Satz 2 VwGO setzt vor­aus, dass der Klä­ger min­des­tens zwei Ansprü­che ver­folgt. Die­ser Begriff deckt sich mit dem­je­ni­gen des Streit­ge­gen­stan­des. Der Streit­ge­gen­stand wird durch den pro­zes­sua­len Anspruch (Rechts­schutz­be­geh­ren) sowie den Sach­ver­halt (Kla­ge­grund) bestimmt, aus dem der Klä­ger die­sen Anspruch her­lei­tet 2. Daher ver­stößt es gegen § 93 Satz 2 VwGO, Pro­zess­stoff abzu­tren­nen, der kei­nen eigen­stän­di­gen Streit­ge­gen­stand dar­stellt.

§ 93 Satz 2 VwGO trägt dem Umstand Rech­nung, dass nur über den Streit­ge­gen­stand, nicht aber über unselb­stän­di­ge Tei­le des Pro­zess­stof­fes nach § 107 VwGO durch Urteil ent­schie­den wer­den kann. Hier­ge­gen ver­stößt ein Urteil, das einen nicht nach § 93 Satz 2 VwGO abtrenn­ba­ren Pro­zess­stoff zum Gegen­stand hat; es beruht auf einem Ver­fah­rens­man­gel im Sin­ne von § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO 3.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 10. Febru­ar 2015 – 6 B 32015 -

  1. BVerwG, Urteil vom 17.02.1972 – 8 C 84.70, BVerw­GE 39, 319, 323 f.; Beschluss vom 06.12 2007 – 9 B 53.07, Buch­holz 310 § 132 Abs. 2 Ziff. 3 VwGO Nr. 43[]
  2. BVerwG, Urteil vom 10.05.1994 – 9 C 501.93, BVerw­GE 96, 24, 25; Beschluss vom 24.10.2006 – 6 B 47.06, Buch­holz 442.066 § 24 TKG Nr. 1 Rn. 13[]
  3. BVerwG, Urteil vom 17.02.1972 – 8 C 84.70 -? BVerw­GE 39, 319, 323 f.; Beschluss vom 06.12 2007 – 9 B 53.07 -? Buch­holz 310 § 132 Abs. 2 Ziff. 3 VwGO Nr. 43[]