Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen Ent­schei­dun­gen des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes

Die for­mel­le Erschöp­fung des Rechts­wegs reicht regel­mä­ßig dann nicht aus, wenn mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de aus­schließ­lich Grund­rechts­ver­let­zun­gen gerügt wer­den, die sich auf die Haupt­sa­che bezie­hen, so dass sich die Chan­ce bie­tet, der ver­fas­sungs­recht­li­chen Beschwer abzu­hel­fen 1.

Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen Ent­schei­dun­gen des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes

Aller­dings ist eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de, die gegen im Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes ergan­ge­ne Ent­schei­dun­gen gerich­tet ist, auch unter Berück­sich­ti­gung des Sub­si­dia­ri­täts­grund­sat­zes aus­nahms­wei­se zuläs­sig, wenn die­je­ni­gen Vor­aus­set­zun­gen gege­ben sind, unter denen gemäß § 90 Abs. 2 Satz 2 BVerfGG vom Erfor­der­nis der Rechts­weg­er­schöp­fung abge­se­hen wer­den kann 2.

Das setzt regel­mä­ßig vor­aus, dass die Ent­schei­dung von kei­ner wei­te­ren tat­säch­li­chen Auf­klä­rung abhängt und es für den Beschwer­de­füh­rer nicht zumut­bar ist, vor­ab das Haupt­sa­che­ver­fah­ren zu betrei­ben 3.

Dies ist der Fall, wenn eine Kla­ge im Hin­blick auf ent­ge­gen­ste­hen­de Recht­spre­chung der Fach­ge­rich­te von vorn­her­ein als aus­sichts­los erschei­nen muss 4.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 10. Mai 2016 – 1 BvR 2322/​14

  1. vgl. BVerfGE 77, 381, 401; 79, 275, 278 f.; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 53, 30, 53 f.; 58, 257, 263[]
  3. vgl. BVerfGE 69, 233, 241; 104, 65, 71[]
  4. vgl. BVerfGE 70, 180, 186; 79, 275, 278 f.[]
  5. vgl. BVerfGE 85, 109, 113[]