Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen ein Urteil

Rich­tet sich eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen eine gericht­li­che Ent­schei­dung, kann sich die Beschwer in aller Regel nur aus dem Tenor der Ent­schei­dung erge­ben1.

Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen ein Urteil

Der Tenor allein bestimmt ver­bind­lich, wel­che Rechts­fol­gen auf­grund des fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts ein­tre­ten2. Erfor­der­lich ist eine Beschwer im Rechts­sin­ne; eine fak­ti­sche Beschwer allein genügt nicht3.

Rechts­aus­füh­run­gen sowie nach­tei­li­ge oder als nach­tei­lig emp­fun­de­ne Aus­füh­run­gen in den Grün­den einer Ent­schei­dung allein begrün­den kei­ne Beschwer. Die­ser im Ver­fah­rens­recht all­ge­mein aner­kann­te Rechts­grund­satz gilt auch für das Ver­fah­ren der Ver­fas­sungs­be­schwer­de, da sie in ers­ter Linie dem Rechts­schutz des Ein­zel­nen gegen­über der Staats­ge­walt dient.

Des­halb kann eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht dar­auf gestützt wer­den, dass ein Gericht ledig­lich in den Grün­den sei­ner Ent­schei­dung eine Rechts­auf­fas­sung ver­tre­ten hat, die der Beschwer­de­füh­rer für grund­rechts­wid­rig erach­tet4.

Nur in eng begrenz­ten Aus­nah­me­fäl­len hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen die allein in den Grün­den einer gericht­li­chen Ent­schei­dung lie­gen­de Belas­tung für mög­lich gehal­ten.

Die­se lagen in dem hier vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall nicht vor: Die Beschwer­de­füh­re­rin hat nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen ihre Beschwer­de­be­fug­nis im Sin­ne einer ver­fas­sungs­pro­zes­su­al rele­van­ten, recht­li­chen Beschwer nach § 90 Abs. 1 BVerfGG5 nicht hin­rei­chend dar­ge­tan. Das ange­foch­te­ne Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs wirkt auf die Rechts­stel­lung der Beschwer­de­füh­re­rin nicht aktu­ell, son­dern allen­falls poten­ti­ell ein. Die Beschwer­de­füh­re­rin wird weder zu spä­ter nicht mehr kor­ri­gier­ba­ren Ent­schei­dun­gen gezwun­gen, noch ist bereits jetzt ihre zukünf­ti­ge Betrof­fen­heit durch die vor­lie­gend ange­grif­fe­nen gericht­li­chen Ent­schei­dun­gen klar abzu­se­hen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 20. Novem­ber 2018 – 1 BvR 1502/​16

  1. vgl. BVerfGE 140, 42, 54 Rn. 48 []
  2. vgl. BVerfGE 28, 151, 160; 74, 358, 374; 82, 106, 116 []
  3. vgl. BVerfGE 8, 222, 224 f.; 15, 283, 286 []
  4. vgl. BVerfGE 8, 222, 224 f.; BVerfGK 10, 263, 265; 17, 203, 207 f. []
  5. vgl. BVerfGE 140, 42, 56 Rn. 54 []