Ver­fas­sungs­be­schwer­de ohne Begrün­dung

Erin­nern Sie sich noch an die Miss­brauchs­ge­bühr, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt einem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten auf­er­legt hat, der eine ins­ge­samt 1.182 Sei­ten umfas­sen­de Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen die Ver­ur­tei­lung zu einem Buß­geld von 175,- € ein­ge­reicht hat­te?

Ver­fas­sungs­be­schwer­de ohne Begrün­dung

Das kras­se Gegen­bei­spiel hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt jetzt im Rah­men einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de zu ent­schei­den, die sich dage­gen rich­te­te, dass ein Lan­des­so­zi­al­ge­richt dem Klä­ger die Kos­ten des von ihm bean­trag­ten Gut­ach­tens auf­er­legt hat­te. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de bestand jen­seits des Vor­trags zum Sach­ver­halt und der Äuße­rung, das Lan­des­so­zi­al­ge­richt habe falsch ent­schie­den, aus der blo­ßen Behaup­tung, das in Art. 14 GG geschütz­te Eigen­tums­recht sei ver­letzt, ohne auch nur mit einem Wort dar­zu­le­gen, aus wel­chen Grün­den der Schutz­be­reich die­ses Grund­rechts durch die ange­grif­fe­ne Ent­schei­dung betrof­fen sein könn­te.

Ergeb­nis: Die Ver­hän­gung einer Miß­brauchs­ge­bühr von 500,- € – nicht gegen den Beschwer­de­füh­rer, son­dern gegen des­sen Rechts­an­walt. Die Begrün­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist kurz und knapp:

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de bemüht sich noch nicht ein­mal um eine den Anfor­de­run­gen an eine zuläs­si­ge Ver­fas­sungs­be­schwer­de genü­gen­de Begrün­dung. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt muss es nicht hin­neh­men, an der Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben durch für jeder­mann, vor allem für Rechts­an­wäl­te als Orga­ne der Rechts­pfle­ge, erkenn­bar sub­stanz­lo­se Ver­fas­sungs­be­schwer­den gehin­dert zu wer­den, wodurch ande­ren Bür­gern der ihnen zukom­men­de Grund­rechts­schutz nur ver­zö­gert gewährt wer­den kann 1. Von einem Rechts­an­walt, der ein Man­dat zur Füh­rung eines Ver­fah­rens vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt annimmt, ist zu ver­lan­gen, dass er sich mit den Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de aus­ein­an­der­setzt, die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu den auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen prüft, die Erfolgs­aus­sich­ten einer beab­sich­tig­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de ein­ge­hend abwägt und sich ent­spre­chend den Ergeb­nis­sen sei­ner Prü­fung ver­hält 2. Dies recht­fer­tigt es auch, die Miss­brauchs­ge­bühr dem Bevoll­mäch­tig­ten des Beschwer­de­füh­rers auf­zu­er­le­gen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 24. August 2010 – 1 BvR 1584/​10

  1. vgl. BVerfGK 6, 219; 10, 94, 97, m.w.N.; stän­di­ge Recht­spre­chung[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 09.06.2004 – 1 BvR 915/​04, NJW 2004, 2959 m.w.N.; Beschluss vom 19.02.2009 – 2 BvR 191/​09, m.w.N.[]