Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die unter­blie­be­ne Anhörungsrüge

Vor Erhe­bung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de muss gemäß § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG der in der maß­geb­li­chen Pro­zess­ord­nung vor­ge­se­he­ne Rechts­weg erschöpft werden.

Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die unter­blie­be­ne Anhörungsrüge

Das erfor­dert, dass alle zur Ver­fü­gung ste­hen­den pro­zes­sua­len Mög­lich­kei­ten zu ergrei­fen sind, um die Kor­rek­tur der gel­tend gemach­ten Grund­rechts­ver­let­zung durch die Fach­ge­rich­te zu erwir­ken oder eine Grund­rechts­ver­let­zung zu ver­hin­dern1.

Es ist daher gebo­ten und der Beschwer­de­füh­re­rin auch zumut­bar, vor der Ein­le­gung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de die Statt­haf­tig­keit ein­fach­recht­li­cher Rechts­be­hel­fe sorg­fäl­tig zu prü­fen und von ihnen Gebrauch zu machen, wenn sie nicht offen­sicht­lich unzu­läs­sig sind2

§ 304 Abs. 4 Satz 2 StPO stellt kei­ne Aus­schluss­re­ge­lung für die Anhö­rungs­rü­ge des § 33a StPO dar, son­dern regelt ledig­lich, dass Beschlüs­se des Ober­lan­des­ge­richts im Anhö­rungs­rü­ge­ver­fah­ren nicht wei­ter anfecht­bar sind. 

Zur Erschöp­fung des Rechts­wegs gemäß § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG bedarf es der Ein­le­gung der Anhö­rungs­rü­ge nur dann nicht, wenn die­se offen­sicht­lich aus­sichts­los ist3. Dies ist aber gera­de dann nicht der Fall, wenn eine neue und eigen­stän­di­ge Gehörsver­let­zung durch die ange­grif­fe­ne Ent­schei­dung des letzt­ent­schei­den­den Gerichts gel­tend gemacht wird4

Das Unter­las­sen des statt­haf­ten Rechts­be­helfs der Anhö­rungs­rü­ge nach § 33a Satz 1 StPO hat zur Fol­ge, dass die Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht nur in Bezug auf die behaup­te­te Ver­let­zung von Art. 103 Abs. 1 GG, son­dern ins­ge­samt unzu­läs­sig ist. 

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 13. Janu­ar 2021 – 2 BvR 604/​19

  1. vgl. BVerfGE 73, 322 <325> 81, 22 <27> 95, 163 <171> BVerfG, Beschluss vom 30.05.2008 – 1 BvR 27/​08, Rn. 18; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 68, 376 <381> stRspr[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.02.2010 – 1 BvR 2477/​08, Rn.20; Beschluss vom 02.05.2017 – 2 BvR 572/​17, Rn. 3; Beschluss vom 30.05.2018 – 2 BvR 981/​18, Rn. 4[]
  4. vgl. BVerfG, Beschluss vom 26.08.2008 – 2 BvR 1516/​08, Rn. 2; Beschluss vom 30.05.2008 – 1 BvR 27/​08, Rn. 18[]