Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die vor­he­ri­ge Anhö­rungs­rü­ge

Der aus § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG abge­lei­te­te Grund­satz der mate­ri­el­len Sub­si­dia­ri­tät gebie­tet, dass der Beschwer­de­füh­rer den Rechts­weg nicht ledig­lich for­mell erschöpft, son­dern dar­über hin­aus auch alle nach Lage der Sache zur Ver­fü­gung ste­hen­den pro­zes­sua­len Mög­lich­kei­ten ergreift, um die gel­tend gemach­te Grund­rechts­ver­let­zung in dem unmit­tel­bar mit ihr zusam­men­hän­gen­den sach­nächs­ten Ver­fah­ren zu ver­hin­dern oder zu besei­ti­gen 1.

Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die vor­he­ri­ge Anhö­rungs­rü­ge

Eine auf die Ver­let­zung recht­li­chen Gehörs gestütz­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist daher aus Grün­den der mate­ri­el­len Sub­si­dia­ri­tät unzu­läs­sig, weil der Beschwer­de­füh­rer gegen den Beschluss des Land­ge­richts kei­ne Anhö­rungs­rü­ge erho­ben hat.

So auch bei der hier vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­me­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­de:

Das Land­ge­richt hat dem Beschwer­de­füh­rer nach des­sen Vor­trag die Stel­lung­nah­me der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt, auf die sich die ange­grif­fe­ne Ent­schei­dung stützt, vor Erlass des ange­grif­fe­nen Beschlus­ses nicht zugäng­lich gemacht. Gegen den dar­in lie­gen­den Gehörs­ver­stoß 2 stand dem Beschwer­de­füh­rer die Anhö­rungs­rü­ge nach § 120 Abs. 1 Satz 2 StVoll­zG, § 33a StPO offen.

Die­se hat­te der Beschwer­de­füh­rer nicht erho­ben, so dass sei­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de unzu­läs­sig war. Vor die­sem Hin­ter­grund muss­te nicht ent­schie­den wer­den, ob der Beschluss des Land­ge­richts den Beschwer­de­füh­rer in sei­nen Grund­rech­ten ver­letzt.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 11. Janu­ar 2016 – 2 BvR 2474/​15

  1. BVerfGE 107, 395, 414; 112, 50, 60; 129, 78, 92; 134, 106, 115; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGK 7, 438, 441; BVerfG, Beschluss vom 06.06.2011 – 2 BvR 960/​11 4 f.; BVerfG, Beschluss vom 06.06.2011 – 2 BvR 2076/​08 3; BVerfG, Beschluss vom 24.10.2012 – 2 BvR 1432/​11 3; BVerfG, Beschluss vom 30.05.2013 – 2 BvR 885/​13 4; BVerfG, Beschluss vom 25.08.2015 – 2 BvR 1554/​15 2 f.[]