Ver­fas­sungs­be­schwer­de, einst­wei­li­ge Ver­fü­gung – und der Gegen­stands­wert

Die Fest­set­zung des Gegen­stands­werts für das inso­weit eigen­stän­di­ge Ver­fah­ren der einst­wei­li­gen Anord­nung 1 folgt aus § 37 Abs. 2 Satz 2 in Ver­bin­dung mit § 14 Abs. 1 RVG.

Ver­fas­sungs­be­schwer­de, einst­wei­li­ge Ver­fü­gung – und der Gegen­stands­wert

Danach ist der Gegen­stands­wert unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de, ins­be­son­de­re der Bedeu­tung der Ange­le­gen­heit, des Umfangs und der Schwie­rig­keit der anwalt­li­chen Tätig­keit sowie der Ver­mö­gens- und Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se des Beschwer­de­füh­rers nach bil­li­gem Ermes­sen zu bestim­men.

Auch dem Erfolg der einst­wei­li­gen Anord­nung kommt Bedeu­tung zu 2.

Vor­lie­gend maß­geb­lich waren ins­be­son­de­re die Bedeu­tung der einst­wei­li­gen Anord­nung für den Beschwer­de­füh­rer, um die Errich­tung eines Pro­test­camps wäh­rend des G20-Gip­fels errei­chen zu kön­nen, wie auch der Umfang der für das Betrei­ben des einst­wei­li­gen Anord­nungs­ver­fah­rens not­wen­di­gen anwalt­li­chen Tätig­keit. In objek­ti­ver Hin­sicht hat der Beschwer­de­füh­rer sein Rechts­schutz­ziel teil­wei­se erreicht. Im Ergeb­nis war der Gegen­stands­wert auf das Drei­fa­che des Ein­satz­wer­tes des § 37 Abs. 2 Satz 2 RVG fest­zu­set­zen.

Soweit der Beschwer­de­füh­rer wei­ter bean­tragt, den Gegen­stands­wert für sei­ne für erle­digt erklär­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de in der Haupt­sa­che abwei­chend vom gesetz­li­chen Min­dest­streit­wert fest­zu­set­zen, ist sein Antrag unzu­läs­sig. Für die Fest­set­zung eines über den gesetz­li­chen Ein­satz­wert von 5.000 € hin­aus­ge­hen­den Werts ist ein legi­ti­mes Rechts­schutz­be­dürf­nis nicht erkenn­bar.

Für die Fest­set­zung des Gegen­stands­werts ist auch der Erfolg der Ver­fas­sungs­be­schwer­de bedeut­sam 3. Wird eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, über sie also nicht inhalt­lich befun­den, ist es im Regel­fall nicht gerecht­fer­tigt, über den gesetz­li­chen Min­dest­wert hin­aus­zu­ge­hen. In die­sen Fäl­len besteht kein Rechts­schutz­be­dürf­nis für die Fest­set­zung des Gegen­stands­werts 4.

Die­ser Inter­es­sen­la­ge ent­spricht die vor­lie­gen­de Fall­ge­stal­tung. Infol­ge der Erle­di­gungs­er­klä­rung konn­te über die bereits im Ansatz unge­klär­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen nicht inhalt­lich befun­den wer­den. Da im Zeit­punkt der Erle­di­gungs­er­klä­rung weder die fort­wir­ken­de Bedeu­tung der Ange­le­gen­heit für den Beschwer­de­füh­rer noch der zu erwar­ten­de Umfang und Schwie­rig­keit der anwalt­li­chen Tätig­keit im Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren oder die Erfolgs­aus­sich­ten der Ver­fas­sungs­be­schwer­de abzu­se­hen waren, ist ein Abwei­chen vom Ein­satz­wert nicht ange­zeigt.

Zu berück­sich­ti­gen ist hier­bei, dass vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt regel­mä­ßig – so auch hier – eine über­schlä­gi­ge Beur­tei­lung der Sach- und Rechts­la­ge für erle­digt erklär­ter Ver­fas­sungs­be­schwer­den nicht statt­fin­det 5 und auch kei­ne der Fall­ge­stal­tun­gen vor­liegt, in denen die Erfolgs­aus­sich­ten der Ver­fas­sungs­be­schwer­de im Sin­ne des Beschwer­de­füh­rers vor­her­ge­sagt wer­den könn­te 6. Die Bewer­tung, ob oder wie­weit das kon­kret vom Beschwer­de­füh­rer geplan­te Pro­test­camp als Ver­samm­lung von Art. 8 Abs. 1 GG geschützt war, war aus­drück­lich nicht Inhalt der einst­wei­li­gen Anord­nung 7. Auch der zuletzt ergan­ge­ne Beschluss des Ham­bur­gi­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts vom 05.07.2017 8 ist nicht als Ein­ge­ständ­nis der öffent­li­chen Hand zu lesen. Der inso­weit vom Beschwer­de­füh­rer erziel­te Teil­erfolg war auch dar­auf gegrün­det, dass das Pro­test­camp in der letzt­end­lich durch­ge­führ­ten Form auf­grund sei­ner ver­än­der­ten Lage und Dimen­si­on nur ein­ge­schränkt mit der ursprüng­lich geplan­ten Gestalt ver­gleich­bar sei 9.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 26. Febru­ar 2018 – 1 BvR 1387/​17

  1. vgl. BVerfGE 89, 91, 94[]
  2. zu den Maß­stä­ben vgl. BVerfGE 79, 365, 366; BVerfG, Beschluss vom 15.03.2017 – 2 BvR 890/​16 2[]
  3. zu den anwend­ba­ren Kri­te­ri­en vgl. BVerfGE 79, 365, 366[]
  4. vgl. BVerfGE 79, 365, 369; BVerfG, Beschluss vom 13.12 2016 – 2 BvR 617/​16 10 m.w.N.[]
  5. vgl. BVerfGE 33, 247, 264 f.; 85, 109, 115 f.; 87, 394, 397 f.[]
  6. vgl. BVerfGE 85, 109, 115 f.; 133, 37, 38 f.[]
  7. s. BVerfG, Beschluss vom 28.06.2017 – 1 BvR 1387/​17 22 f., 29[]
  8. OVG Ham­burg, Beschluss vom 05.07.2017 – 4 Bs 148/​17[]
  9. vgl. OVG Ham­burg, Beschluss vom 05.07.2017 – 4 Bs 148/​17 54 – in Anknüp­fung an eine poli­zei­li­che Gefähr­dungs­la­ge[]
  10. vgl. BVerfGE 7, 75, 76; 85, 109, 113[]