Ver­fas­sungs­be­schwer­den rei­hen­wei­se

Ste­ter Trop­fen höhlt den Stein. Stets Ver­fas­sungs­be­schwer­de bringt die Miss­brauchs­ge­bühr.

Ver­fas­sungs­be­schwer­den rei­hen­wei­se

Der­zeit ver­mel­det das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wie­der ver­mehrt die Ver­hän­gung einer Miss­brauchs­ge­bühr. Aktu­ell traf es Wie­der­ho­lungs­tä­ter:

Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen sind Rechts­nach­fol­ge­rin­nen von Betrof­fe­nen, die im Zuge der zwi­schen 1945 und 1949 in der Sowje­ti­schen Besat­zungs­zo­ne durch­ge­führ­ten so genann­ten Boden­re­form ent­eig­net wur­den. Mit ihren Ver­fas­sungs­be­schwer­den wol­len sie errei­chen, dass der Gesetz­ge­ber ein Reha­bi­li­tie­rungs­ver­fah­ren schafft, in dem gegen ihre Rechts­vor­gän­ger im Zuge der Ent­eig­nun­gen erho­be­ne Schuld­vor­wür­fe über­prüft wer­den kön­nen. Mit glei­chem Ziel und mit im Wesent­li­chen glei­cher Begrün­dung hat­ten bei­de Beschwer­de­füh­re­rin­nen bereits in der Ver­gan­gen­heit erfolg­los Ver­fas­sungs­be­schwer­de erho­ben.

Das von den bei­den Beschwer­de­füh­re­rin­nen mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ver­folg­te Begeh­ren war bereits Gegen­stand einer Viel­zahl gleich­ge­la­ger­ter Ver­fas­sungs­be­schwer­den, die erfolg­los geblie­ben sind. Mit Beschluss vom 14. Dezem­ber 2008 1 hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt eine Rei­he von Ver­fas­sungs­be­schwer­den, die sich gegen das auch hier gerüg­te gesetz­ge­be­ri­sche Unter­las­sen, einen Reha­bi­li­tie­rungs­an­spruch zu schaf­fen, gerich­tet hat­ten, nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men. Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen, die an jenem Ver­fah­ren nicht betei­ligt waren, aber von den­sel­ben Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten ver­tre­ten wer­den wie die dama­li­gen Beschwer­de­füh­rer, erho­ben ihrer­seits bereits im März 2009 bezie­hungs­wei­se Janu­ar 2010 Ver­fas­sungs­be­schwer­den, die sich gegen das näm­li­che Unter­las­sen des Land­ta­ges von Meck­len­burg-Vor­pom­mern rich­te­ten und mit nicht begrün­de­ten Beschlüs­sen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 2 nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men wur­den. Ihre jet­zi­gen Begrün­dungs­aus­füh­run­gen las­sen kei­ne sub­stan­ti­el­len Unter­schie­de zu jenen Ver­fas­sungs­be­schwer­den erken­nen.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat auch die jet­zi­gen Ver­fas­sungs­be­schwer­den, deren Begrün­dung ohne Sub­stanz ist, nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den sind nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts bereits unzu­läs­sig, weil sie ent­ge­gen den Anfor­de­run­gen aus § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG nicht sub­stan­ti­iert begrün­det sind.

Außer­dem wur­de bei­den Beschwer­de­füh­re­rin­nen eine Miss­brauchs­ge­bühr von 500 € auf­er­legt.

Die Auf­er­le­gung einer Miss­brauchs­ge­bühr beruht auf § 34 Abs. 2 BVerfGG. Danach kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt eine Gebühr bis zu 2.600 € auf­er­le­gen, wenn die Ein­le­gung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de einen Miss­brauch dar­stellt. Ein Miss­brauch liegt vor, wenn die Ver­fas­sungs­be­schwer­de offen­sicht­lich unzu­läs­sig oder unbe­grün­det ist und ihre Ein­le­gung des­halb von jedem Ein­sich­ti­gen als völ­lig aus­sichts­los ange­se­hen wer­den muss 3.

Die Miss­brauchs­ge­bühr sah das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ange­sichts der offen­sicht­li­chen Aus­sichts­lo­sig­keit der Ver­fas­sungs­be­schwer­den als gerecht­fer­tigt an. Die jet­zi­gen Ver­fas­sungs­be­schwer­den sind in der Sache ersicht­lich nur eine Wie­der­ho­lung“ der zuvor erfolg­los erho­be­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­den 4. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt muss es nicht hin­neh­men, dass es an der Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben durch für jeder­mann erkenn­bar aus­sichts­lo­se Ver­fas­sungs­be­schwer­den behin­dert wird und dadurch ande­ren Bür­gern den ihnen zukom­men­den Grund­rechts­schutz nur ver­zö­gert gewäh­ren kann.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 25. Mai 2010 – 1 BvR 690/​10, 1 BvR 901/​10

  1. BVerfG, Beschluss vom 14.12.2008 – 2 BvR 2338/​07 u.a., NJW 2009, S. 1805[]
  2. BVerfG, Beschlüs­se vom 08.02.2010 – 1 BvR 254/​10 und 1 BvR 334/​10[]
  3. vgl. etwa BVerfGK 6, 219; BVerfG, Beschluss vom 22.10.1995 – 2 BvR 2344/​95, NStZ-RR 1996, 112, 113; stän­di­ge Recht­spre­chung[]
  4. vgl. zu die­ser Kon­stel­la­ti­on BVerfG, Beschluss vom 18.07.2001 – 2 BvR 2/​01, NVwZ 2002, 73, 74[]