Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Dienst­herrn­wech­sels beim Job­cen­ter

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt teilt nicht die Ansicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts 1 zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Dienst­herrn­wech­sels beim Job­cen­ter.

Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Dienst­herrn­wech­sels beim Job­cen­ter

Weder ist Art. 91e GG als ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­la­ge der §§ 6a bis 6c SGB II ver­fas­sungs­wid­ri­ges Ver­fas­sungs­recht noch begeg­nen das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren oder die Inan­spruch­nah­me der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz durch den Bund ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken. Die Vor­schrif­ten über den Über­tritt der Beam­tin kraft Geset­zes in den Dienst des Land­krei­ses ver­sto­ßen auch nicht gegen Art. 33 Abs. 5 GG oder Art. 3 Abs. 1 GG. Der Ansicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts, die Vor­schrift des § 6c Abs. 1 Satz 1 SGB II in der Fas­sung des Geset­zes vom 03.08.2010 sei bezüg­lich des Über­tritts von Arbeit­neh­mern auf wei­te­re kom­mu­na­le Trä­ger wegen Ver­sto­ßes gegen Art. 12 Abs. 1 GG nich­tig 2, stimmt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nicht zu.

Die Vor­schrif­ten über den Über­tritt von Beam­ten und Arbeit­neh­mern der Bun­des­agen­tur für Arbeit kraft Geset­zes in den Dienst des kom­mu­na­len Trä­gers bil­den nach ihrem Wort­laut und ihrem Zweck eine untrenn­ba­re Ein­heit, die ledig­lich um den Preis von Sinn­ver­lust, Recht­fer­ti­gungs­weg­fall oder Ver­fäl­schung der gesetz­ge­be­ri­schen Inten­ti­on auf­ge­löst wer­den könn­te 3. Der Gesetz­ge­ber woll­te den Über­tritt bei­der Bediens­te­ten­grup­pen; wäre nur der Über­tritt der Beam­ten ver­fas­sungs­ge­mäß, wäre das gesetz­ge­be­ri­sche Ziel nicht zu errei­chen. Soll­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf die Vor­la­ge des Bun­des­ar­beits­ge­richts § 6c Abs. 1 Satz 1 SGB II bezüg­lich des Über­tritts von Arbeit­neh­mern in den Dienst wei­te­rer kom­mu­na­ler Trä­ger wegen Ver­sto­ßes gegen Art. 12 Abs. 1 GG für nich­tig oder für mit dem Grund­ge­setz unver­ein­bar erklä­ren, so wäre hier­von wegen die­ses Zusam­men­hangs auch die Vor­schrift bezüg­lich des Über­tritts von Beam­ten kraft Geset­zes erfasst.

Für den Über­tritt der Beam­tin in den Dienst des Land­krei­ses kraft Geset­zes zum 1.01.2011 sind die §§ 6a, 6b und 6c SGB II maß­geb­lich. Grund­la­ge die­ser Vor­schrif­ten ist Art. 91e GG, der durch das Gesetz zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes (Art. 91e) vom 21.07.2010 4 in das Grund­ge­setz ein­ge­fügt wor­den ist. Nach dem Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 07.10.2014 5 ver­letzt die dort gere­gel­te Misch­ver­wal­tung nicht Art. 79 Abs. 3 GG; Art. 91e GG ist des­halb kein ver­fas­sungs­wid­ri­ges Ver­fas­sungs­recht. Weder aus dem Demo­kra­tie- noch aus dem Rechts­staats­prin­zip des Grund­ge­set­zes lässt sich ein abso­lu­tes Ver­bot einer Misch­ver­wal­tung ablei­ten, wie sie der Gesetz­ge­ber für den Bereich der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de als Aus­nah­me vor­ge­se­hen hat.

Das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren unter­liegt kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Zwei­feln. Die bei­den genann­ten Geset­ze beru­hen auf Gesetz­ent­wür­fen der Frak­tio­nen der CDU/​CSU, SPD und FDP. Das Grund­ge­setz regelt in Art. 76 Abs. 1 GG ledig­lich, wer berech­tigt ist, beim Bun­des­tag Geset­zes­vor­la­gen ein­zu­brin­gen. Das Zustan­de­kom­men die­ser Vor­la­gen wird durch das Grund­ge­setz dage­gen nicht bestimmt. Geset­zes­vor­la­gen kön­nen aus der Mit­te des Bun­des­ta­ges durch eine Grup­pe von Abge­ord­ne­ten oder auch von sämt­li­chen Frak­tio­nen des Bun­des­ta­ges als Ergeb­nis eines gefun­de­nen poli­ti­schen Kom­pro­mis­ses ein­ge­bracht wer­den.

Im Hin­blick auf die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des begeg­net die gesetz­li­che Rege­lung kei­nen durch­grei­fen­den recht­li­chen Beden­ken.

Die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des für die Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de als sol­che ergibt sich aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG. Der Bund hat auch die Kom­pe­tenz, den Über­tritt der Beam­ten in den Dienst des kom­mu­na­len Trä­gers kraft Geset­zes nach § 6c Abs. 1 SGB II zu regeln. Als Beam­tin der Bun­des­agen­tur für Arbeit war die Beam­tin ursprüng­lich Bun­des­be­am­tin (§ 387 Abs. 1 Satz 2 SGB III). Nach Art. 73 Abs. 1 Nr. 8 GG besitzt der Bund die aus­schließ­li­che Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz über die Rechts­ver­hält­nis­se der im Diens­te des Bun­des und der bun­des­un­mit­tel­ba­ren Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rech­tes ste­hen­den Per­so­nen. Nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 27 GG erstreckt sich die kon­kur­rie­ren­de Gesetz­ge­bung des Bun­des auf die Sta­tus­rech­te und? ‑pflich­ten der Beam­ten der Län­der, Gemein­den und ande­ren Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts. Dem­entspre­chend besitzt der Bund auch die Kom­pe­tenz, die recht­li­chen Fol­gen des Über­tritts der Beam­ten der Bun­des­agen­tur für Arbeit kraft Geset­zes zu regeln, die nach dem Über­tritt mit­tel­ba­re Lan­des­be­am­te sind. Dies gilt ins­be­son­de­re für die Fort­set­zung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses mit dem kom­mu­na­len Trä­ger (§ 6c Abs. 3 Satz 1 SGB II), für die schrift­li­che Bestä­ti­gung des auf­neh­men­den Trä­gers hin­sicht­lich der Fort­set­zung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses (§ 6c Abs. 3 Satz 4 SGB II) sowie für die aus § 6c Abs. 4 Satz 1, 2 und 8 SGB II fol­gen­den Ansprü­che der über­ge­tre­te­nen Beam­ten, wie etwa der Anspruch auf Über­tra­gung eines gleich zu bewer­ten­den Amtes.

Hin­sicht­lich der Fest­le­gung der Anzahl mög­li­cher kom­mu­na­ler Trä­ger auf 25 Pro­zent der zum 31.12 2010 bestehen­den Auf­ga­ben­trä­ger (§ 6a Abs. 2 Satz 4 SGB II) und der Rege­lung der Finanz­kon­trol­le gegen­über den zuge­las­se­nen kom­mu­na­len Trä­gern durch den Bund (§ 6b Abs. 4 SGB II) ergibt sich die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des aus Art. 91e Abs. 3 GG 6.

Zwar hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Vor­schrift des § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II, wonach der Antrag eines wei­te­ren kom­mu­na­len Trä­gers auf Zulas­sung in sei­nen dafür zustän­di­gen Ver­tre­tungs­kör­per­schaf­ten einer Mehr­heit von zwei Drit­teln der Mit­glie­der bedarf, für mit dem Grund­ge­setz unver­ein­bar erklärt. Es han­de­le sich inso­weit um eine Mate­rie des Kom­mu­nal­ver­fas­sungs­rechts, für die der Bund nicht die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz besit­ze 7. Nach dem Grund­satz der Norm­er­hal­tung beschränkt sich die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit aber auf die Rege­lung des § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II und erfasst nicht auch die hier ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Vor­schrif­ten über den Über­tritt der Beam­ten der Bun­des­agen­tur in den Dienst des kom­mu­na­len Trä­gers kraft Geset­zes zum 1.01.2011 (§ 6c Abs. 1 und 3 SGB II). Die Vor­schrift des § 6a Abs. 2 Satz 3 SGB II bil­det mit den wei­te­ren Bestim­mun­gen des Geset­zes kei­ne untrenn­ba­re Ein­heit, die ledig­lich um den Preis von Sinn­ver­lust, Recht­fer­ti­gungs­weg­fall oder Ver­fäl­schung der gesetz­ge­be­ri­schen Inten­ti­on in ihre Bestand­tei­le zer­legt wer­den könn­te 3.

Der Bund besitzt auch die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz zur Rege­lung der ruhe­ge­halt­fä­hi­gen Aus­gleichs­zu­la­ge nach § 6c Abs. 4 Satz 3 bis 7 SGB II. Sie folgt wenn nicht schon aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 27 GG, so jeden­falls aus einer (Annex-)Kompetenz kraft Sach­zu­sam­men­hangs.

Die Aus­gleichs­zu­la­ge ist sowohl bei der Über­tra­gung eines gleich zu bewer­ten­den Amtes (§ 6c Abs. 4 Satz 1 SGB II) als auch bei der im Aus­nah­me­fall zuläs­si­gen Über­tra­gung eines ande­ren Amtes mit gerin­ge­rem Grund­ge­halt (§ 6c Abs. 4 Satz 2 SGB II) zu gewäh­ren. Dabei sieht das Gesetz die Zula­ge für bei­de Kon­stel­la­tio­nen des Dienst­herrn­wech­sels kraft Geset­zes vor. Denn die Zula­ge gilt nicht nur für den Fall, dass ein Beam­ter der Bun­des­agen­tur und damit Bun­des­be­am­ter (§ 387 Abs. 1 Satz 2 SGB III) kraft Geset­zes in den Dienst des kom­mu­na­len Trä­gers über­tritt, son­dern auch für die Fall­ge­stal­tung, dass die Trä­ger­schaft eines kom­mu­na­len Trä­gers nach § 6a SGB II mit der Fol­ge endet, dass die­je­ni­gen Beam­ten, die am Tag vor der Been­di­gung der Trä­ger­schaft des kom­mu­na­len Trä­gers die Auf­ga­ben der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de durch­ge­führt haben, zum Zeit­punkt der Been­di­gung der Trä­ger­schaft in den Dienst der Bun­des­agen­tur über­tre­ten (§ 6c Abs. 2 SGB II). Für die zuletzt genann­te Kon­stel­la­ti­on ergibt sich die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des zur Rege­lung der Aus­gleichs­zu­la­ge ohne Wei­te­res aus Art. 73 Abs. 1 Nr. 8 GG, weil die betrof­fe­nen Beam­ten nach dem Über­tritt kraft Geset­zes Bun­des­be­am­te sind.

e Abs. 3 GG kann aller­dings nicht zur Begrün­dung der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des zur Rege­lung der Aus­gleichs­zu­la­ge für den Fall des Über­tritts des Beam­ten der Bun­des­agen­tur in den Dienst des kom­mu­na­len Trä­gers her­an­ge­zo­gen wer­den. Art. 91e Abs. 3 GG ermäch­tigt den Bun­des­ge­setz­ge­ber, Art und Wei­se des Voll­zugs der in mate­ri­ell-recht­li­cher Hin­sicht unter die kon­kur­rie­ren­de Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz von Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG fal­len­den Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de zu regeln. Art. 91e Abs. 3 GG ändert aber nichts an der Ver­tei­lung der Sach­ge­setz­ge­bungs­zu­stän­dig­kei­ten durch die Art. 70 ff. GG 8. Da es sich bei der Aus­gleichs­zu­la­ge um einen Gegen­stand des öffent­li­chen Dienst­rechts han­delt, sind inso­weit die Vor­schrif­ten der Art. 73 Abs. 1 Nr. 8 und Art. 74 Abs. 1 Nr. 27 GG maß­geb­lich.

Die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des zur Rege­lung der Zula­ge beim Über­tritt in den Dienst des kom­mu­na­len Trä­gers kraft Geset­zes kann mög­li­cher-wei­se schon unmit­tel­bar aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 27 GG abge­lei­tet wer­den. Nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 27 GG besitzt der Bund die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz für die Sta­tus­rech­te und ‑pflich­ten der Beam­ten der Län­der, Gemein­den und ande­ren Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts mit Aus­nah­me der Lauf­bah­nen, Besol­dung und Ver­sor­gung. Zur Mate­rie "Sta­tus­rech­te und ‑pflich­ten" zählt auch die Rege­lung von Abord­nun­gen und Ver­set­zun­gen der Beam­ten zwi­schen den Län­dern und zwi­schen Bund und Län­dern 9. Bei die­sen dienst­herrn­über­grei­fen­den Ver­set­zun­gen ist die Aus­gleichs­zu­la­ge ein not­wen­di­ger Bestand­teil der Ver­set­zungs­re­ge­lung, weil nur so dem Grund­satz der größt­mög­li­chen Wah­rung der Rechts­stel­lung der Beam­ten Rech­nung getra­gen wer­den kann.

Wird dem­ge­gen­über die Rege­lung in Art. 74 Abs. 1 Nr. 27 GG dahin­ge­hend aus­ge­legt, dass damit dem Bund jeg­li­che besol­dungs­recht­li­che Rege­lung in Bezug auf Beam­te der Län­der, Gemein­den und ande­ren Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts – und damit auch eine der Abfe­de­rung einer Ver­set­zung zu einem ande­ren Dienst­herrn die­nen­de Vor­schrift – unter­sagt ist, so ergibt sich die Gesetz­ge­bungs­be­fug­nis des Bun­des jeden­falls aus einer Kom­pe­tenz kraft Sach­zu­sam­men­hangs.

Eine sol­che Kom­pe­tenz kann nur dann aner­kannt wer­den, wenn der Bund von einer ihm aus­drück­lich ein­ge­räum­ten Kom­pe­tenz nicht ohne Zugriff auf eine den Län­dern zuste­hen­de Mate­rie sinn­voll Gebrauch machen kann. Die­se Befug­nis stützt und ergänzt eine zuge­wie­se­ne Zustän­dig­keit des Bun­des dann, wenn die ent­spre­chen­de Mate­rie ver­stän­di­ger Wei­se nicht gere­gelt wer­den kann, ohne dass zugleich eine nicht aus­drück­lich zuge­wie­se­ne ande­re Mate­rie mit­ge­re­gelt wird, wenn also das Über­grei­fen uner­läss­li­che Vor­aus­set­zung für die Rege­lung der zuge­wie­se­nen Mate­rie ist 10. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind in Bezug auf die Aus­gleichs­zu­la­ge erfüllt.

Mit der Ein­fü­gung von Art. 91e GG und der Ver­ab­schie­dung des Geset­zes zur Wei­ter­ent­wick­lung der Orga­ni­sa­ti­on der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de woll­te der Gesetz­ge­ber sicher­stel­len, dass die Auf­ga­be der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de wei­ter­hin im Regel­fall durch die Agen­tu­ren für Arbeit und die Kom­mu­nen gemein­sam wahr­ge­nom­men wird. Zugleich soll­te Kom­mu­nen die Mög­lich­keit erhal­ten blei­ben, die­se Auf­ga­be anstel­le einer gemein­sa­men Ein­rich­tung allein wahr­zu­neh­men (Art. 91e Abs. 2 GG). Da der kom­mu­na­le Trä­ger auf per­so­nel­le Kon­ti­nui­tät und auf die Erfah­run­gen sowie die Fach­kom­pe­tenz der Beschäf­tig­ten der Bun­des­agen­tur ange­wie­sen ist, sieht das Gesetz nach dem Grund­satz "Per­so­nal folgt Auf­ga­be" den Über­gang der­je­ni­gen Beschäf­tig­ten vor, die über eine hin­rei­chen­de Berufs­er­fah­rung ver­fü­gen 11. Für den Über­tritt kraft Geset­zes zum einen von der Bun­des­agen­tur in den Dienst des kom­mu­na­len Trä­gers und zum ande­ren zurück in den Dienst der Bun­des­agen­tur im Fal­le der Been­di­gung der Trä­ger­schaft des kom­mu­na­len Trä­gers ist der Gedan­ke der Wah­rung des Besitz­stan­des der hier­von betrof­fe­nen Beam­ten maß­geb­lich 12. Dies gilt zum einen für das dem über­ge­tre­te­nen Beam­ten zu über­tra­ge­ne Amt (§ 6c Abs. 4 Satz 1 und 8 SGB II) und zum ande­ren für die Dienst­be­zü­ge. Aus­ge­hend von sei­ner für die Orga­ni­sa­ti­on der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de bestimm­ten Kon­zep­ti­on konn­te der Gesetz­ge­ber von der ihm zuste­hen­den Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz nur dann sinn­voll Gebrauch machen, wenn er zur Wah­rung des Besitz­stan­des der Beam­ten zugleich die Aus­gleichs­zu­la­ge für den Über­tritt des Beam­ten in den Dienst des kom­mu­na­len Trä­gers regel­te, die an sich nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 27 GG in die Kom­pe­tenz der Län­der fällt.

Die gesetz­li­che Rege­lung des Über­tritts der Beam­tin in den Dienst des Land­krei­ses kraft Geset­zes ver­stößt nicht gegen Art. 33 Abs. 5 GG.

Ein her­ge­brach­ter Grund­satz des Inhalts, dass Beam­te auf Lebens­zeit einem neu­en Dienst­herrn nicht gegen ihren Wil­len zuge­wie­sen wer­den dür­fen, besteht nicht. Ein sol­cher hat sich im tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raum nicht her­aus­ge­bil­det. Zwi­schen 1918 und 1932 wur­den eine Rei­he von gesetz­li­chen Rege­lun­gen ein­ge­führt, die Beam­te bei Umbil­dun­gen oder Ände­run­gen der Auf­ga­ben dienst­herrn­fä­hi­ger Kör­per­schaf­ten ver­pflich­te­ten, in den Dienst eines ande­ren Dienst­herrn zu tre­ten 13.

Die gesetz­li­che Rege­lung genügt auch dem Gebot der größt­mög­li­chen Wah­rung der Rechts­stel­lung der betrof­fe­nen Beam­ten.

Ohne Ein­ver­ständ­nis des betrof­fe­nen Beam­ten kann ein Dienst­herrn­wech­sel nur erfol­gen, wenn sich die Not­wen­dig­keit hier­zu aus der Umbil­dung von Kör­per­schaf­ten oder einer Ände­rung der Auf­ga­ben­ver­tei­lung dienst­herrn­fä­hi­ger Kör­per­schaf­ten ergibt 14. Der unfrei­wil­li­ge Dienst­herrn­wech­sel steht unter dem Grund­satz, dass die beam­ten­recht­li­che Rechts­stel­lung im Rah­men des Mög­li­chen gewahrt blei­ben muss und nur inso­weit ver­än­dert und beein­träch­tigt wer­den darf, als dies wegen der Umbil­dung und deren Fol­gen unum­gäng­lich ist 15. Die­se Vor­ga­ben hat der Gesetz­ge­ber hier ein­ge­hal­ten.

Die Not­wen­dig­keit des Dienst­herrn­wech­sels ergibt sich hier dar­aus, dass nach dem Grund­satz "Per­so­nal folgt Auf­ga­be" das sach­kun­di­ge Per­so­nal in den Dienst des zuge­las­se­nen Trä­gers über­tre­ten soll, das die­ser zur sach­ge­rech­ten Erfül­lung der Auf­ga­be der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de unmit­tel­bar nach sei­ner Zulas­sung benö­tigt. Das Gesetz setzt des­halb in § 6c Abs. 1 Satz 1 SGB II eine vor­he­ri­ge Tätig­keit von min­des­tens 24 Mona­ten im Bereich der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de vor­aus. Benö­tigt der zuge­las­se­ne kom­mu­na­le Trä­ger bestimm­te Beam­te nicht zur Erfül­lung der ihm über­tra­ge­nen Auf­ga­ben der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de, so darf er die­se nach § 6c Abs. 1 Satz 3 bis 5 SGB II wie­der der Bun­des­agen­tur für Arbeit zur Ver­fü­gung stel­len.

Aus­ge­hend vom Gebot der größt­mög­li­chen Wah­rung sei­ner Rechts­stel­lung dürf­te dem Beam­ten inso­weit ein Anspruch auf feh­ler­freie Aus­übung des dem kom­mu­na­len Trä­ger eröff­ne­ten Ermes­sens zukom­men. Endet die Trä­ger­schaft des zuge­las­se­nen kom­mu­na­len Trä­gers nach § 6a Abs. 6 SGB II, so tre­ten nach § 6c Abs. 2 SGB II die Beam­ten, die am Tag vor der Been­di­gung der Trä­ger­schaft Auf­ga­ben der Grund­si­che­rung anstel­le der Bun­des­agen­tur für Arbeit durch­ge­führt haben, zum Zeit­punkt der Been­di­gung der Trä­ger­schaft kraft Geset­zes in den Dienst der Bun­des­agen­tur über.

Die Rechts­stel­lung der betrof­fe­nen Beam­ten wird umfäng­lich gewahrt. Hin­sicht­lich des Sta­tusam­tes gibt § 6c Abs. 4 Satz 1 SGB II den Grund­satz vor, dass in den Fäl­len des Über­tritts kraft Geset­zes ein gleich zu bewer­ten­des Amt über­tra­gen wer­den soll, das dem bis­he­ri­gen Amt nach Bedeu­tung und Inhalt ohne Berück­sich­ti­gung von Dienst­stel­lung und Dienst­al­ter ent­spricht. Die Über­tra­gung eines ande­ren Amtes mit gerin­ge­rem Grund­ge­halt sieht das Gesetz nur im Aus­nah­me­fall vor. Die Beam­ten dür­fen neben der neu­en Amts­be­zeich­nung die des frü­he­ren Amtes ("a.D.") füh­ren (§ 6c Abs. 4 Satz 8 SGB II). Zwar haf­tet der Bund nicht für die Ver­bind­lich­kei­ten des kom­mu­na­len Trä­gers gegen­über den in des­sen Dienst ein­ge­tre­te­nen (bis­he­ri­gen Bundes-)Beamten. Die über­ge­tre­te­nen Beam­ten sind aber in finan­zi­el­ler Hin­sicht inso­weit geschützt, als der Bund nun­mehr nach § 46 Abs. 3 Satz 1 SGB II 84, 8 Pro­zent der Auf­wen­dun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de ein­schließ­lich der Ver­wal­tungs­kos­ten trägt, zu denen auch die Kos­ten des ein­ge­setz­ten Per­so­nals zäh­len.

Nach § 6c Abs. 4 Satz 3 bis 7 SGB II wird der Besitz­stand der über­ge­tre­te­nen Beam­ten hin­sicht­lich ihrer Dienst­be­zü­ge sowohl im Fal­le der Über­tra­gung eines gleich zu bewer­ten­den Amtes als auch in den Fäl­len der Über­tra­gung eines ande­ren Amtes mit gerin­ge­rem Grund­ge­halt gewahrt. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass es für Beam­te in Bezug auf ein­mal erreich­te Dienst­be­zü­ge kei­nen ver­fas­sungs­recht­lich gesi­cher­ten Anspruch auf Erhal­tung des erlang­ten Besitz­stan­des gibt 16.

Eine gegen Art. 3 Abs. 1 GG ver­sto­ßen­de Ungleich­be­hand­lung gegen­über der Grup­pe der Bun­des­be­am­ten kann die Beam­tin nicht gel­tend machen. Denn die Beam­tin ist – zuläs­si­ger­wei­se – nicht mehr Beam­tin des Bun­des, son­dern steht im Dienst des Land­krei­ses.

Abs. 1 GG ist auch nicht dadurch ver­letzt, dass die Bezü­ge der Beam­tin unter Umstän­den über Jah­re hin­weg nicht erhöht wer­den 17. Denn dies ist eine Fol­ge der hin­sicht­lich ihrer Höhe ver­fas­sungs­recht­lich nicht gebo­te­nen, hier besitz­stands­wah­rend aus­ge­stal­te­ten Zula­ge nach § 6c Abs. 4 Satz 3 bis 7 SGB II. Die­se ist zu zah­len, wenn die Dienst­be­zü­ge beim auf­neh­men­den kom­mu­na­len Trä­ger gerin­ger sind als die Bezü­ge nach Maß­ga­be des Besol­dungs­rechts des Bun­des. Ist die­ses Niveau erreicht, pro­fi­tie­ren auch die über­ge­tre­te­nen bis­he­ri­gen Bun­des­be­am­ten von der regel­mä­ßi­gen Erhö­hung der Dienst­be­zü­ge durch das für sie dann maß­geb­li­che Lan­des­recht.

§ 6c Abs. 1 SGB II regelt nicht nur den Über­tritt der Beam­ten kraft Geset­zes, son­dern auch den der Arbeit­neh­mer der Bun­des­agen­tur. Auch hin­sicht­lich der wei­te­ren Umstän­de, wie etwa der Mög­lich­keit der Wie­der­ein­stel­lung bei der Bun­des­agen­tur, der Rück­kehr in den Dienst der Bun­des­agen­tur bei Been­di­gung der Trä­ger­schaft des kom­mu­na­len Trä­gers, des Ein­tritts des kom­mu­na­len Trä­gers in die Rech­te und Pflich­ten aus dem Arbeits­ver­trag, des Anspruchs auf Über­tra­gung einer tarif­recht­lich gleich­wer­ti­gen Tätig­keit sowie des Anspruchs auf eine Aus­gleichs­zah­lung bei Ver­rin­ge­rung des Arbeits­ent­gelts sind die Vor­schrif­ten ver­gleich­bar.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt wer­tet die Über­lei­tung des Arbeits­ver­hält­nis­ses eines Arbeit­neh­mers der Bun­des­agen­tur für Arbeit auf einen kom­mu­na­len Trä­ger nach § 6c Abs. 1 Satz 1 SGB II als unzu­mut­ba­re Beein­träch­ti­gung des Grund­rechts des Arbeit­neh­mers aus Art. 12 Abs. 1 GG 18. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ver­mag sich weder die­ser Schluss­fol­ge­rung noch den Aus­füh­run­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Begrün­dung des Vor­la­ge­be­schlus­ses anzu­schlie­ßen. Im Rah­men der Prü­fung der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit im enge­ren Sin­ne bewer­tet das Bun­des­ar­beits­ge­richt die für die gesetz­li­che Rege­lung spre­chen­den Gesichts­punk­te als rela­tiv gering, weil die Zulas­sung wei­te­rer kom­mu­na­ler Trä­ger nicht die ord­nungs­ge­mä­ße Erle­di­gung der Auf­ga­ben der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de sicher­stel­len sol­le. Damit sei­en die Zulas­sung die­ser Trä­ger und der damit für einen Arbeit­neh­mer ver­bun­de­ne Wech­sel des Arbeit­ge­bers nicht durch zwin­gen­de Grün­de des Gemein­wohls bedingt. Maß­geb­lich sei­en inso­weit nicht zwin­gen­de ver­wal­tungs­tech­ni­sche, son­dern "poli­tisch moti­vier­te Über­le­gun­gen". Die­se Ein­schät­zung ver­kennt nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts die Funk­ti­on, die dem Gesetz­ge­ber nach dem Grund­ge­setz zukommt. Der Gesetz­ge­ber hat die Auf­ga­be, das Gemein­wohl zu defi­nie­ren. Dabei ist er nicht dar­auf beschränkt, eine gesetz­li­che Rege­lung aus blo­ßen ver­wal­tungs­tech­ni­schen Grün­den zu ändern oder etwai­ge beim Voll­zug eines bestehen­den Geset­zes auf­ge­tre­te­ne Män­gel zu besei­ti­gen. Dass einer gesetz­li­chen Rege­lung (auch) – nicht näher benann­te oder hin­ter­frag­te – "poli­tisch moti­vier­te Über­le­gun­gen" zugrun­de lie­gen, ist für die ver­fas­sungs­recht­li­che Beur­tei­lung der Rege­lung uner­heb­lich.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 26. Febru­ar 2015 – 2 C 1.2014 -

  1. BAG, Beschluss vom 26.09.2013 – 8 AZR 775/​12 (A), ZTR 2014, 163[]
  2. BAG, Beschluss vom 26.09.2013 – 8 AZR 775/​12 (A) – ZTR 2014, 163[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 16.12 2012 – 2 BvL 16/​09, NVwZ-RR 2011, 387 Rn. 29[][]
  4. BGBl. I S. 944[]
  5. BVerfG, Urteil vom 07.10.2014 – 2 BvR 1641/​11, NVwZ 2015, 136 Rn. 80 bis 84[]
  6. BVerfG, Urteil vom 07.10.2014 – 2 BvR 1641/​11, NVwZ 2015, 136 Rn. 152 und 174[]
  7. BVerfG, Urteil vom 07.10.2014 – 2 BvR 1641/​11, NVwZ 2015, 136 Rn. 131 ff.[]
  8. BVerfG, Urteil vom 07.10.2014 – 2 BvR 1641/​11, NVwZ 2015, 136 Rn. 122 f.[]
  9. Gesetz­ent­wurf der Frak­tio­nen der CDU/​CSU und SPD, BT-Drs. 16/​813 S. 14[]
  10. BVerfG, Urtei­le vom 27.10.1998 – 1 BvR 2306, 2314/​96, 1108, 1109, 1110/​97, BVerfGE 98, 265, 299; vom 24.10.2002 – 2 BvF 1/​01, BVerfGE 106, 62, 115; und vom 07.10.2014 – 2 BvR 1641/​11, NVwZ 2015, 136 Rn. 145[]
  11. Gesetz­ent­wurf der Frak­tio­nen der CDU/​CSU, SPD und FDP, BT-Drs. 17/​1555 S.19[]
  12. Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs a.a.O. S.20[]
  13. BVerfG, Beschluss vom 26.11.1963 – 2 BvL 12/​62, BVerfGE 17, 172, 187 f.; BVerwG, Urteil vom 26.11.2009 – 2 C 15.08, BVerw­GE 135, 286 Rn. 14[]
  14. BVerfG, Beschluss vom 26.11.1963 – 2 BvL 12/​62, BVerfGE 17, 172, 187 f.; BVerwG, Urteil vom 26.11.2009? – 2 C 15.08, BVerw­GE 135, 286 Rn. 14[]
  15. stRspr, vgl. BVerwG, Urtei­le vom 02.04.1981 – 2 C 35.78, BVerw­GE 62, 129, 132 m.w.N.; vom 28.04.2011 – 2 C 27.10, Buch­holz 240 § 46 BBesG Nr. 5 Rn. 30; und vom 30.01.2014 – 2 C 27.12ZBR 2014, 202 Rn. 17[]
  16. BVerfG, Beschluss vom 30.03.1977- 2 BvR 1039, 1045/​75, BVerfGE 44, 249, 263; Kam­mer­be­schluss vom 15.07.1999 – 2 BvR 544/​97 3 m.w.N.[]
  17. so aber Schwei­ger, ZBR 2012, 17, 23[]
  18. BAG, Beschluss vom 26.09.2013? – 8 AZR 775/​12 (A) – ZTR 2014, 163 Rn. 37 ff.[]
  19. BAG, Beschluss vom 26.09.2013 – 8 AZR 775/​12 (A), ZTR 2014, 163[]