Ver­fas­sungs­schutz­be­richt über Mus­li­mi­sche Jugend

Soweit im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2009 die Bericht­erstat­tung des Bun­des­am­tes für Ver­fas­sungs­shutz über die Mus­li­mi­sche Jugend in Deutsch­land e.V. nicht auf beleg­ba­re Tat­sa­chen gestützt wer­den kann, ist das Per­sön­lich­keits­recht des Betrof­fe­nen ver­letzt. Der Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2009 muss zum Teil über­ar­bei­tet wer­den, ent­schied jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin auf die Kla­ge des Ver­eins "Mus­li­mi­sche Jugend in Deutsch­land e.V.".

Ver­fas­sungs­schutz­be­richt über Mus­li­mi­sche Jugend

Im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2009 wird unter ande­rem berich­tet, dass in einem Schu­lungs­leit­fa­den des Klä­gers bestimm­te ver­fas­sungs­feind­li­che Äuße­run­gen ent­hal­ten sei­en. Des Wei­te­ren emp­feh­le der Klä­ger sei­nen Mit­glie­dern, sich in allen Fra­gen der isla­mi­schen Rechts­aus­le­gung an den Maß­ga­ben des European Coun­cil for Fat­wa and Rese­arch (ECFR) zu ori­en­tie­ren.

Nun hat das Ver­wal­tungs­ge­richt der Kla­ge gegen die­se Bericht­erstat­tung zum Teil statt­ge­ge­ben. Grund­sätz­lich bestehe zwar das Recht, über Bestre­bun­gen gegen die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung zu berich­ten. Dies set­ze aller­dings vor­aus, dass sich das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz auf beleg­ba­re Tat­sa­chen stüt­zen kön­ne. Ande­ren­falls ste­he das Per­sön­lich­keits­recht der Betrof­fe­nen einer Bericht­erstat­tung ent­ge­gen. Hin­sicht­lich eines Teil der von der Beklag­ten als ver­fas­sungs­wid­rig ange­se­he­nen Äuße­run­gen sei nicht hin­rei­chend durch Tat­sa­chen gesi­chert, dass der Klä­ger die­se als Teil eines Schu­lungs­leit­fa­dens ver­wen­det habe. Trotz ent­spre­chen­der Indi­zi­en habe es die Beklag­te nicht ver­mocht, einen tat­säch­li­chen Ein­satz des Mate­ri­als beim Klä­ger zu bele­gen. Glei­ches gel­te für die Behaup­tung, der Klä­ger emp­feh­le sei­nen Mit­glie­dern, sich an den Maß­ga­ben des ECFR zu ori­en­tie­ren. Es sei nicht mit hin­rei­chen­der Sicher­heit belegt, dass der Klä­ger sei­nen Mit­glie­dern tat­säch­lich eine sol­che Emp­feh­lung gege­ben habe.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die Kla­ge aber wegen eines ande­ren Teils der im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt dar­ge­stell­ten Inhal­te eines ver­meint­li­chen Schu­lungs­leit­fa­dens abge­wie­sen, weil es sich nach der Über­zeu­gung des Gerichts hier­bei um vom Klä­ger ver­wen­de­tes Schu­lungs­ma­te­ri­al han­del­te.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 16. Febru­ar 2012 – VG 1 K 237.10