Ver­fas­sungs­wid­ri­ge Rege­lun­gen im säch­si­schen Kom­mu­nal­wahl­ge­setz?

Die Rege­lun­gen des säch­si­schen Kom­mu­nal­wahl­ge­set­zes zur ver­pflich­ten­den Sta­si-Erklä­rung für Bewer­ber um ein Bür­ger­meis­ter­amt sind mög­li­cher­wei­se ver­fas­sungs­wid­rig.

Ver­fas­sungs­wid­ri­ge Rege­lun­gen im säch­si­schen Kom­mu­nal­wahl­ge­setz?

So hat jetzt das Säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richts dem Säch­si­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof meh­re­re Rege­lun­gen des säch­si­schen Kom­mu­nal­wahl­ge­set­zes zur Ent­schei­dung dar­über vor­ge­legt, ob die­se Rege­lun­gen mit dem Grund­recht der all­ge­mei­nen und frei­en Wahl aus Art. 18 Abs. 1 Sächs­Verf i. V. m. dem Demo­kra­tie­prin­zip ver­ein­bar sind. Hier­bei han­delt es sich um § 41 Abs. 4 Sät­ze 1 und 2 KomWG i. V. m. § 45 Abs. 2, 38 und 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 KomWG.

Nach die­sen Bestim­mun­gen ist der Bewer­ber um ein Bür­ger­meis­ter­amt nicht wähl­bar, wenn er vor der Wahl kei­ne Erklä­rung über eine etwai­ge Sta­si-Mit­ar­beit ein­ge­reicht hat. Wird ein Bewer­ber trotz feh­len­der Sta­si-Erklä­rung gleich­wohl zur Wahl zuge­las­sen, so ist die Wahl für ungül­tig erklä­ren.

Hin­ter­grund der Ent­schei­dung ist ein Ver­fah­ren vor dem Säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, in dem sich der erfolg­rei­che Bewer­ber um das Bür­ger­meis­ter­amt in der Gemein­de Königs­war­tha gegen die nach­fol­gen­de Ungül­tig­erklä­rung sei­ner Wahl durch das Land­rats­amt wen­det, weil er vor der Wahl kei­ne Sta­si-Erklä­rung abge­ge­ben hat­te. Nach der Auf­fas­sung des Säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ist die­se Rechts­fol­ge einer zwin­gen­den Ungül­tig­keits­klä­rung nicht ver­ein­bar mit dem Grund­recht der all­ge­mei­nen und frei­en Wahl aus Art. 18 Abs. 1 Sächs­Verf i. V. m. dem Demo­kra­tie­prin­zip.

Über die Ungül­tig­keit der Nor­men des säch­si­schen Kom­mu­nal­wahl­ge­set­zes kann nur der Säch­si­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof befin­den, so dass ihm die­se Fra­ge zur Ent­schei­dung vom Säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt vor­ge­legt wur­de.

Säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 18. Mai 2011 – 4 A 570/​10