Ver­fül­lung eines Tages­bruchs – der Bau­un­ter­neh­mer als Ver­wal­tungs­hel­fer

Eine vom Berg­amt mit der Erkun­dung und Siche­rung eines Tages­bruchs beauf­trag­te Fir­ma han­delt „in Aus­füh­rung eines öffent­li­chen Amtes“ und daher hoheit­lich. Damit haf­tet sie aber nicht selbst für angeb­lich hier­bei ver­ur­sach­te Schä­den.

Ver­fül­lung eines Tages­bruchs – der Bau­un­ter­neh­mer als Ver­wal­tungs­hel­fer

Dies ent­schied das Ober­lan­des­ge­richt Hamm jetzt in einem Recht­streit um die Fol­gen eines Tages­bruchs in der Stadt Mühl­heim an der Ruhr: Im Som­mer 2004 trat im Gebiet der Stadt Mühl­heim an der Ruhr ein Tages­bruch auf. Das zustän­di­ge Berg­amt Gel­sen­kir­chen beauf­trag­te eine Bau­fir­ma mit der Erkun­dung und Siche­rung des Tages­bruchs. Die Fir­ma über­prüf­te ab Febru­ar 2005 das Gebiet mit mehr als 1.300 Boh­run­gen und ver­füll­te fest­ge­stell­te Hohl­räu­me mit knapp 3.200 t Bau­stof­fen. Im Spät­som­mer 2005 kam es in dem betrof­fe­nen Stadt­ge­biet zu Ver­stop­fun­gen der Kana­li­sa­ti­on durch erheb­li­che Fremd­stoff­ein­la­ge­run­gen. Für die Scha­dens­be­sei­ti­gung zahl­te die Stadt nach ihren Anga­ben mehr als 855.000 €. Die Stadt Mühl­heim an der Ruhr sah die Ver­ant­wor­tung für die­se Ein­la­ge­run­gen bei der beauf­trag­ten Bau­fir­ma und ver­klag­te sie auf Scha­dens­er­satz, blieb damit nun aber letzt­in­stanz­lich vor dem Bun­des­ge­richts­hof ohne Erfolg:

Ob die Beklag­te die Schä­den tat­säch­lich ver­ur­sacht hat, konn­te für den Bun­des­ge­richts­hof dabei offen blei­ben, denn zu ihren Guns­ten trat nach den Aus­füh­run­gen des Bun­des­ge­richts­hofs eine schuld­be­frei­en­de Haf­tungs­ver­la­ge­rung ein. Die Beklag­te habe als so genann­te „Ver­wal­tungs­hel­fe­rin“ gehan­delt, so dass für die Schä­den, die bei Aus­übung des ihr anver­trau­ten öffent­li­chen Amtes ent­stan­den sein sol­len, nach § 839 BGB, Art. 34 GG nicht sie, son­dern ggf. das Land haf­te.

Bei den beauf­trag­ten Arbei­ten han­de­le es sich um Maß­nah­men, die das Berg­amt zur Abwehr von Gefah­ren aus ver­las­se­nen Gru­ben­bau­en zu tref­fen habe. Wenn mit der Erfül­lung die­ser hoheit­li­chen Auf­ga­ben ein pri­va­tes Unter­neh­men beauf­tragt wird und die­sem nur ein deut­lich beschränk­ter Ent­schei­dungs­spiel­raum bei der Durch­füh­rung der Arbei­ten zusteht, blei­be die Tätig­keithaf­tungs­recht­lich „hoheit­lich“ mit der Fol­ge, dass zu Guns­ten der aus­füh­ren­den Fir­ma die schuld­be­frei­en­de Haf­tungs­ver­la­ge­rung ein­grei­fe. Tat­säch­lich habe der Beklag­ten nur ein begrenz­ter Ent­schei­dungs­spiel­raum zuge­stan­den, weil sie an die ver­trag­li­chen Vor­ga­ben u. a. aus dem Leis­tungs­ver­zeich­nis gebun­den gewe­sen sei und den Anwei­sun­gen der geson­dert vom Berg­amt in Auf­trag gege­be­nen Bau­lei­tung habe fol­gen müs­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 30. März 2011 – I-11 U 221/​10