Ver­kehrs­zei­chen mit drei Zusatzzeichen

Die Beschil­de­rung einer Halt­ver­bots­zo­ne durch Zei­chen 290.1 StVO mit drei ein­fa­chen Zusatz­zei­chen genügt nach einer Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim den Anfor­de­run­gen an die Erkenn­bar­keit des Rege­lungs­ge­halts von Ver­kehrs­zei­chen (Sicht­bar­keits­grund­satz).

Ver­kehrs­zei­chen mit drei Zusatzzeichen

Da Ver­kehrs­zei­chen im Inter­es­se der Ver­kehrs­si­cher­heit von jedem Ver­kehrs­teil­neh­mer sofort befolgt wer­den sol­len, sind sie so auf­zu­stel­len oder anzu­brin­gen, dass ein durch­schnitt­li­cher Kraft­fah­rer die damit ver­laut­bar­te ver­kehrs­recht­li­che Anord­nung bei Ein­hal­tung der nach § 1 StVO erfor­der­li­chen Sorg­falt ohne wei­te­re Über­le­gung zur Kennt­nis neh­men kann. Dem dar­aus fol­gen­den Sicht­bar­keits­grund­satz, der gera­de auch die Klar­heit im Sin­ne einer inhalt­li­chen Ver­ständ­lich­keit meint, ist dann Genü­ge getan, wenn der Kraft­fahr­zeug­füh­rer das Ver­kehrs­zei­chen schon „mit einem raschen und bei­läu­fi­gen Blick“ erfas­sen kann [1].

Hier­nach kann die Gren­ze der Erfass­bar­keit ins­be­son­de­re durch eine Häu­fung von Ver­kehrs­zei­chen über­schrit­ten sein. Die Vor­ga­ben in der All­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­vor­schrift zur Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung [2] über die Begren­zung der Anzahl von Ver­kehrs­zei­chen ein­schließ­lich Zusatz­zei­chen an einem Pfos­ten auf – in der Regel – drei [3] kön­nen zur Kon­kre­ti­sie­rung der inso­weit zu beach­ten­den Gren­zen beitragen. 

Eine sche­ma­ti­sche Ori­en­tie­rung an die­sem ledig­lich als recht­lich unver­bind­li­che Aus­le­gungs­hil­fe ein­zu­ord­nen­den Regel­werk ver­bie­tet sich indes­sen. Viel­mehr bedarf es einer ein­zel­fall­be­zo­ge­nen Bewer­tung, die auch die jeweils betrof­fe­ne Ver­kehrs­si­tua­ti­on mit ein­be­zieht. So ist aner­kannt, dass im ruhen­den Ver­kehr nied­ri­ge­re Anfor­de­run­gen an die Sicht­bar­keit von Ver­kehrs­zei­chen und damit ein­her­ge­hend höhe­re Sorg­falts­an­for­de­run­gen an den Ver­kehrs­teil­neh­mer gestellt wer­den kön­nen als im flie­ßen­den Ver­kehr [4]. Ver­kehrs­zei­chen, die den flie­ßen­den Ver­kehr regeln, müs­sen gera­de bei höhe­rer Geschwin­dig­keit des Ver­kehrs­teil­neh­mers inner­halb kür­zes­ter Zeit wahr­ge­nom­men und inhalt­lich erfasst wer­den, damit sie ihre Auf­ga­be erfül­len kön­nen. Dem­ge­gen­über fährt der Ver­kehrs­teil­neh­mer an Ver­kehrs­zei­chen, die den ruhen­den Ver­kehr betref­fen, typi­scher­wei­se mit gerin­ge­rer Geschwin­dig­keit vor­bei; auch ist es ihm gefahr­los mög­lich, sich im Zwei­fels­fall auch nach dem Abstel­len des Fahr­zeugs über den genau­en Inhalt der Rege­lung zu ver­ge­wis­sern und sein Ver­hal­ten danach auszurichten.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 20. Janu­ar 2010 – 1 S 484/​09

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 13.03.2008 – 3 C 18.07, BVerw­GE 130, 383, 385 f.[]
  2. VwV-StVO vom 22.10.1998[]
  3. sie­he den Abschnitt zu den §§ 39 bis 43, Nr. III 11. a), 17. b) in den VwV-StVO[]
  4. vgl. OVG Ham­burg, Urteil vom 30.06.2009 – 3 Bf 408/​08, NZV 2009, 524, m.w.N.[]