Ver­la­ge­rung von Funk­fre­quen­zen

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat die Abwei­sung der Kla­ge eines Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­mens bestä­tigt, das sich gegen eine sog. Fre­quenz­ver­la­ge­rung durch die Bun­des­netz­agen­tur gewandt hat­te.

Ver­la­ge­rung von Funk­fre­quen­zen

Die Klä­ge­rin bie­tet auf der Grund­la­ge eines eige­nen Funk­net­zes Sprach­te­le­fon­dienst und einen funk­ge­stütz­ten Inter­net­zu­gang an. Die dafür benö­tig­ten Funk­fre­quen­zen im 2600-MHz-Band waren ihr seit dem Jahr 1999 zuge­teilt wor­den; tat­säch­lich nutzt sie sie aller­dings nur zu einem gerin­gen Teil. Die Bemü­hun­gen der Klä­ge­rin um eine Ver­län­ge­rung der schon am 31. Dezem­ber 2007 aus­ge­lau­fe­nen und seit­her für sie nur noch über­gangs­wei­se ver­füg­ba­ren Fre­quenz­nut­zungs­rech­te blie­ben bis­lang erfolg­los.

Im Febru­ar 2006 ent­schied die Bun­des­netz­agen­tur nach vor­he­ri­ger Anhö­rung der Markt­teil­neh­mer, ehe­mals mili­tä­risch genutz­te Fre­quen­zen im 900-MHz-Bereich den Mobil­funk­netz­be­trei­bern E‑Plus und O2 zuzu­tei­len. Das Fre­quenz­nut­zungs­kon­zept der Bun­des­netz­agen­tur sah vor, dass die bei­den Mobil­funk­netz­be­trei­ber ande­re Fre­quen­zen aus dem 1800-MHz-Band zurück­zu­ge­ben hat­ten, deren Neu­zu­tei­lung als­dann einem Ver­ga­be­ver­fah­ren vor­be­hal­ten sein soll­te. Die Klä­ge­rin mach­te dem­ge­gen­über gel­tend, dass ihr bereits hin­sicht­lich der – von ihr als höher­wer­tig erach­te­ten – 900-MHz-Fre­quen­zen ein Anspruch auf Teil­nah­me an einem dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Ver­ga­be­ver­fah­ren zuste­he.

Mit der vor­lie­gen­den Kla­ge wen­det die Klä­ge­rin sich gegen Fre­quenz­ver­la­ge­rungs­be­schei­de, mit denen die Bun­des­netz­agen­tur zwei Mobil­funk­netz­be­trei­bern neue Fre­quen­zen im 900-MHz-Bereich gegen Rück­ga­be ande­rer Fre­quen­zen zuge­teilt hat. Die Klä­ge­rin beruft sich dar­auf, dass ihr (auch) inso­weit ein Anspruch auf Teil­nah­me an einem dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Ver­ga­be­ver­fah­ren zuste­he. Die Kla­ge blieb vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Köln 1 und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len 2 in Müns­ter ohne Erfolg. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tig­te die­se Ent­schei­dun­gen nun und wies die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on zurück:

Die Ent­schei­dung der Bun­des­netz­agen­tur, bestimm­te Funk­fre­quen­zen zur För­de­rung eines nach­hal­ti­gen Wett­be­werbs zwi­schen den vor­han­de­nen vier deut­schen Mobil­funk­netz­be­trei­bern einem oder meh­re­ren von ihnen direkt zuzu­tei­len und erst im Aus­tausch frei­ge­ge­be­ne – gleich­wer­ti­ge – Fre­quen­zen einem Ver­ga­be­ver­fah­ren zuzu­füh­ren, kann mit den regu­la­to­ri­schen Zie­len des Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­set­zes ver­ein­bar sein. Unab­hän­gig davon, ob im vor­lie­gen­den Fall die Vor­aus­set­zun­gen für ein der­ar­ti­ges Vor­ge­hen der Bun­des­netz­agen­tur erfüllt sind und ob sie ihr dies­be­züg­li­ches Ermes­sen feh­ler­frei aus­ge­übt hat, wur­den durch die gewähl­te Ver­fah­rens­ge­stal­tung hier jeden­falls kei­ne sub­jek­ti­ven Rech­te der Klä­ge­rin ver­letzt. Denn sie erfüll­te in dem dafür maß­geb­li­chen Zeit­punkt der ange­grif­fe­nen (abschlie­ßen­den) Ent­schei­dung der Bun­des­netz­agen­tur über die Fre­quenz­ver­la­ge­rung nicht die Zutei­lungs­vor­aus­set­zun­gen an sich, nach­dem sie auch nicht ansatz­wei­se ein eige­nes Kon­zept für eine effi­zi­en­te Nut­zung der begehr­ten Fre­quen­zen aus dem 900-MHz-Bereich ent­wi­ckelt hat­te.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 26. Janu­ar 2011 – 6 C 2.10

  1. VG Köln, Urteil vom 23.11.2007 – 11 K 5392/​06
  2. OVG NRW, Beschluss vom 26.05.2009 – 13 A 424/​08