Ver­let­zung der gericht­li­chen Auf­klä­rungs­pflicht – und der Beru­fungs­zu­las­sungs­grund im Asyl­ver­fah­ren

Die Rüge der Ver­let­zung der Auf­klä­rungs­pflicht (§ 86 Abs. 1 VwGO) stellt kei­nen Beru­fungs­zu­las­sungs­grund im Asyl­ver­fah­ren dar (§ 78 Abs. 3 Nr. 3 AsylG i.V.m. § 138 VwGO) 1.

Ver­let­zung der gericht­li­chen Auf­klä­rungs­pflicht – und der Beru­fungs­zu­las­sungs­grund im Asyl­ver­fah­ren

Eine unter­blie­be­ne, aller­dings gebo­te­ne Sach­ver­halts­auf­klä­rung kann zwar im Ein­zel­fall einen Ver­stoß gegen das recht­li­che Gehör dar­stel­len.

Hier­für muss aller­dings ein der­art schwer­wie­gen­der Ver­stoß gegen § 86 Abs. 1 VwGO, der eine Ver­let­zung der Sach­auf­klä­rungs­pflicht des Gerich­tes in eine Ver­let­zung des Anspruchs auf "recht­li­ches Gehör" umschla­gen lie­ße 2, sub­stan­ti­iert dar­ge­legt wer­den.

Das recht­li­che Gehör gewähr­leis­tet im Sinn der Wah­rung eines ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Min­dest­ma­ßes, dass ein Klä­ger die Mög­lich­keit haben muss, sich im Pro­zess mit tat­säch­li­chen und recht­li­chen Argu­men­ten zu behaup­ten 3. Die Rüge der Ver­let­zung der Auf­klä­rungs­pflicht nach § 86 Abs. 1 Satz 1 VwGO berührt den Rege­lungs­ge­halt des Art. 103 Abs. 1 GG indes nicht; denn der Grund­satz des recht­li­chen Gehörs stellt nur sicher, dass das Gericht die Aus­füh­run­gen der Betei­lig­ten wür­digt. Art. 103 Abs. 1 GG gibt den am Pro­zess Betei­lig­ten jedoch kei­nen Anspruch dar­auf, dass das Gericht Tat­sa­chen erst beschafft oder von sich aus Beweis erhebt 4. Auf­klä­rungs­pflich­ten, die über den ver­fas­sungs­recht­li­chen Min­dest­an­for­de­run­gen hin­aus­ge­hen, sich zu dem der Ent­schei­dung zugrun­de geleg­ten Sach­ver­halt zu äußern, sind, auch wenn sie im ein­fa­chen Pro­zess­recht ver­an­kert sind, nicht von der Schutz­wir­kung des Rechts auf Gehörs umfasst 5.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Schles­wig ‑Hol­stein, Beschluss vom 29. Sep­tem­ber 2017 – 2 LA 67/​16

  1. vgl. auch OVG Bre­men, Beschluss vom 09.06.2017 – 2 LA 88/​17 – juris LS 2 und Rn. 6, OVG NRW, Beschluss vom 17.05.2017 – 11 A 682/​16.A, BayVGH, Beschluss vom 20.04.2017 – 13a ZB 16.30368; und OVG Schles­wig-Hol­stein, Beschluss vom 20.07.2017 – 3 LA 145/​16 – LS und Rn. 6[]
  2. vgl. hier­zu BVerfG, Beschluss vom 27.04.2004 – 2 BvR 1318/​03[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 21.04.1982 – 2 BvR 810/​81 – BVer­GE 60, 305/​310[]
  4. BVerfG, Beschluss vom 02.12 1969 – 2 BvR 320/​69- BVerfGE 27, 248/​251[]
  5. Bay­VerfGH, Ent­schei­dung vom 29.01.2014 – Vf. 18-VI-12, BayVBl 2014, 448, zitiert nach BayVGH, Beschluss vom 20.04.2017 – 13a ZB 16.30368, Rn 5[]