Ver­let­zung der Men­schen­wür­de – und kein Scha­dens­er­satz

Art. 34 GG hat zwar den Sinn, bei der Ver­let­zung sub­jek­ti­ver öffent­li­cher Rech­te Rechts­schutz auch dort zu gewäh­ren, wo die Inte­gri­tät der betrof­fe­nen Rechts­gü­ter nicht mehr her­ge­stellt wer­den kann. Eine Beschrän­kung auf einen bestimm­ten Scha­dens­aus­gleich sieht er gleich­wohl nicht vor.

Ver­let­zung der Men­schen­wür­de – und kein Scha­dens­er­satz

Er spricht nur von der Ver­ant­wort­lich­keit des Staa­tes oder der zustän­di­gen Kör­per­schaft im Haf­tungs­fall. Der Scha­dens­aus­gleich kann daher je nach den Ver­hält­nis­sen im Ein­zel­fall nicht nur durch eine Ent­schä­di­gung in Geld, son­dern auch auf ande­re Wei­se vor­ge­nom­men wer­den 1.

Abs. 1 GG ver­langt kei­ne grund­sätz­lich ande­re Beur­tei­lung. Zwar ist bei der Annah­me einer Ver­let­zung der Men­schen­wür­de eine Abwä­gung mit ande­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Belan­gen nicht mög­lich. Das schließt jedoch nicht aus, dass bei der Fra­ge nach Art und Umfang eines Scha­dens­aus­gleichs Erwä­gun­gen zur Schwe­re des Ein­griffs ange­stellt und Art und Höhe eines Aus­gleichs von der Ein­griffs­in­ten­si­tät abhän­gig gemacht wer­den 2.

Vor die­sem Hin­ter­grund war es für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im vor­lie­gen­den Streit­fall ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass das Land­ge­richt eine Geld­ent­schä­di­gung mit der Begrün­dung ver­sagt hat, dass die Hand­fes­se­lung nur von rela­tiv kur­zer Dau­er war und kaum über die ohne­hin bestehen­den Ein­schrän­kun­gen in der Trans­port­ein­zel­ka­bi­ne hin­aus­ge­hen­de Bewe­gungs­be­ein­träch­ti­gun­gen her­vor­rief, eine schi­ka­nö­se Ziel­set­zung der Maß­nah­me nicht erkenn­bar war und der Beschwer­de­füh­rer dau­er­haf­te Beein­träch­ti­gun­gen, die durch die kon­kre­te Hand­fes­se­lung ver­ur­sacht wur­den, im Ver­fah­ren nicht vor­ge­tra­gen hat­te 3.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 23. Sep­tem­ber 2019 – 2 BvR 171/​19

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 27.12 2005 – 1 BvR 1359/​05, Rn. 16; Detter­beck, in Sachs: Grund­ge­setz, 8. Aufl.2018, Art. 34, Rn. 54[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 27.12 2005 – 1 BvR 1359/​05, Rn. 18[]
  3. LG Bie­le­feld, Urteil vom 23.11.2018 – 18 O 10/​18[]