Ver­lust der Staats­an­ge­hö­rig­keit auf Antrag der Mut­ter

Die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit kann auch dann nach der dama­li­gen Rege­lung des RuS­tAG ver­lo­ren gegan­gen sein, wenn die – allein sor­ge­be­rech­tig­te – Mut­ter auf ihren Antrag hin eine aus­län­di­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit erwirbt und sich die­se neue Staats­an­ge­hö­rig­keit – wie mit dem Antrag auch bezweckt – kraft Geset­zes auch auf das Kind erstreckt.

Ver­lust der Staats­an­ge­hö­rig­keit auf Antrag der Mut­ter

Eine gesetz­li­che Rege­lung, die den Ver­lust der Staats­an­ge­hö­rig­keit an den frei­wil­li­gen, antrags­ge­mä­ßen Erwerb einer aus­län­di­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit knüpft, begeg­net kei­nen grund­sätz­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken gemäß Art. 16 Abs. 1 Satz 1 GG.

Zwar tritt der Ver­lust der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit in einem der­ar­ti­gen Fall ohne hier­auf gerich­te­ten Antrag als auto­ma­ti­sche Rechts­fol­ge ein. Der Ver­lust der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit ist jedoch nicht die Fol­ge eines allein auf dem Wil­len des Staa­tes zur Weg­nah­me der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit beru­hen­den Aktes, son­dern er tritt auf­grund von Hand­lun­gen des Betrof­fe­nen ein, die auf einem selbst­ver­ant­wort­li­chen und frei­en Wil­lens­ent­schluss gegrün­det sind 1.

Auch die­se Aus­le­gung der §§ 19, 25 RuS­tAG in der hier maß­geb­li­chen Fas­sung gewähr­leis­tet, dass kein Ver­lust der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit ohne frei­en, selbst­ver­ant­wort­li­chen Wil­lens­ent­schluss erfolgt. Auch wenn das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Fra­ge, ob die Anwend­bar­keit der § 25 Abs. 1, § 19 Abs. 2 RuS­tAG eine Ursäch­lich­keit des Antrags auf Ein­bür­ge­rung vor­aus­setzt, offen gelas­sen hat 2, kommt bei einer dem aus­drück­li­chen, in einem Antrag doku­men­tier­ten Wil­len ent­spre­chen­den Ein­bür­ge­rung und dem damit ver­bun­de­nen Ver­lust der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit ein Ver­stoß gegen Art. 16 Abs. 1 Satz 1 GG nicht in Betracht. Die Auf­fas­sung, dass bei einer durch Gesetz bewirk­ten Erstre­ckungs­ein­bür­ge­rung eine Anwen­dung der § 25 Abs. 1, § 19 Abs. 2 RuS­tAG nicht gene­rell aus­schei­det, ist zumin­dest für den vor­lie­gen­den Fall eines aus­drück­lich gestell­ten Ein­bür­ge­rungs­an­trags ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 16. Juli 2012 – 2 BvQ 31/​12

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 22.06.1990 – 2 BvR 116/​90, NJW 1990, 2193; BVerfG, Beschluss vom 08.12.2006 – 2 BvR 1339/​06, NVwZ 2007, 441, 442[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 09.05.1986 – 1 C 40.84, NJW 1987, S. 1157; sie­he auch BayVGH, Urteil vom 14.11.2007 – 5 B 05.3039[]