Ver­mie­ter ist mit­ur­säch­lich für Ver­wahr­lo­sung – Weg­nah­me bleibt rech­tens

Auch wenn die Ver­nach­läs­si­gung von Tie­ren, die in einer Miet­woh­nung gehal­ten wer­den, wesent­lich vom Ver­mie­ter durch zeit­wei­ses Abstel­len des Was­sers und Aus­tausch des Tür­schlos­ses mit­ver­ur­sacht wor­den ist, ist die zustän­di­ge Vete­ri­när­be­hör­de berech­tigt, die Tie­re der Hal­te­rin weg­zu­neh­men und anders­wo unter­zu­brin­gen.

Ver­mie­ter ist mit­ur­säch­lich für Ver­wahr­lo­sung – Weg­nah­me bleibt rech­tens

In dem hier vom Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz ent­schie­de­nen Fall hat die Kreis­ver­wal­tung Alten­kir­chen auf­grund einer Anzei­ge im April 2010 die Woh­nung der Klä­ge­rin besich­tigt und dort ins­ge­samt 12 Kat­zen und 5 Hun­de vor­ge­fun­den. Ein Groß­teil der Kat­zen befand sich in einem schlech­ten Ernäh­rungs- und Pfle­ge­zu­stand und litt über­dies an Augen­ent­zün­dun­gen und Kat­zen­schnup­fen. Die Hun­de waren teil­wei­se von Para­si­ten befal­len und hoch­gra­dig ver­hal­tens­ge­stört. Über­dies waren die gesam­ten Räum­lich­kei­ten mit Tier­ex­kre­men­ten ver­schmutzt. Die Vete­ri­när­be­hör­de ord­ne­te dar­auf­hin die Weg­nah­me der Tie­re an und brach­te die­se auf Kos­ten der Klä­ge­rin ander­wei­tig unter. Dar­über hin­aus unter­sag­te sie der Klä­ge­rin bis auf wei­te­res das Hal­ten und Betreu­en von Tie­ren. Hier­ge­gen erhob die Klä­ge­rin nach erfolg­lo­sem Wider­spruch Kla­ge beim Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, mit der sie sich im Wesent­li­chen dar­auf berief, für die vor­ge­fun­de­nen, auch ihrer Ansicht nach ein behörd­li­ches Ein­schrei­ten recht­fer­ti­gen­den Zustän­de man­gels Ein­wir­kungs­mög­lich­keit nicht ver­ant­wort­lich gewe­sen zu sein. Durch den zeit­wei­sen Aus­bau des Tür­schließ­zy­lin­ders im Zuge von Miet­strei­tig­kei­ten sei ihr Ver­mie­ter fak­tisch zum Betreu­er und auch Hal­ter der in der Woh­nung ein­ge­schlos­se­nen Tie­re gewor­den und des­halb von der Behör­de vor­ran­gig her­an­zu­zie­hen gewe­sen.

Die Weg­nah­me und ander­wei­ti­ge Unter­brin­gung der Tie­re sei, so das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, zu Recht der Klä­ge­rin gegen­über ange­ord­net wor­den. Die Klä­ge­rin sei allei­ni­ge Hal­te­rin der Kat­zen und Hun­de und damit die rich­ti­ge Adres­sa­tin für die tier­schutz­recht­li­chen Maß­nah­men gewe­sen. Für die Tier­hal­t­er­ei­gen­schaft sei das tat­säch­li­che, umfas­sen­de Obsor­ge­ver­hält­nis gegen­über einem Tier ent­schei­dend; abzu­stel­len sei inso­weit dar­auf, wem das Bestim­mungs­recht über das Tier zuste­he, wer aus eige­nem Inter­es­se für die durch das Tier ver­ur­sach­ten Kos­ten auf­kom­me und wer das wirt­schaft­li­che Ver­lust­ri­si­ko tra­ge. Dies sei hier allein die Klä­ge­rin gewe­sen. Eine Unter­bre­chung der ihr inso­weit zukom­men­den Rechts­stel­lung sei auch nicht vor dem Hin­ter­grund des ihr zeit­wei­lig ver­wehr­ten Zutritts zu der Woh­nung anzu­neh­men. Nach den Fest­stel­lun­gen der Ver­wal­tung habe die­ser Zustand näm­lich zum einen nur rund einen Tag lang ange­dau­ert und sei im Übri­gen vom Ver­mie­ter auch allein mit dem Ziel her­bei­ge­führt wor­den, die Klä­ge­rin zur Räu­mung der Woh­nung zu ver­an­las­sen.

Auf­ge­ho­ben hat das Gericht dem­ge­gen­über das gegen die Klä­ge­rin ergan­ge­ne Tier­hal­tungs- und Betreu­ungs­ver­bot, da es inso­weit an aus­rei­chen­den Sach­ver­halts­fest­stel­lun­gen durch die Behör­de feh­le. Ein der­ar­ti­ges Ver­bot set­ze nach dem Gesetz die Fest­stel­lung kon­kre­ter, die Annah­me recht­fer­ti­gen­de Tat­sa­chen vor­aus, dass die Hal­te­rin auch in Zukunft wei­ter­hin durch tier­schutz­wid­ri­ge Hand­lun­gen den von ihr gehal­te­nen Tie­ren erheb­li­che Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den zufü­ge. Dies erschei­ne vor­lie­gend allein auf­grund der bis­he­ri­gen behörd­li­chen Ermitt­lun­gen nicht aus­rei­chend belegt, zumal die zwi­schen­zeit­lich in einem ande­ren Land­kreis leben­de Klä­ge­rin an ihrem neu­en Wohn­sitz mehr­fach durch das dor­ti­ge Vete­ri­när­amt über­prüft wor­den sei, ohne dass es dabei – mit Aus­nah­me des Vor­wurfs gewerb­li­chen Hun­de­han­dels – tier­schutz­recht­li­che Bean­stan­dun­gen gege­ben habe.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 8. Sep­tem­ber 2011 – 2 K 204/​11.KO