Ver­mö­gens­recht­li­che Resti­tu­ti­on eines grund­ei­ge­nen Kies­ab­bau­rechts

Nut­zungs­rech­te eines Grund­stücks­ei­gen­tü­mers an grund­ei­ge­nen Boden­schät­zen kön­nen nicht Gegen­stand von der Grund­stücks­re­sti­tu­ti­on getrenn­ter ver­mö­gens­recht­li­cher Rück­über­tra­gungs­an­sprü­che sein.

Ver­mö­gens­recht­li­che Resti­tu­ti­on eines grund­ei­ge­nen Kies­ab­bau­rechts

Das hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig im Fall eines ehe­ma­li­gen meck­len­bur­gi­schen land­wirt­schaft­li­chen Gutes ent­schie­den. Des­sen Eigen­tü­mer, ein jüdi­scher Land­wirt, hat­te sein Gut, auf dem sich auch eine Kies­gru­be befand, 1934 zur Vor­be­rei­tung sei­ner NS-ver­fol­gungs­be­ding­ten Aus­wan­de­rung nach Paläs­ti­na zwangs­ver­kauft. Die Kies­aus­beu­tung auf die­sem Land­wirt­schafts­gut erfolg­te seit Ende des 19. Jahr­hun­derts durch Drit­te auf ver­trag­li­cher Grund­la­ge. Nach 1945 wur­de das Gut still­ge­legt; das Kies­vor­kom­men wur­de in der DDR als Eigen­tum des Vol­kes über Plan­kenn­zif­fern bewirt­schaf­tet. Im Zuge der Wie­der­ver­ei­ni­gung wur­de zuguns­ten der Treu­hand­an­stalt ein eigen­stän­di­ges, vom Grund­ei­gen­tum abge­trenn­tes Berg­werks­ei­gen­tum an den Boden­schät­zen begrün­det und im Jah­re 1994 von der Treu­hand­an­stalt an ein Berg­bau­un­ter­neh­men ver­äu­ßert.

Das Bun­des­amt zur Rege­lung offe­ner Ver­mö­gens­fra­gen stell­te 2004 auf Antrag der Nach­kom­men des Alt­ei­gen­tü­mers des Gutes fest, dass es sich bei dem Kauf­ver­trag von 1934 um einen ver­fol­gungs­be­ding­ten Zwangs­ver­kauf gehan­delt habe. Die Rück­über­tra­gung des land­wirt­schaft­li­chen Unter­neh­mens sei jedoch wegen Ein­stel­lung des Geschäfts­be­trie­bes unmög­lich. Der Ver­lust sei zu ent­schä­di­gen.

Den Antrag der Klä­ge­rin, die inzwi­schen durch Abtre­tung Rechts­nach­fol­ge­rin der Nach­kom­men gewor­den war, auf Rück­über­tra­gung der wei­ter­ver­äu­ßer­ten Kies­ab­bau­rech­te, jeden­falls auf Erlös­aus­kehr, lehn­te das Bun­des­amt im Novem­ber 2011 ab.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Greifs­wald wies die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge ab 1: Durch den Eini­gungs­ver­trag sei das ehe­mals mit dem Grund­ei­gen­tum ver­bun­de­ne Kies­ab­bau­recht unter­ge­gan­gen und es sei ein hier­von getrenn­tes Berg­werks­ei­gen­tum erst­ma­lig ent­stan­den. Die Umwand­lung der berg­recht­li­chen Ver­hält­nis­se schlie­ße sowohl eine ver­mö­gens­recht­li­che Rück­über­tra­gung des Abbau­rechts als auch einen Anspruch auf Erlös­aus­kehr aus der Wei­ter­ver­äu­ße­rung aus.

Und auch die Revi­si­on vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat­te kei­nen Erfolg, das Ver­wal­tungs­ge­richt hat einen Anspruch der Klä­ge­rin auf Her­aus­ga­be des Ver­kaufs­er­lö­ses nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts im Ergeb­nis zu Recht ver­neint:

Aus­schlag­ge­bend hier­für ist aller­dings nicht, dass im Zuge der Wie­der­ver­ei­ni­gung das Recht zur Gewin­nung von Kies im Bei­tritts­ge­biet vom Grund­ei­gen­tum abge­spal­ten und Drit­ten zur Nut­zung zuge­wie­sen wur­de. Viel­mehr setzt der Anspruch vor­aus, dass es sich bei dem Recht zum Abbau von Kies im Zeit­punkt der Ver­mö­gens­schä­di­gung im Jah­re 1934 um einen zum Unter­neh­men gehö­ren­den eigen­stän­di­gen Ver­mö­gens­ge­gen­stand han­del­te. Das war nicht der Fall. Das Kies­ab­bau­recht war nach dama­li­gem meck­len­bur­gi­schen Lan­des­recht untrenn­bar mit dem Eigen­tum am Grund­stück ver­bun­den und weder berg­recht­lich noch zivil­recht­lich als geson­der­tes Recht aner­kannt. Die Fra­ge einer Berück­sich­ti­gung des grund­ei­ge­nen Abbau­rechts als wert­bil­den­der Fak­tor bei der Bemes­sung der Ent­schä­di­gung für die betrof­fe­nen Grund­stü­cke war nicht Gegen­stand des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 23. Sep­tem­ber 2015 – 8 C 9.2014

  1. VG Greifs­wald, Urteil vom 08.05.2013 – 6 A 1287/​11[]