Ver­mö­gens­recht­li­che Resti­tu­ti­on vs. Kul­tur­gut­schutz

Eine Ver­mö­gens­recht­li­che Resti­tu­ti­on schließt den Kul­tur­gut­schutz nicht aus. Das Gesetz zum Schutz deut­schen Kul­tur­gu­tes gegen Abwan­de­rung – Kul­tur­gut­schutz­ge­setz – fin­det, wie jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schied, auch auf sol­che Ver­mö­gens­wer­te Anwen­dung, die ihren jüdi­schen Eigen­tü­mern durch natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Unrechts­maß­nah­men ent­zo­gen und nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung gemäß § 1 Abs. 6 VermG resti­tu­iert wor­den sind.

Ver­mö­gens­recht­li­che Resti­tu­ti­on vs. Kul­tur­gut­schutz

Die Klä­ger sind Mit­ei­gen­tü­mer der Musik­bi­blio­thek Peters. Sie wen­den sich gegen die Ein­lei­tung eines Ver­fah­rens zur Ein­tra­gung der Musik­bi­blio­thek in das Ver­zeich­nis natio­nal wert­vol­len Kul­tur­gu­tes nach dem Kul­tur­gut­schutz­ge­setz. Die Musik­bi­blio­thek gehör­te zum Ver­mö­gen der C. F. Peters OHG in Leip­zig, deren Gesell­schaf­ter Juden waren. Das Ver­mö­gen der OHG wur­de 1938/​1939 ent­eig­net, der geschäfts­füh­ren­de Gesell­schaf­ter wur­de 1942 in Ausch­witz ermor­det. Die nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung gemäß § 1 Abs. 6 VermG rück­über­tra­ge­ne Musik­bi­blio­thek befin­det sich in der Stadt­bi­blio­thek Leip­zig sowie – ein klei­ner Teil­be­stand – im Bach-Archiv Leip­zig. Nach­dem die Dau­er­leih- und Ver­wah­rungs­ver­trä­ge mit der Stadt Leip­zig und dem Bach-Archiv im Juni/​Juli 2004 (teil­wei­se) gekün­digt wor­den waren und die Klä­ger die Her­aus­ga­be ein­zel­ner Stü­cke der Musik­bi­blio­thek an das Auk­ti­ons­haus Christie's Ber­lin/​London begehr­ten, lei­te­te das Säch­si­sche Staats­mi­nis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Kunst ein Ver­fah­ren zur Ein­tra­gung der Musik­bi­blio­thek in das Ver­zeich­nis natio­nal wert­vol­len Kul­tur­gu­tes ein. Die Ein­lei­tung des Ver­fah­rens hat ein Aus­fuhr­ver­bot zur Fol­ge, das bis zur Unan­fecht­bar­keit der – noch aus­ste­hen­den – Ein­tra­gungs­ent­schei­dung andau­ert.

Die gegen die Ein­lei­tung des Ein­tra­gungs­ver­fah­rens erho­be­ne Kla­ge blieb sowohl vor dem erst­in­stanz­lich hier­mit befass­ten Ver­wal­tungs­ge­richt Dres­den 1 wie auch vor dem Säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Baut­zen 2 erfolg­los. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun die­se Ent­schei­dun­gen bestä­tigt und die Revi­si­on der Klä­ger zurück­ge­wie­sen: Die Anwen­dung des Kul­tur­gut­schutz­ge­set­zes auf nach § 1 Abs. 6 VermG resti­tu­ier­te Ver­mö­gens­wer­te begeg­net weder im Hin­blick auf völ­ker­recht­li­che Ver­ein­ba­run­gen, nament­lich die Grund­sät­ze der Washing­to­ner Kon­fe­renz vom 3. Dezem­ber 1998, noch auf Ver­fas­sungs- und Uni­ons­recht Beden­ken. Die Ein­lei­tung des Ver­fah­rens ist auch im Übri­gen recht­mä­ßig erfolgt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 24. Novem­ber 2011 – 7 C 12.10

  1. VG Dres­den, Urteil vom 05.11.2008 – VG 5 K 1837/​05[]
  2. Sächs. OVG, Urteil vom 19.08.2010 – OVG 1 A 112/​09[]