Ver­pflich­tungs­kla­ge – ohne vor­he­ri­gen Antrag an die Behör­de

Einer Ver­pflich­tungs­kla­ge fehlt das erfor­der­li­che Rechts­schutz­in­ter­es­se, wenn vor Kla­ge­er­he­bung kein Antrag auf Erlass des begehr­ten Ver­wal­tungs­akts an den Beklag­ten gerich­tet wor­den ist e 1.

Ver­pflich­tungs­kla­ge – ohne vor­he­ri­gen Antrag an die Behör­de

Die­ses Erfor­der­nis kann auch nicht nach Kla­ge­er­he­bung nach­ge­holt wer­den 2.

Erklä­run­gen im öffent­li­chen Recht sind ent­spre­chend den für die Aus­le­gung von Wil­lens­er­klä­run­gen gel­ten­den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen (§§ 133, 157 BGB) aus­zu­le­gen. Wesent­lich ist hier­nach der geäu­ßer­te Wil­le des Betei­lig­ten, wie er sich aus der Erklä­rung und den sons­ti­gen Umstän­den ergibt. Neben dem Wort­laut der Erklä­rung ist auch die Inter­es­sen­la­ge des Rechts­mit­tel­füh­rers zu berück­sich­ti­gen, soweit sie sich aus dem Par­tei­vor­trag und sons­ti­gen für die Behör­de als Emp­fän­ger der Erklä­rung erkenn­ba­ren Umstän­den ergibt. Ist der Rechts­mit­tel­füh­rer anwalt­lich ver­tre­ten, kommt der gewähl­ten For­mu­lie­rung gestei­ger­te Bedeu­tung zu. Selbst dann darf die Aus­le­gung jedoch vom Wort­laut abwei­chen, wenn sons­ti­ge Umstän­de ein­deu­tig erken­nen las­sen, dass das Gewoll­te von der gewähl­ten For­mu­lie­rung abweicht. Eine blo­ße – erkenn­bar – unrich­ti­ge Bezeich­nung des Gemein­ten scha­det dem­zu­fol­ge nicht 3.

Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg, Urteil vom 2. März 2016 – 1 K 1511/​14

  1. VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 09.07.1990 – NC 9 S 58/​90, NVwZ-RR 1990, 566; OVG NRW, Urteil vom 29.06.2009 – 12 A 1638/​07 – juris; v. Albe­dyll in Bader/­Fun­ke-Kai­ser/­Stuhl­faut, VwGO, 6. Aufl.2014, vor § 40 Rnr. 26[]
  2. Kopp/​Schenke, a.a.O.; v. Albe­dyll in Bader/­Fun­ke-Kai­ser/­Stuhl­faut, a.a.O.[]
  3. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 07.01.2013 – 2 S 2120/​12, NVwZ-RR 2013, 398[]