Ver­trag ist Ver­trag – auch zwi­schen Städ­ten und Gemein­den

Wird in einem Ein­ge­mein­dungs­ver­trag der dau­er­haf­te Erhalt einer Grund­schu­le garan­tiert, ver­letzt ein Beschluss, mit dem eine Ver­le­gung des Grund­schul­stand­or­tes vor­ge­se­hen ist, die betrof­fe­ne ehe­ma­li­ge Gemein­de in ihren Rech­ten aus dem Ein­ge­mein­dungs­ver­trag.

Ver­trag ist Ver­trag – auch zwi­schen Städ­ten und Gemein­den

So die Ent­schei­dung des Säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts in dem hier vor­lie­gen­den Fall der ein­ge­mein­de­ten Gemein­de Ullers­dorf deren Grund­schu­le in den Orts­teil Gro­ßerk­manns­dorf ver­legt wer­den soll, obwohl im Ein­ge­mein­dungs­ver­trag mit der Stadt Rade­berg eine Stand­ort­ga­ran­tie für die Schu­le ent­hal­ten ist. In dem Ver­fah­ren wand­te sich die ehe­ma­li­ge Gemein­de Ullers­dorf gegen den Beschluss des Stadt­ra­tes der Stadt Rade­berg vom 29. Juni 2011, den Grund­schul­stand­ort Ullers­dorf – mit den Ein­zugs­be­rei­chen Ullers­dorf und Gro­ßerk­manns­dorf – ab dem Schul­jahr 2013/​2014 in das Schul­ge­bäu­de nach Gro­ßerk­manns­dorf zu ver­le­gen. Zur Begrün­dung bezog sie sich auf den zwi­schen den ehe­ma­li­gen Gemein­den Ullers­dorf und Gro­ßerk­manns­dorf und der Stadt Rade­berg im Jah­re 1998 geschlos­se­nen Ein­ge­mein­dungs­ver­trag, der nach ihrer Auf­fas­sung in sei­nem § 18 den dau­er­haf­ten Erhalt einer Grund­schu­le in Ullers­dorf garan­tie­re. Bereits das Ver­wal­tungs­ge­richt Dres­den hat­te der ehe­ma­li­gen Gemein­de in sei­ner Ent­schei­dung Recht gege­ben 1.

Nach Auf­fas­sung des Säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts lägen kei­ne ver­än­der­ten Umstän­de vor, die eine Lösung von die­ser ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung durch die Gemein­de Rade­berg recht­fer­ti­gen könn­ten. So habe die Schlie­ßung der Mit­tel­schu­le in Gro­ßerk­manns­dorf recht­lich kei­ne Aus­wir­kun­gen auf den Erhalt der Grund­schu­le in Ullers­dorf. Es lägen auch kei­ne ver­än­der­ten Umstän­de dar­in, dass die Grund­schu­le in Ullers­dorf im Gegen­satz zu dem Schul­ge­bäu­de in Gro­ßerk­manns­dorf – das nun­mehr leer ste­he – über kei­ne Turn­hal­le und ledig­lich fünf Klas­sen­räu­me ver­fü­ge. Die­se Umstän­de hät­ten sich seit der Ein­ge­mein­dungs­ver­ein­ba­rung im Jah­re 1998 nicht geän­dert, sei­en also gera­de Ver­trags­grund­la­ge gewe­sen.

Auch mit der Behaup­tung unwirt­schaft­li­cher Auf­wen­dun­gen kön­ne sich die Stadt Rade­berg ihrer Ver­pflich­tung nicht ent­zie­hen. Es gebe eine Rei­he von Mög­lich­kei­ten zur Absi­che­rung des Grund­schul­be­trie­bes in Ullers­dorf, die im Ermes­sen der Stadt Rade­berg lägen, Ins­be­son­de­re sei nicht ersicht­lich, dass zwin­gend eine Turn­hal­le in Ullers­dorf für einen sie­ben­stel­li­gen Betrag errich­tet wer­den müs­se.

Letzt­lich sei auch nicht erkenn­bar, dass ein etwai­ger Schü­ler­schwund einer lang­fris­ti­gen Siche­rung des Grund­schul­stand­or­tes in Ullers­dorf ent­ge­gen ste­he. Es spre­che nach den vor­ge­leg­ten Zah­len viel dafür, dass eine aus­rei­chen­de Bele­gung der Grund­schu­le in Uller­dorf bis zum Schul­jahr 2019/​2020 gesi­chert sei. Zudem habe sich die Stadt Rade­berg in dem Ein­ge­mein­dungs­ver­trag ver­pflich­tet, zur Gewähr­leis­tung der Min­dest­schü­ler­zah­len in Ullers­dorf gege­be­nen­falls die Ein­zugs­be­rei­che ihrer ande­ren Grund­schu­len ent­spre­chend zu ändern.

Folg­lich ver­let­ze der eine Ver­le­gung des Grund­schul­stand­or­tes vor­se­hen­de Beschluss die ehe­ma­li­ge Gemein­de Ullers­dorf in ihren Rech­ten aus dem Ein­ge­mein­dungs­ver­trag aus dem Jah­re 1998. Die Stadt Rade­berg ist ver­pflich­tet, die in der ein­ge­mein­de­ten Gemein­de Ullers­dorf befind­li­che Grund­schu­le zu erhal­ten.

Säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 25. Juli 2013 – 4 A 218/​13

  1. VG Dres­den, vom 17.01.2013 – 5 K 1875/​11[]