Ver­wal­tungs­post kommt auch am Sonn­tag

Ein schrift­li­cher Ver­wal­tungs­akt, der im Inland durch die Post über­mit­telt wird, gilt nach § 37 Abs. 2 Satz 1 SGB X auch dann am drit­ten Tag nach der Auf­ga­be zur Post als bekannt gege­ben, wenn die­ser Tag ein Sams­tag, Sonn­tag oder Fei­er­tag ist.

Ver­wal­tungs­post kommt auch am Sonn­tag

Es kommt auch nicht dar­auf an, ob der nach der Fik­ti­on des § 37 Abs. 2 Satz 1 SGB X maß­ge­ben­de drit­te Tag nach der Auf­ga­be des Ver­wal­tungs­ak­tes zur Post ein Sams­tag, Sonn­tag oder gesetz­li­cher Fei­er­tag ist. Denn die Fik­ti­on des § 37 Abs. 2 Satz 1 SGB X greift auch in die­sen Fäl­len ein 1.

Die Rege­lung des § 26 Abs. 3 Satz 1 SGB X, wonach die Frist mit dem Ablauf des nächst­fol­gen­den Werk­ta­ges endet, wenn das Ende der Frist auf einen Sonn­abend, einen Sonn­tag oder einen gesetz­li­chen Fei­er­tag fällt, kann hier näm­lich nicht ange­wandt wer­den, weil die­se Vor­schrift allein den Ablauf einer Frist regelt, wäh­rend § 37 Abs. 2 Satz 1 SGB X weder den Ablauf einer Frist nor­miert noch über­haupt eine Frist im Sin­ne des § 26 SGB X bestimmt, son­dern den Tag der Bekannt­ga­be eines Ver­wal­tungs­ak­tes, der im Inland durch Post über­mit­telt wird, fin­giert. Die Vor­schrift des § 37 Abs. 2 Satz 1 SGB X bestimmt dem­zu­fol­ge im Gegen­satz zu einer Fris­ten­re­ge­lung auch kei­ne Zeit­span­ne, inner­halb derer der Emp­fän­ger des Ver­wal­tungs­ak­tes eine bestimm­te Hand­lung vor­neh­men muss, son­dern den Zeit­punkt, in dem der Ver­wal­tungs­akt als bekannt gege­ben gilt. § 37 Abs. 2 Satz 1 SGB X ent­spricht damit dem Bedürf­nis nach Rechts­si­cher­heit, Ver­wal­tungs­ver­ein­fa­chung und Spar­sam­keit, weil dadurch in der Regel Ermitt­lun­gen zum genau­en Tag der Bekannt­ga­be ent­fal­len 2.

Ob der unter­schied­li­che Rege­lungs­ge­halt der o. g. Vor­schrif­ten auch einer ana­lo­gen Anwen­dung des § 26 Abs. 3 Satz 1 SGB X im Rah­men des § 37 Abs. 2 Satz 1 SGB X ent­ge­gen­steht, kann hier dahin­ste­hen. Eine ana­lo­ge Anwen­dung der Rege­lung des § 26 Abs. 3 Satz 1 SGB X schei­det näm­lich bereits des­halb von vorn­her­ein aus, weil für eine vom Gesetz­ge­ber nicht beab­sich­tig­te Rege­lungs­lü­cke kei­ner­lei Anhalts­punk­te ersicht­lich sind 3.

Es besteht im Übri­gen auch weder aus Rechts­schutz­grün­den noch im Hin­blick dar­auf, dass die Brief­zu­stel­lung an Sams­ta­gen nicht mehr flä­chen­de­ckend erfol­gen soll, Anlass für eine ana­lo­ge Anwen­dung des § 26 Abs. 3 Satz 1 SGB X. Denn abge­se­hen davon, dass die Fik­ti­on des § 37 Abs. 2 Satz 1 SGB X in den Fäl­len, in denen der Bescheid tat­säch­lich vor Ablauf des drit­ten Tages nach Auf­ga­be zur Post zuge­gan­gen ist, fak­tisch zu einer Ver­län­ge­rung der Rechts­mit­tel­frist führt, kann der Emp­fän­ger des Ver­wal­tungs­ak­tes die­se Fik­ti­on durch die sub­stan­ti­ier­te Dar­le­gung von Tat­sa­chen, aus denen sich die nicht ent­fern­te Mög­lich­keit eines spä­te­ren Zugangs des betref­fen­den Beschei­des ergibt, wider­le­gen mit der Fol­ge, dass dann nach § 37 Abs. 2 Satz 3 Halb­satz 1 SGB X die­ser spä­te­re Zeit­punkt für die Bekannt­ga­be des Ver­wal­tungs­ak­tes maß­geb­lich ist 3.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 28. Febru­ar 2011 -4 LA 44/​10

  1. BSG, Urteil vom 06.05.2010 – B 14 AS 12/​09 R; vgl. fer­ner BSG, Urteil vom 09.12.2008 – B 8/​9b SO 13/​07 R, FEVS 60, 550, zu § 4 Abs. 1 VwZG; Nds. OVG, Beschluss vom 26.10.2006 – 7 PA 184/​06, NVwZ-RR 2007, 78, zu § 41 Abs. 2 VwVfG; OVG NRW, Beschluss vom 07.03.2001 – 19 A 4216/​99, NVwZ 2001, 1171, zu § 41 Abs. 2 VwVfG NW; VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 19.11.1991 – 3 S 2492/​91, NVwZ 1992, 799, zu § 4 Abs. 1 VwZG; Baye­ri­scher VGH, Beschluss vom 23.07.1990 – Gr S 1/​90 – 19 B 88.185, NJW 1991, 1250, zu Art. 4 Abs. 1 VwVZG BY; Kopp/​Ramsauer, VwVfG, 11. Aufl., § 41 Rn. 42; a. A. zu der Bekannt­ga­be nach § 122 AO unter Berück­sich­ti­gung der Beson­der­hei­ten im Steu­er­recht: BFH, Urteil vom 14.10.2003 – IX R 68/​98, BFHE 203, 26[]
  2. BSG, Urteil vom 06.05.2010 – B 14 AS 12/​09 R[]
  3. vgl. BSG, Urteil vom 06.05.2010 – B 14 AS 12/​09 R[][]