Ver­wer­tungs­ver­bot bei Ein­stel­lung des straf­recht­li­chen Ermitt­lungs­ver­fah­rens

Im Ein­bür­ge­rungs­ver­fah­ren besteht nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts bei Ein­stel­lung eines straf­recht­li­chen Ermitt­lungs­ver­fah­rens kein Ver­wer­tungs­ver­bot. Bei der Ent­schei­dung über die Ein­bür­ge­rung darf das Ver­hal­ten eines Aus­län­ders berück­sich­tigt wer­den, das Gegen­stand eines ein­ge­stell­ten straf­recht­li­chen Ermitt­lungs­ver­fah­rens war.

Ver­wer­tungs­ver­bot bei Ein­stel­lung des straf­recht­li­chen Ermitt­lungs­ver­fah­rens

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Rechts­streit ist der seit über zwan­zig Jah­ren in Deutsch­land leben­de Klä­ger tür­ki­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger kur­di­scher Volks­zu­ge­hö­rig­keit. Die Gene­ral­bun­des­an­walt­schaft hat­te gegen ihn seit März 1989 ein Ermitt­lungs­ver­fah­ren wegen des Ver­dachts der Mit­glied­schaft in der als ter­ro­ris­ti­sche Ver­ei­ni­gung ein­ge­stuf­ten Arbei­ter­par­tei Kur­di­stans (PKK) geführt. Dem Klä­ger war vor­ge­wor­fen wor­den, er habe Päs­se gefälscht, mit denen die PKK ille­gal täti­ge Mit­glie­der aus­stat­te, denen die Auf­ga­be zufal­le, „Fein­de“ der Par­tei zu töten. Im August 1994 stell­te die Gene­ral­bun­des­an­walt­schaft das Ver­fah­ren u.a. mit der Begrün­dung, der hin­rei­chen­de Tat­ver­dacht der Mit­glied­schaft in einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung kön­ne nicht auf­recht­erhal­ten wer­den, und im übri­gen wegen gerin­ger Schuld ein.

Die beklag­te Stadt Köln lehn­te den im Juli 1997 gestell­ten Ein­bür­ge­rungs­an­trag gleich­wohl mit der Begrün­dung ab, der Klä­ger sei ein akti­ves hoch­ran­gi­ges Mit­glied der PKK.

Wider­spruch, Kla­ge 1 und Beru­fung 2 blie­ben ohne Erfolg. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter hat in sei­nem Beru­fungs­ur­teil aus­ge­führt, die Ein­bür­ge­rung sei nach § 11 Satz 1 Nr. 1 Alt. 1 und 3 StAG kraft Geset­zes aus­ge­schlos­sen, weil der Klä­ger durch sein Ver­hal­ten extre­mis­ti­sche Bestre­bun­gen unter­stützt habe. Er habe auch nicht glaub­haft gemacht, sich von der frü­he­ren Unter­stüt­zung der PKK abge­wandt zu haben. Das Ver­wer­tungs­ver­bot des Bun­des­zen­tral­re­gis­ter­ge­set­zes § 51 Abs. 1 BZRG ste­he einer Berück­sich­ti­gung des frü­he­ren Ver­hal­ten­sim Rah­men des § 11 Satz 1 Nr. 1 StAG im Ein­bür­ge­rungs­ver­fah­ren nicht ent­ge­gen. Dies fol­ge schon dar­aus, dass für das Ver­wer­tungs­ver­bot im Anwen­dungs­be­reich des § 11 Satz 1 Nr. 1 StAG kein Raum sei.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on des Klä­gers zurück­ge­wie­sen. Das weit gefass­te regis­ter­recht­li­che Ver­wer­tungs­ver­bot des § 51 Abs. 1 BZRG ist grund­sätz­lich auch bei der Ent­schei­dung über einen Ein­bür­ge­rungs­an­trag zu beach­ten. Eine Aus­nah­me von die­sem Ver­bot ist nur in den im Bun­des­zen­tral­re­gis­ter­ge­setz aus­drück­lich gere­gel­ten Fäl­len (hier ins­be­son­de­re des § 52 Abs. 1 Nr. 1 BZRG) zuläs­sig. Aller­dings erstreckt sich das Ver­wer­tungs­ver­bot von vorn­her­ein nur auf sol­che Taten, wegen deren der Aus­län­der – anders als hier – straf­recht­lich ver­ur­teilt wur­de. Die Ein­stel­lung eines Ermitt­lungs­ver­fah­rens hin­dert die Ver­wer­tung der zugrun­de lie­gen­den Tat nicht.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 20. März 2012 – 5 C 1.11

  1. VG Köln, Urteil vom 23.02.2005 – 10 K 9650/​03[]
  2. OVG NRW, Urteil vm 14.12.2010 – 19 A 1491/​05[]