Vor­ga­ben zur Ent­gelt­be­rech­nung in der tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­chen Regu­lie­rungs­ver­fü­gung

Vor­ga­ben zur Ent­gelt­be­rech­nung sind kein zuläs­si­ger Rege­lungs­ge­gen­stand einer tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­chen Regu­lie­rungs­ver­fü­gung.

Vor­ga­ben zur Ent­gelt­be­rech­nung in der tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­chen Regu­lie­rungs­ver­fü­gung

Die Bun­des­netz­agen­tur ist nicht befugt, in einer tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht­li­chen Regu­lie­rungs­ver­fü­gung, mit der sie die Ent­gel­te für Zugangs­leis­tun­gen eines markt­be­herr­schen­den Unter­neh­mens der Geneh­mi­gungs­pflicht unter­wirft, zugleich Metho­den und Maß­stä­be der Ent­gelt­be­rech­nung mit bin­den­der Wir­kung für nach­fol­gen­de Ent­gelt­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren fest­zu­le­gen.

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Fall ver­fügt das kla­gen­de Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men auf den Märk­ten für den Ver­bin­dungs­auf­bau im öffent­li­chen Tele­fon­netz und die Anruf­zu­stel­lung in ein­zel­nen öffent­li­chen Tele­fon­net­zen an fes­ten Stand­or­ten über beträcht­li­che Markt­macht. Mit einer Regu­lie­rungs­ver­fü­gung erleg­te die Bun­des­netz­agen­tur die­sem Zugangs­pflich­ten auf. Die Ent­gel­te für die Zugangs­ge­wäh­rung wur­den der Geneh­mi­gung nach Maß­ga­be des § 31 TKG unter­wor­fen. Fer­ner ent­hielt die Regu­lie­rungs­ver­fü­gung die Rege­lung, dass die Ent­gel­te auf der Grund­la­ge der auf die ein­zel­nen Diens­te ent­fal­len­den Kos­ten der effi­zi­en­ten Leis­tungs­be­reit­stel­lung nach § 32 TKG geneh­migt wer­den, abwei­chend davon jedoch bei der Geneh­mi­gung von Ent­gel­ten für Ter­mi­nie­rungs­leis­tun­gen teil­wei­se nach der in der Emp­feh­lung 2009/​396/​EG der Kom­mis­si­on emp­foh­le­nen Wei­se vor­zu­ge­hen ist.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Köln hat die­se Rege­lung auf­ge­ho­ben und die gegen die Regu­lie­rungs­ver­fü­gung gerich­te­te Kla­ge im Übri­gen abge­wie­sen 1. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on zurück­ge­wie­sen:

Anders als die Auf­er­le­gung der Ent­gelt­ge­neh­mi­gungs­pflicht (§ 30 Abs. 1 Satz 1 TKG) kön­nen ver­bind­li­che Rege­lun­gen, die Metho­den und Maß­stä­be der Ent­gelt­be­rech­nung zum Gegen­stand haben, nicht auf § 13 Abs. 1 Satz 1 TKG als der für Regu­lie­rungs­ver­fü­gun­gen ein­schlä­gi­gen Rechts­grund­la­ge gestützt wer­den. Sie betref­fen nicht die Auf­er­le­gung von Ver­pflich­tun­gen gegen­über dem regu­lier­ten Unter­neh­men, son­dern Vor­ge­hens­wei­sen und Ent­schei­dun­gen der Bun­des­netz­agen­tur, die als Bestand­tei­le der nach­fol­gen­den Ent­gelt­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren ihre recht­li­che Grund­la­ge in den §§ 31 ff. TKG haben. Die die Ent­geltre­gu­lie­rung nach dem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­setz prä­gen­de Ver­fah­rens­stu­fung zwi­schen der Auf­er­le­gung der Ent­gelt­ge­neh­mi­gungs­pflicht und dem anschlie­ßen­dem Ent­gelt­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren ist mit den uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben ver­ein­bar.

Die die Ent­gelt­be­rech­nung betref­fen­den Rege­lun­gen in der ange­foch­te­nen Regu­lie­rungs­ver­fü­gung sind über­dies auch des­halb rechts­wid­rig, weil die Bun­des­netz­agen­tur sie nicht zum Gegen­stand einer iso­lier­ten Teil­ent­schei­dung machen durf­te. Bei bestimm­ten metho­di­schen Vor­fra­gen im Rah­men der Ermitt­lung der geneh­mi­gungs­fä­hi­gen Ent­gel­te ein­schließ­lich der – wie hier – nach § 31 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 TKG zu tref­fen­den Ent­schei­dung, ob ande­re Vor­ge­hens­wei­sen bes­ser als das in § 31 Abs. 1 TKG genann­te Ein­zel­ge­neh­mi­gungs- oder Pri­ce-Cap-Ver­fah­ren am Maß­stab der Kos­ten der effi­zi­en­ten Leis­tungs­be­reit­stel­lung zur Errei­chung der Regu­lie­rungs­zie­le geeig­net sind, ver­fügt die Bun­des­netz­agen­tur im Rah­men der gesetz­li­chen Vor­ga­ben über punk­tu­el­le Beur­tei­lungs­spiel­räu­me. Die damit regel­mä­ßig erfor­der­li­che Abwä­gung setzt im Hin­blick auf die wider­strei­ten­den Regu­lie­rungs­zie­le (§ 2 TKG) grund­sätz­lich vor­aus, dass zumin­dest annä­he­rungs­wei­se auch die Ent­gelt­hö­he ermit­telt wird, die sich bei Anwen­dung der in Betracht kom­men­den Alter­na­ti­ven vor­aus­sicht­lich ergibt. Dies ist jedoch nur im Rah­men eines kon­kre­ten Ent­gelt­ge­neh­mi­gungs­ver­fah­rens mög­lich.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 30. Mai 2018 – 6 C 4.17

  1. VG Köln, Urteil vom 21.12.2016 – 21 K 5914/​13[]