VWL-Mas­ter­stu­di­en­plät­ze in Müns­ter

Mit hoher Wahr­schein­lich­keit ver­stößt auch das Ver­fah­ren der

VWL-Mas­ter­stu­di­en­plät­ze in Müns­ter

Wie schon bei den Mas­ter-Stu­di­en­gän­gen zur Betriebs­wirt­schafts­leh­re 1 ver­stößt die West­fä­li­sche Wil­helms-Uni­ver­si­tät Müns­ter (WWU) wohl auch bei der Ver­ga­be von Stu­di­en­plät­zen im Mas­ter-Stu­di­en­gang Volks­wirt­schafts­leh­re gegen gel­ten­des Recht. Dies befand jetzt jeden­falls das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter und ver­pflich­te­te die Uni Müns­ter, den abge­lehn­ten Bewer­ber vor­läu­fig zum Mas­ter­stu­di­en­gang Volks­wirt­schafts­leh­re zuzu­las­sen.

Das Ver­ga­be­ver­fah­ren für den Mas­ter­stu­di­en­gang Volks­wirt­schafts­leh­re ist nach den Sat­zungs­be­stim­mun­gen der WWU zwei­stu­fig gere­gelt. In der ers­ten Stu­fe wird als Vor­aus­set­zung für den all­ge­mei­nen Zugang zum Mas­ter­stu­di­en­gang ein ers­ter berufs­qua­li­fi­zie­ren­der Abschluss, regel­mä­ßig der Bache­lor, mit einer Note von 2,5 sowie die Absol­vie­rung einer genü­gen­den Anzahl fach­lich ein­schlä­gi­ger Lehr­ver­an­stal­tun­gen aus dem Gebiet der Volks­wirt­schafts­leh­re ver­langt. Das Gericht hat die­se Anfor­de­run­gen als grund­sätz­lich zuläs­sig bejaht. Die WWU hat­te die letzt­ge­nann­te Vor­aus­set­zung bei dem deut­schen Stu­den­ten, der sei­nen Bache­lor an einem Col­le­ge in den USA im Fach Busi­ness Admi­nis­tra­ti­on, also Betriebs­wirt­schaft, erwor­ben und die­se Unter­la­gen vor­ge­legt hat­te, als nicht gege­ben ange­se­hen. Nach Auf­fas­sung des Gerichts durf­te der Stu­dent aller­dings auch noch im Lau­fe des gericht­li­chen Eil­ver­fah­rens die in den USA besuch­ten Lehr­ver­an­stal­tun­gen erläu­tern, so dass nach ent­spre­chen­der Klar­stel­lung die Anfor­de­rung erfüllt war.

Auf der zwei­ten Stu­fe des Ver­ga­be­ver­fah­rens, im eigent­li­chen Aus­wahl­ver­fah­ren, wur­de die Rang­fol­ge der Bewer­ber nach einem bis zu 100 Punk­te rei­chen­den Punk­te­sys­tem fest­ge­stellt. Jeweils bis zu 10 Punk­te wur­den für die Noten des Abiturs und für ein mit der Bewer­bung vor­zu­le­gen­des Moti­va­ti­ons­schrei­ben, fer­ner bis zu 40 Punk­te für im vor­an­ge­gan­ge­nen Stu­di­um in volks­wirt­schaft­li­chen Gebie­ten beno­te­te Leis­tun­gen ver­ge­ben. Die Qua­li­tät des erwor­be­nen ers­ten aka­de­mi­schen Abschlus­ses ging mit bis zu 40 Punk­ten in die Bewer­tung ein.

Die­ses Bewer­tungs­ver­fah­ren hat das Gericht als mit den maß­geb­li­chen lan­des­ge­setz­li­chen Bestim­mun­gen und dem Staats­ver­trag vom 5. Juni 2008 unver­ein­bar ange­se­hen. Das Punk­te­sys­tem stel­le bereits nach sei­ner Struk­tur­anla­ge nicht sicher, dass die aus dem ers­ten aka­de­mi­schen berufs­qua­li­fi­zie­ren­den Abschluss fol­gen­de Qua­li­fi­ka­ti­on, die Bache­lor­no­te, den nach dem Staats­ver­trag „maß­geb­li­chen“, im Ver­hält­nis zu den sons­ti­gen Kri­te­ri­en sich durch­set­zen­den „Ein­fluss“ erhal­te. Das gel­te auch bei der Berück­sich­ti­gung der Noten für Leis­tun­gen in volks­wirt­schaft­li­chen Gebie­ten. Dabei han­de­le es sich allein um im Stu­di­um erlang­te Noten, nicht um die Note des Bache­lor­ab­schlus­ses.

Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, Beschluss vom 25. Novem­ber 2010 – 9 L 551/​10

  1. VG Müns­ter, Beschluss vom 15.11.2010 – 9 L 529/​10[]