Wahl­pla­ka­te in DIN A0

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz hat den Eil­an­trag eines Kan­di­da­ten für die Wahl des Bür­ger­meis­ters der Ver­bands­ge­mein­de Boden­heim abge­lehnt, mit dem die­ser die Ver­bands­ge­mein­de zum Ein­schrei­ten gegen die Wahl­pla­ka­te eines Mit­be­wer­bers ver­pflich­tet sehen woll­te.

Wahl­pla­ka­te in DIN A0

Der bei­gela­de­ne Mit­be­wer­ber hat­te bei der Ver­bands­ge­mein­de eine stra­ßen­recht­li­che Son­der­nut­zungs­er­laub­nis zum Auf­stel­len von DIN A0-Wahl­pla­ka­ten gestellt und eine Erlaub­nis erhal­ten, aller­dings mit der Maß­ga­be, dass die Pla­ka­te nicht grö­ßer als DIN A1 sein dür­fen. Auch den übri­gen Wahl­be­wer­bern wur­den Erlaub­nis­se mit die­ser Grö­ßen­be­gren­zung erteilt, wobei der Antrag­stel­ler in sei­nem Antrag ange­ge­ben hat­te, Pla­ka­te im DIN A1- und DIN A2-For­mat auf­stel­len zu wol­len, wäh­rend die ande­ren Mit­be­wer­ber in ihren Anträ­gen kei­ne Grö­ßen­an­ga­ben gemacht hat­ten.

Der bei­gela­de­ne Mit­be­wer­ber leg­te gegen die Grö­ßen­be­gren­zung der Pla­ka­te Wider­spruch ein und stell­te Pla­ka­te in der Grö­ße DIN A0 auf. Ein ande­rer Wahl­be­wer­ber bean­trag­te dar­auf­hin eine Erwei­te­rung sei­ner Erlaub­nis um das DIN A0-For­mat. Die Ver­bands­ge­mein­de Boden­heim änder­te sodann die Erlaub­nis des bei­gela­de­ne Mit­be­wer­ber und auch die Erlaub­nis­se der übri­gen Wahl­be­wer­ber dahin­ge­hend ab, dass nun Pla­ka­te bis DIN A0-Grö­ße zuläs­sig sind.

Noch vor der Ände­rung der Erlaub­nis­se bean­trag­te der Antrag­stel­ler beim Ver­wal­tungs­ge­richt, die Ver­bands­ge­mein­de Boden­heim im Wege einer einst­wei­li­gen Anord­nung zu ver­pflich­ten, den bei­gela­de­ne Mit­be­wer­ber zur Ein­hal­tung der ursprüng­li­chen Grö­ßen­vor­ga­be DIN A1 anzu­hal­ten und zu gro­ße Pla­ka­te des Mit­be­wer­bers zu ent­fer­nen. Die nach­träg­li­che Geneh­mi­gung des DIN A0-For­mats sei der Ver­such, den Ver­stoß des Mit­be­wer­bers gegen die Grö­ßen­be­gren­zung im Nach­hin­ein für rech­tens zu erklä­ren sowie die von der Ver­bands­ge­mein­de unter­las­se­ne Über­wa­chung und Durch­set­zung der Vor­ga­ben zum Auf­stel­len der Pla­ka­te als recht­mä­ßi­ges Han­deln der Ver­wal­tung dar­zu­stel­len, mach­te er gel­tend. Die Erwei­te­rung der Geneh­mi­gung auf DIN A0-Pla­ka­te habe für ihn und die übri­gen Mit­be­wer­ber kei­nen Sinn, da ihre Pla­ka­te im klei­ne­ren For­mat bereits auf­ge­stellt sei­en bzw. deren Druck bereits beauf­tragt sei. Das Her­stel­len und Auf­stel­len von Pla­ka­ten im DIN A0-For­mat wäre für ihn und die übri­gen Kan­di­da­ten mit einem erheb­li­chen Zeit- und Kos­ten­auf­wand ver­bun­den. Die im Wahl­kampf gebo­te­ne Chan­cen­gleich­heit gebie­te des­halb den Erlass der einst­wei­li­gen Anord­nung.

Die Main­zer Ver­wal­tungs­rich­ter haben den Antrag abge­lehnt: Ein Ein­schrei­ten der Ver­bands­ge­mein­de wegen der DIN A0-Pla­ka­te des bei­gela­de­ne Mit­be­wer­ber käme nur in Fra­ge, wenn es sich bei die­ser Pla­ka­tie­rung um eine uner­laub­te stra­ßen­recht­li­che Son­der­nut­zung han­deln wür­de. Dies sei aber nicht der Fall, weil der Bei­gela­de­ne (eben­so wie der Antrag­stel­ler und die übri­gen Bewer­ber) inzwi­schen eine Erlaub­nis zum Auf­stel­len von DIN A0-Pla­ka­ten habe. Es spie­le recht­lich kei­ne Rol­le, ob das Pla­ka­tie­ren des Bei­gela­den im For­mat DIN A0 vor der Erwei­te­rung sei­ner Geneh­mi­gung rechts­wid­rig gewe­sen sei und ob bis zur Erwei­te­rung ein Anspruch des Antrag­stel­lers auf Ein­schrei­ten der Ver­bands­ge­mein­de bestan­den habe. Denn maß­geb­lich dafür, ob eine einst­wei­li­ge Anord­nung erlas­sen wer­den kön­ne, sei­en die Ver­hält­nis­se im Zeit­punkt der gericht­li­chen Ent­schei­dung.

Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz, Beschluss vom 09.02.2010 – 6 L 29/​10.MZ