Was­ser­rech­te für die abge­stell­te Was­ser­müh­le

Im "Bra­ke­ler Was­ser­streit" hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den die Kla­ge einer Müh­len­be­sit­ze­rin abge­wie­sen, die ihren Strom­be­darf durch den Betrieb einer mit Was­ser­kraft betrie­be­nen Müh­len­tur­bi­ne decken woll­te.

Was­ser­rech­te für die abge­stell­te Was­ser­müh­le

Die Klä­ge­rin, Erbin eines Müh­len­be­sit­zers in Bra­kel, woll­te die in der Müh­le vor­han­de­ne Tur­bi­ne nut­zen, um meh­re­re Woh­nun­gen mit elek­tri­schem Strom zu ver­sor­gen; der eigent­li­che Müh­len­be­trieb war bereits vor Jahr­zehn­ten auf­ge­ge­ben wor­den. Nach­dem sich die Betei­lig­ten nicht dar­über hat­ten eini­gen kön­nen, wer für die Instand­hal­tung eines Weh­res am Ober­lauf der Brucht zustän­dig war, hat­te die beklag­te Stadt Bra­kel im Som­mer 2008 die Was­ser­füh­rung der Brucht geän­dert mit der Fol­ge, dass das noch ankom­men­de Was­ser nach Auf­fas­sung der Klä­ge­rin nicht mehr aus­reich­te, um die Tur­bi­ne anzu­trei­ben. Vor der Ände­rung der Was­ser­füh­rung hat­te es häu­fig Beschwer­den von Anwoh­nern und Land­wir­ten gege­ben, weil es auf­grund des bau­fäl­li­gen und sanie­rungs­be­dürf­ti­gen Weh­res bei Hoch­was­ser zu Über­schwem­mun­gen gekom­men war. Nach­dem die Klä­ge­rin in einem gericht­li­chen Eil­ver­fah­ren ohne Erfolg die beklag­te Stadt Bra­kel und den Kreis Höx­ter als Was­ser­be­hör­de zwin­gen woll­te, die Ver­än­de­run­gen rück­gän­gig zu machen, begehr­te sie im Kla­ge­ver­fah­ren nun die Fest­stel­lung, dass sie sich wei­ter auf das alte, aus dem Jahr 1922 stam­men­de Stau­recht beru­fen kann.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt wies die Kla­ge jedoch ab: nach end­gül­ti­ger Auf­ga­be eines Was­ser­müh­len­be­triebs auch die damit zusam­men­hän­gen­den Was­ser­rech­te erlö­schen. Die ursprüng­li­che Aner­ken­nung des Stau­rechts sei untrenn­bar mit dem Betrieb einer Müh­le ver­bun­den gewe­sen. Wer­de eine Müh­le nicht mehr zum Mah­len von Getrei­de, son­dern auf ande­re Wei­se pri­vat genutzt, sei eine Nut­zung der Was­ser­kraft nicht mehr zuläs­sig. Was­ser sei ein All­ge­mein­gut, über das die Anlie­ger nicht ohne Wei­te­res frei ver­fü­gen könn­ten.

Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den, Urteil vom 22. Okto­ber 2010 – 8 K 1119/​10