Was­ser­ver­sor­gung auf Rügen

Ein Was­ser­werk kann anstel­le der Erhe­bung von Anschluss­bei­trä­gen den Auf­wand für die Her­stel­lung von Was­ser­an­schlüs­sen auch durch eine rei­ne Gebüh­ren­fi­nan­zie­rung decken.

Was­ser­ver­sor­gung auf Rügen

Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern die Was­ser­ver­sor­gungs­ge­büh­ren­sat­zun­gen des Zweck­ver­ban­des Was­ser­ver­sor­gung und Abwas­ser­be­hand­lung Rügen als recht­mä­ßig beur­teilt, den Beru­fun­gen des beklag­ten Zweck­ver­ban­des statt­ge­ge­ben und die Kla­gen einer Groß­ver­brau­che­rin gegen meh­re­re Trink­was­ser­ge­büh­ren­be­schei­de abge­wie­sen.

Der Zweck­ver­band Was­ser­ver­sor­gung und Abwas­ser­be­hand­lung Rügen hat­te im Jahr 2008 sein bis­he­ri­ges Sys­tem der Erhe­bung von Trink­was­ser­an­schluss­bei­trä­gen auf­ge­ge­ben und bei gleich­zei­ti­ger Rück­zah­lung bereits ver­ein­nahm­ter Bei­trä­ge auf eine Finan­zie­rung des Her­stel­lungs­auf­wan­des für die öffent­li­chen Was­ser­ver­sor­gungs­an­la­gen aus­schließ­lich über Gebüh­ren umge­stellt (so genann­te rei­ne Gebüh­ren­fi­nan­zie­rung).

Anders als das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern die­se Sys­tem­um­stel­lung als recht­mä­ßig und ins­be­son­de­re ver­ein­bar mit § 9 Abs. 1 Satz 1 Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­setz M‑V bewer­tet. Die­se Bestim­mung begrün­de kei­ne Bei­trags­er­he­bungs­pflicht in dem Sin­ne, dass eine teil­wei­se oder voll­stän­di­ge Gebüh­ren­fi­nan­zie­rung des Her­stel­lungs­auf­wan­des grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen wäre. Habe ein Ver­sor­ger erst­ma­lig in rechts­wirk­sa­mer Wei­se die Ent­schei­dung über die Art und Wei­se der Refi­nan­zie­rung des Her­stel­lungs­auf­wan­des für sei­ne Ein­rich­tung zu tref­fen oder habe er sie in der Ver­gan­gen­heit bereits getrof­fen, wer­de des­sen grund­sätz­li­ches Wahl­recht hin­sicht­lich der Finan­zie­rungs­art nicht (rück­wir­kend) ein­ge­schränkt.

Zugleich hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt aber für den Fall, dass eine Bei­trags­er­he­bung schon erheb­lich fort­ge­schrit­ten oder gar nahe­zu abge­schlos­sen wäre, klar­ge­stellt, dass sich eine Sys­tem­um­stel­lung in der­ar­ti­gen Fäl­len als vor­aus­sicht­lich rechts­wid­rig dar­stel­len wür­de, selbst wenn sich zu einem spä­te­ren Zeit­punkt her­aus­ge­stellt haben soll­te, dass die bis­her als Rechts­grund­la­ge angesehene(n) Bei­trags­sat­zung(en) rechts­wid­rig und unwirk­sam war(en). Eine sol­che Situa­ti­on habe aber im Fal­le des Zweck­ver­ban­des Rügen nicht bestan­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Urtei­le vom 3. Mai 2011 – 1 L 59/​10 und 1 L 125/​10