Wehr­ü­ben­de Ärz­te

Leis­tet ein selb­stän­dig täti­ger Arzt eine Wehr­übung ab, kann er eine Erstat­tung der Betriebs­aus­ga­ben, die für sei­ne Pra­xis wäh­rend der Zeit sei­ner Abwe­sen­heit anfal­len, nach dem Unter­halts­si­che­rungs­ge­setz nur dann ver­lan­gen, wenn in die­ser Zeit in der Pra­xis kei­ner­lei erwerbs­be­zo­ge­ne Tätig­kei­ten ver­rich­tet wer­den, ent­schied jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig im Fall eines Fach­arz­tes für Ortho­pä­die und Ober­stabs­arz­tes der Reser­ve aus Olden­burg, der im Febru­ar 2005 zu einer zehn­tä­gi­gen Wehr­übung ein­ge­zo­gen wor­den war.

Wehr­ü­ben­de Ärz­te

Ein beruf­lich selb­stän­di­ger Wehr­pflich­ti­ger, der eine Wehr­übung leis­tet, erhält Unter­halts­si­che­rungs­leis­tun­gen gemäß § 13a Abs. 2 USG grund­sätz­lich in Form ange­mes­se­ner, in der Höhe begrenz­ter Auf­wen­dun­gen, die wegen der Fort­füh­rung des Betrie­bes oder der selb­stän­di­gen Tätig­keit für eine Ersatz­kraft oder im Zusam­men­hang mit einer Über­tra­gung der Auf­ga­ben des Wehr­pflich­ti­gen auf ande­re Betriebs­an­ge­hö­ri­ge ent­ste­hen. Eine – wie­der­um in der Höhe begrenz­te – Ent­schä­di­gung für die ihm ent­fal­len­den Ein­künf­te erhält ein beruf­lich selb­stän­di­ger Wehr­ü­ben­der nach § 13a Abs. 3 Satz 1 bis 3 USG nur unter der Vor­aus­set­zung, dass eine Fort­füh­rung sei­nes Betrie­bes oder sei­ner selb­stän­di­gen Tätig­keit aus Grün­den, die er nicht zu ver­tre­ten hat, nicht mög­lich ist und dem­zu­fol­ge die betrieb­li­che oder selb­stän­di­ge Tätig­keit wäh­rend des Wehr­diens­tes ruht. Dane­ben – das heißt unter den Vor­aus­set­zun­gen, die für die Ein­künf­te­ent­schä­di­gung gel­ten – wer­den gemäß § 13a Abs. 3 Satz 4 USG die Mie­te für die Berufs­stät­te und die sons­ti­gen Betriebs­aus­ga­ben im Sin­ne des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes im Rah­men lau­fen­der Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen erstat­tet. In jedem Fall kann ein beruf­lich Selb­stän­di­ger wie alle Wehr­pflich­ti­gen die in § 13c USG und der zuge­hö­ri­gen Tabel­le vor­ge­se­he­ne Min­dest­leis­tung in Form von Tages­sät­zen ver­lan­gen.

Der Klä­ger übte sei­nen Beruf zur Zeit sei­ner Wehr­übung in einer Pra­xis­ge­mein­schaft mit einer Berufs­kol­le­gin aus. Die Sach- und Per­so­nal­kos­ten wur­den antei­lig getra­gen. Das nicht­ärzt­li­che Pra­xis­per­so­nal stand bei­den auf eige­ne Rech­nung arbei­ten­den Ärz­ten zur Ver­fü­gung. Der Klä­ger hat­te für die Zeit der Wehr­übung kei­ne Ersatz­kraft für sei­ne Pra­xis gefun­den. Wäh­rend die­ser Zeit waren die Räu­me der Pra­xis­ge­mein­schaft an einem Arbeits­tag voll­stän­dig geschlos­sen. An den übri­gen fünf Arbeits­ta­gen arbei­te­ten die ange­stell­ten Arzt­hel­fe­rin­nen für die Kol­le­gin des Klä­gers. Für die­sen waren sie inso­weit tätig, als sie für Anfra­gen sei­ner Pati­en­ten zur Ver­fü­gung stan­den, Behand­lungs­ter­mi­ne für die Zeit nach der Wehr­übung ver­ga­ben sowie Not­fäl­le und sons­ti­ge Pati­en­ten, die in der frag­li­chen Zeit eine ärzt­li­che Leis­tung des Klä­gers in Anspruch neh­men woll­ten, an des­sen Kol­le­gin ver­wie­sen. Der beklag­te Land­kreis Ammer­land als zustän­di­ge Unter­halts­si­che­rungs­be­hör­de gewähr­te dem Klä­ger nach § 13a Abs. 3 USG eine Ent­schä­di­gung ent­fal­len­der Ein­künf­te und Erstat­tung antei­lig ent­stan­de­ner Betriebs­aus­ga­ben nur für einen Wehr­übungs­tag, an dem die Räu­me der Pra­xis­ge­mein­schaft voll­stän­dig geschlos­sen gewe­sen waren. Für die übri­ge Zeit bewil­lig­te der Land­kreis die bean­trag­te Ver­dienst­aus­fall­ent­schä­di­gung im Wege des Här­teaus­gleichs nach § 23 Abs. 1 USG.

Strei­tig war nun, ob Tätig­kei­ten des Pra­xis­per­so­nals aus­rei­chen, um eine Fort­füh­rung der Arzt­pra­xis wäh­rend der Wehr­übung anneh­men zu kön­nen, oder ob eine ärzt­li­che Pra­xis stets ruht, wenn kei­ne Pati­en­ten behan­delt wer­den.

Der Kla­ge, mit der der Klä­ger sein Begeh­ren auf Erstat­tung der Betriebs­aus­ga­ben wei­ter­ver­folg­te, hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg mit der Begrün­dung statt­ge­ge­ben, die Pra­xis des Klä­gers habe im Sin­ne des § 13a Abs. 3 USG wäh­rend der Wehr­übungs­zeit geruht, denn sie habe nur in uner­heb­li­chem Umfang wei­ter funk­tio­niert und zu kei­nen nen­nens­wer­ten Ein­künf­ten geführt. Auf die Beru­fung des beklag­ten Land­krei­ses hat jedoch das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg das erst­in­stanz­li­che Urteil geän­dert und die Kla­ge abge­wie­sen 1). Es hat ange­nom­men, die Pra­xis sei dadurch im Sin­ne des § 13a Abs. 3 USG fort­ge­führt wor­den, dass dem Klä­ger wäh­rend sei­ner nur kur­zen Abwe­sen­heit durch die Tätig­keit der Arzt­hel­fe­rin­nen sein Pati­en­ten­stamm erhal­ten geblie­ben sei und ihm auch neue Pati­en­ten nicht ver­lo­ren gegan­gen sei­en.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Revi­si­on des Klä­gers zurück­ge­wie­sen: Nach dem Sinn und Zweck des Geset­zes kön­nen gemäß § 13a Abs. 3 USG ent­fal­len­de Ein­künf­te nur ent­schä­digt und ent­stan­de­ne Betriebs­aus­ga­ben nur erstat­tet wer­den, wenn der Betrieb oder die Pra­xis ruhen, also auf ihr wei­te­res Funk­tio­nie­ren gerich­te­te erwerbs­be­zo­ge­ne Arbei­ten nicht aus­ge­führt wer­den. In dem zu ent­schei­den­den Fall wie­sen die Tätig­kei­ten der Arzt­hel­fe­rin­nen jedoch einen sol­chen Erwerbs­be­zug auf. Vor die­sem Hin­ter­grund liegt in der Nicht­erstat­tung der Betriebs­aus­ga­ben auch kei­ne beson­de­re Här­te im Sin­ne des § 23 Abs. 1 USG.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 21. Juli 2010 – 6 C 1.09

  1. Nds. OVG – 5 LB 262/​08[]