Wel­pen­tö­tung als "Per­for­mance"

In der behörd­li­chen Ent­schei­dung, eine Ver­an­stal­tung zu ver­bie­ten, bei der die Tötung von Wir­bel­tie­ren ohne Grund und ohne Betäu­bung gezeigt wer­den soll, liegt kein ver­fas­sungs­wid­ri­ger Ein­griff in grund­recht­lich geschütz­te Frei­heits­rech­te (hier Kunst­frei­heit).

Wel­pen­tö­tung als "Per­for­mance"

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin den Eil­an­trag abge­lehnt, mit dem die Antrag­stel­le­rin gegen das vom vom Bezirks­amt Span­dau von Ber­lin aus­ge­spro­che­ne gänz­li­che Ver­bot ihrer Ver­an­stal­tung vor­ge­gan­gen ist. Die Antrag­stel­le­rin hat­te für den 30. April 2012 eine „Per­for­mance“ mit dem Titel „Der Tod als Meta­mor­pho­se“ im Span­dau­er Volks­thea­ter geplant. Im Rah­men einer an „tra­di­tio­nel­le thai­län­di­sche Kunst­for­men ori­en­tier­ten“ Ver­an­stal­tung soll­ten im Anschluss an eine 15-minü­ti­ge Medi­ta­ti­on nachei-nan­der zwei Hun­de­wel­pen mit­tels eines Kabel­bin­ders getö­tet wer­den; mit einem Gong und Trau­er­mu­sik soll­te die „Per­for­mance“ enden. Das Kunst­werk soll­te nach der Vor­stel­lung der Antrag­stel­le­rin pro­vo­zie­ren und dar­auf hin­wei­sen, dass aus­ge­dien­te Schlit­ten­hun­de in Alas­ka und leis­tungs­schwa­che Jagd­hun­de in Spa­ni­en auf glei­che Wei­se zu Tode stran­gu­liert wür­den. Etwai­ge Ver­stö­ße gegen das Tier­schutz­ge­setz sei­en gerecht­fer­tigt, da das Grund­ge­setz die Kunst­frei­heit vor­be­halt­los garan­tie­re.

Die­ser Auf­fas­sung konn­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin nicht fol­gen – im Gegen­teil – es bestä­tig­te das vom Bezirks­amt Span­dau von Ber­lin aus­ge­spro­che­ne gänz­li­che Ver­bot der Ver­an­stal­tung. Nach dem Tier­schutz­ge­setz dür­fe nie­mand einem Tier ohne ver­nünf­ti­gen Grund Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den zufü­gen. Zudem sei es ver­bo­ten, ein Tier zur Schau­stel­lung oder ähn­li­chen Ver­an­stal­tung her­an­zu­zie­hen, sofern damit Schmer­zen, Lei­den oder Schä­den für das Tier ver­bun­den sei­en. Ein Wir­bel­tier dür­fe schließ­lich nur unter Betäu­bung oder sonst unter Ver­mei­dung von Schmer­zen getö­tet wer­den. Vor die­sem Hin­ter­grund lie­ge in der behörd­li­chen Ent­schei­dung kein ver­fas­sungs­wid­ri­ger Ein­griff in grund­recht­lich geschütz­te Frei­heits­rech­te. Ein ver­nünf­ti­ger Grund für die geplan­te Tötung der Wel­pen sei auch unter Berück­sich­ti­gung der Kunst- und mög­li­cher­wei­se der Reli­gi­ons­frei­heit nicht anzu­er­ken­nen, zumal die Tötung eines Wir­bel­tie­res ohne Betäu­bung einen gra­vie­ren­den Ein­griff in das Staats­schutz­ziel des Tier­schut­zes nach Art. 20a GG dar­stel­le.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 24. April 2012 – 24 L 113.12