Wer­bung kom­mer­zi­el­ler Repe­ti­to­ri­en an der Uni

Das von einer Uni­ver­si­tät erlas­se­ne Haus- und Wer­be­ver­bot für alle kom­mer­zi­el­len juris­ti­schen Repe­ti­to­ri­en ist recht­mä­ßig, da der Öffent­lich­keit die Räu­me der Uni­ver­si­tät nur im Rah­men ihrer Zweck­be­stim­mung als Lern- und Lehr­stät­te zur Ver­fü­gung ste­hen. Mit einem rein kom­mer­zi­el­len Leis­tungs­an­ge­bot ist das nicht ver­ein­bar.

Wer­bung kom­mer­zi­el­ler Repe­ti­to­ri­en an der Uni

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len zwei­er pri­va­ter juris­ti­schen Repe­ti­to­ri­en, die von der Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen ver­häng­ten Wer­be- und Haus­ver­bo­te für rechts erklärt. Mit Beschei­den vom 11. Sep­tem­ber 2009 unter­sag­te die Georg-August-Uni­ver­si­tät den bei­den Klä­gern in Räu­men der Uni­ver­si­tät Wer­be­maß­nah­men für ihr kom­mer­zi­el­les Repe­ti­to­ri­um durch­zu­füh­ren und erteil­te ihnen Haus­ver­bo­te, soweit die Räu­me zu Wer­be­zwe­cken betre­ten wür­den. Seit vie­len Jah­ren bie­ten pri­va­te juris­ti­sche Repe­ti­to­ri­en gegen Ent­gelt Kur­se an, die den juris­ti­schen Nach­wuchs auf sein Staats­ex­amen vor­be­rei­ten sol­len. Für die­se Kur­se wird bis­her in den Räu­men der Uni­ver­si­tät Wer­bung betrie­ben. Dane­ben führt auch die juris­ti­sche Fakul­tät Ver­an­stal­tun­gen mit dem­sel­ben Ziel durch.

Zur Begrün­dung führ­te die Uni­ver­si­tät im Wesent­li­chen an, ihr aus Vor­le­sun­gen, Klau­su­ren­kur­sen, Semi­na­ren, Übun­gen und Uni­ver­si­täts-Repe­ti­to­ri­en sowie Wie­der­ho­lungs- und Ver­tie­fungs­kur­sen bestehen­des Lehr­an­ge­bot ermög­li­che jedem Stu­die­ren­den bei ent­spre­chen­der Eig­nung ohne zusätz­li­chen finan­zi­el­len Auf­wand zu einem Stu­di­en­ab­schluss zu gelan­gen. Wer­bung für kom­mer­zi­el­le Repe­ti­to­ri­en in den Räu­men der Uni­ver­si­tät erwe­cke bei den Stu­die­ren­den den (fal­schen) Ein­druck, als sei sie selbst nicht davon über­zeugt, dass ihr Ange­bot aus­rei­che. Soweit für Wer­be­zwe­cke auch noch offi­zi­el­le Mit­tei­lun­gen über­klebt wor­den sei­en, wer­de zudem der Betriebs­auf­lauf gestört. Hier­ge­gen haben die Klä­ger im Okto­ber 2009 Kla­ge erho­ben, wobei einer von ihnen gleich­zei­tig um einst­wei­li­gen gericht­li­chen Rechts­schutz nach­ge­sucht hat­te. Sie haben im Wesent­li­chen gel­tend gemacht, nicht in Kon­kur­renz zum uni­ver­si­tä­ren Ange­bot zu tre­ten, son­dern die­ses Ange­bot ledig­lich zu ergän­zen.

Dem einst­wei­li­gen Rechts­schutz­be­geh­ren hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen mit Beschluss vom 25. Febru­ar 2010 mit der Begrün­dung statt­ge­ge­ben, die Uni­ver­si­tät habe sich zwei Repe­ti­to­ri­en für ihre Ver­bots­ver­fü­gung her­aus­ge­sucht, ande­re aber ver­schont 1. Dies ver­sto­ße gegen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz. Dar­auf­hin erließ die Uni­ver­si­tät im Wege einer All­ge­mein­ver­fü­gung ein Haus- und Wer­be­ver­bot für alle kom­mer­zi­el­len Repe­ti­to­ri­en.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Göt­tin­gen ist die­se All­ge­mein­ver­fü­gung recht­mä­ßig und führt in sei­ner Begrün­dung aus, es wer­de das Ver­trau­en der Stu­den­ten in deren Leis­tungs­fä­hig­keit dadurch erschüt­tert, dass der Ein­druck erweckt wer­de, das Lehr­an­ge­bot der Uni­ver­si­tät rei­che für einen erfolg­rei­chen Stu­di­en­ab­schluss nicht aus; dies stel­le eine Stö­rung der Zweck­be­stim­mung der Uni­ver­si­tät dar; erst recht gel­te dies, wenn und soweit offi­zi­el­le Mit­tei­lun­gen durch Wer­be­pla­ka­te über­klebt wür­den. Der Öffent­lich­keit und damit auch den Klä­gern stün­den die Räu­me der Uni­ver­si­tät nur im Rah­men ihrer Zweck­be­stim­mung als Lern- und Lehr­stät­te zur Ver­fü­gung; dies sei mit einem rein kom­mer­zi­el­len Leis­tungs­an­ge­bot wie es die Klä­ger erbräch­ten, nicht ver­ein­bar.

Da nun­mehr alle kom­mer­zi­el­len Repe­ti­to­ri­en gleich behan­delt wür­den, läge auch ein Ver­stoß gegen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht mehr vor. Sowohl das Wer­be- wie auch das Ver­bot, uni­ver­si­tä­re Räu­me zu Wer­be­zwe­cken zu betre­ten sei schließ­lich auch ver­hält­nis­mä­ßig.

Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen, Urtei­le vom 20. Sep­tem­ber 2012 – 4 A 258 und 259/​09

  1. VG Göt­tin­gen, Beschluss vom 25.02.2010 – 4 B 10/​10[]