Wider­ruf der Asyl- und Flücht­lings­an­er­ken­nung

Die Rechts­kraft eines zur Aner­ken­nung als Asyl­be­rech­tig­ter und zur Zuer­ken­nung der Flücht­lings­ei­gen­schaft ver­pflich­ten­den ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Urteils steht einer Wider­rufs­ent­schei­dung nach § 73 Abs. 1 AsylVfG nicht ent­ge­gen, wenn sich die zur Zeit des Urteils maß­geb­li­che Sach- oder Rechts­la­ge nach­träg­lich ent­schei­dungs­er­heb­lich ver­än­dert hat. Maß­geb­lich für die Beur­tei­lung, ob eine ent­schei­dungs­er­heb­li­che Ände­rung vor­liegt, ist der Ver­gleich der dem Ver­pflich­tungs­ur­teil zugrun­de geleg­ten Tat­sa­chen­la­ge, auch soweit sie sich nach­träg­lich als unrich­tig erweist, mit der­je­ni­gen zum Zeit­punkt der letz­ten tatrich­ter­li­chen Ent­schei­dung über den Wider­ruf.

Wider­ruf der Asyl- und Flücht­lings­an­er­ken­nung

Beruht die Aner­ken­nung eines Aus­län­ders als Asyl­be­rech­tig­ter aus­schließ­lich auf Nach­flucht­grün­den, gilt für den Wider­ruf – spie­gel­bild­lich zur Aner­ken­nung – der Maß­stab der beacht­li­chen Wahr­schein­lich­keit.

Für die allein auf Nach­flucht­grün­de gestütz­te Zuer­ken­nung der Flücht­lings­ei­gen­schaft ist die Beweis­erleich­te­rung nach Art. 4 Abs. 4 der Richt­li­nie 2004/​83/​EG nicht anzu­wen­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 22. Dezem­ber 2011 – 10 C 29.10