Wider­ruf der Flücht­lings­ei­gen­schaft

Die Zuer­ken­nung der Flücht­lings­ei­gen­schaft ist nach § 73 Abs. 1 Satz 1 und 2 AsylVfG i.V.m Art. 11 Abs. 1 Buchst. e der Richt­li­nie 2004/​83/​EG zu wider­ru­fen, wenn in Anbe­tracht einer erheb­li­chen und nicht nur vor­über­ge­hen­den Ver­än­de­rung der Umstän­de im Her­kunfts­land die­je­ni­gen Umstän­de, auf­grund derer der Betref­fen­de begrün­de­te Furcht vor Ver­fol­gung aus einem der in Art. 2 Buchst. c der Richt­li­nie 2004/​83/​EG genann­ten Grün­de hat­te und als Flücht­ling aner­kannt wor­den war, weg­ge­fal­len sind und er auch nicht aus ande­ren Grün­den Furcht vor „Ver­fol­gung“ im Sin­ne des Art. 2 Buchst. c der Richt­li­nie 2004/​83/​EG haben muss. Dies ent­schied jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im Anschluss an das Sala­ha­din Abdul­la-Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on 1.

Wider­ruf der Flücht­lings­ei­gen­schaft

Die Ver­än­de­rung der der Flücht­lings­an­er­ken­nung zugrun­de lie­gen­den Umstän­de ist nach Art. 11 Abs. 2 der Richt­li­nie 2004/​83/​EG erheb­lich und nicht nur vor­über­ge­hend, wenn fest­steht, dass die Fak­to­ren, die die Furcht des Flücht­lings vor Ver­fol­gung begrün­de­ten und zur Flücht­lings­an­er­ken­nung führ­ten, besei­tigt sind und die­se Besei­ti­gung als dau­er­haft ange­se­hen wer­den kann. Dau­er­haft ist die Ver­än­de­rung in der Regel nur, wenn im Her­kunfts­land ein Staat oder ein sons­ti­ger Schutz­ak­teur im Sin­ne des Art. 7 der Richt­li­nie 2004/​83/​EG vor­han­den ist, der geeig­ne­te Schrit­te ein­ge­lei­tet hat, um die der Aner­ken­nung zugrun­de lie­gen­de Ver­fol­gung zu ver­hin­dern.

Macht der Flücht­ling im Wider­rufs­ver­fah­ren unter Beru­fung auf den glei­chen Ver­fol­gungs­grund wie den bei sei­ner Aner­ken­nung als Flücht­ling fest­ge­stell­ten gel­tend, dass nach dem Weg­fall der Tat­sa­chen, auf­grund derer er als Flücht­ling aner­kannt wor­den war, ande­re Tat­sa­chen ein­ge­tre­ten sei­en, die eine Ver­fol­gung aus dem glei­chen Ver­fol­gungs­grund befürch­ten lie­ßen, ist dies nor­ma­ler­wei­se bereits bei Art. 11 Abs. 2 der Richt­li­nie 2004/​83/​EG zu beach­ten.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 24. Febru­ar 2011 – 10 C 3.10

  1. EuGH, Urteil vom 02.03.2010 – C‑175/​08 u.a. [Abdul­la u.a.], InfAuslR 2010, 188[]